Der Ideenmacher

Martin Mangeng aus Bürs baut Minifunken für den heimischen Garten.
Bürs Martin Mangeng ist ein Macher. Der Bürser hat zuletzt rund 200 Minifunken gebaut, die Einheimische wie Auswärtige am Funkensonntag als Ersatz für das traditionelle Funkenfeuer daheim im Garten anzünden können. „Gib mir eine Flasche Wein und zwei Zigarren und ich mach was“, sagt der Visionär. Tatenlos rumsitzen kann er nicht.
Als gelernter Tischler versteht Martin Mangeng etwas von seinem Handwerk. Gemeinsam mit dem iranischen Ehepaar Reza und Eliana kam ihm die Idee, diese Mini-Funken aus Fichtenholz, Lehm und Holzwolle zu bauen, nachdem er eine solche Konstruktion in einer Bäckerei gesehen hat. „Ich war in dieser Zeit sowas von frustriert“, erzählt der Pensionist. Denn, obwohl er zwei Ferienwohnungen im selbsternannten, aufwendig renovierten Haus Topa in Vandans hat, bekommt er vom Bund keine finanziellen Hilfen, weil er dort nicht wohnt. Reza, der nachträglich in Österreich getauft worden ist, habe ihn dann gelehrt, dass er seinen Fokus auf etwas anderes lenken soll, um seine negativen Gedanken zu vertreiben. Gesagt, getan: Die Nachfrage an den Minifunken war sogar um einiges höher, als Martin Mangeng hätte bauen können. Nicht nur die Vorarlberger wollten diese Tradition fortführen, sondern aufgrund des Gewinnspiels der Montafon Tourismus GmbH wurden die Holztürme europaweit versandt. Mit dem eingenommenen Geld will der 64-Jährige der im Montafon lebenden iranischen Familie die Kultur in Vorarlberg näherbringen.
Martin Mangeng ist aber nicht nur Tischler, sondern war früher auch Langläufer. Bei einer Mehrtageswanderung mit einem Ehepaar durch den Rätikon entstanden schließlich so viele Fragen über das Leben, dass er sich kurzerhand entschloss, in ein Kloster zu gehen. Sieben Jahre lang versprach er sich der katholischen Kirche, verbrachte drei Jahre im Schwazer Kloster, studierte dort Religionspädagogik. Außer als Religionslehrer war er auch als Präfekt tätig. „Ich wollte nicht nur mit Holz, sondern auch mit Menschen arbeiten“, erklärt er.
Vom Möbelhaus auf die Skipiste
Nach seiner Unterrichtszeit zeichnete er für ein Möbelhaus Einrichtungsräume und wechselte später in den Verkauf. „Irgendwann hat mein Körper aber nicht mehr mitgespielt“, berichtet der Bürser, weshalb er zu den Brandner Bergbahnen gegangen ist. Nachdem er anfangs nur als Schneeschipper eingesetzt wurde, konnte er sich schnell zum Allrounder hocharbeiten. „Die Kälte, die körperliche Tätigkeit, der Sonnenaufgang: Das hat mir alles gefehlt.“ Abends sei er hundsmüde ins Bett gefallen und war zufrieden mit sich. „Manche Erwachsene sind nur wegen mir gekommen“, sagt er. Doch das hatte auch einen bitteren Beigeschmack: „Ich habe eine Überheblichkeit bekommen, die zum Kotzen war.“ Und diese Überheblichkeit brachte ihn letztlich zu Fall. Eines Tages war er mit dem Ski-Doo auf der Piste unterwegs und übersah dabei einige Eisplatten. Er verlor die Kontrolle über das Pistenfahrzeug und brach sich den Fuß. Dann wusste er: „Jetzt ist Schluss.“ Doch untätig war er danach nicht. Für zwei Jahre arbeitete er in China für die Firma Getzner. Geld habe ihn jedoch nie interessiert. „Ich bin kein Karrieretyp.“
Symbolhaftigkeit bleibt erhalten
Martin Mangeng hinterlässt trotzdem überall seine Spuren. So war er schon Initiator von mehreren Festen. Und durch die Minifunken wird auch das sonst so beliebte Spektakel des Funkenabbrennens – für Martin Mangeng ein Zeichen des Frühlings und der Zukunft – heuer nicht ganz ausfallen. „Das ist ein Projekt, das wir gerne unterstützen“, sagt Franziska Nitschmann, Pressesprecherin der Montafon Tourismus GmbH. VN-JUN
Zur Person
Martin Mangeng
Geboren 16.03.1956
Familie geschieden, eine Tochter
Beruf Pensionist
Hobbys Wandern, Langlaufen, Lesen, sich in die Stille zurückziehen