Einsatz in den Bergen

Wetter / 27.01.2021 • 18:02 Uhr
Bergretter Wolfgang Bartl: „Immer Notfallausrüstung mitnehmen!“
Bergretter Wolfgang Bartl: „Immer Notfallausrüstung mitnehmen!“

Wolfgang Bartl rettet im heimischen Gebirge und im Himalaja.

Nüziders Die Skigebiete sind im Lockdown offen. Die Schneelage ist top. So herrscht vor allem bei gutem Wetter auf Pisten, Langlaufloipen und Winterwanderwegen reges Treiben.

Auch abseits der markierten Pisten, in idyllischer Natur, sind Skifahrer und Tourengeher unterwegs. Doch die Idylle trügt. Die Gefahr von Lawinenabgängen ist immer präsent. Insbesondere dann, wenn viel Neuschnee gefallen ist. „Alle, die sich in freies alpines Gelände begeben, sollten sich unbedingt mit dem Wetter und dem Lagebericht befassen und immer eine komplette Notfallausrüstung mitnehmen“, appelliert Wolfgang Bartl. Der 56-jährige Nüziger ist Ausbildungsleiter bei der Bergrettung Bludenz/Bürs, beim Alpenverein ist er als Landes-Alpin-Referent neben anderem für die Aus- und Weiterbildung der ehrenamtlichen Tourenführer zuständig. Ihm zufolge sind die meisten, die sich in alpines Gelände begeben, gut ausgestattet und auch sehr gute Skifahrer und erfahrene Tourengeher. Erfreulich sei, dass die Bereitschaft für Aus- oder Weiterbildung hoch ist: „Beim Alpenverein ist besonders die Nachfrage für das Thema ‚Notfall Lawine‘ stark“, informiert er. Wegen Corona gibt es jedoch derzeit keine Kurse.

Bartl rückte in dieser Wintersaison bereits zu fünf Rettungseinsätzen aus. Dazu möchte er Folgendes klarstellen: „Kein Bergretter – überhaupt niemand – hat das Recht, unmittelbar nach einem Alpin- oder Lawinenunglück Kritik am Unfallhergang oder gar an einer Fehleinschätzung des Verunglückten zu äußern.“ Er weist darauf hin, dass auch gut ausgebildete, mit Notfallausrüstung ausgestattete Alpinsportler in Situationen geraten, die sie nicht ohne Hilfe von Bergrettern bewältigen können. Bartl ist nicht nur in den heimischen Bergen als Helfer im Einsatz, sondern auch im nepalesischen Himalaja-Gebirge. Den Schlossermeister mit eigenem Unternehmen und Lehrlingsausbilder beim Fruchtsafthersteller Rauch führte eine Trekkingtour im Jahr 2005 zum ersten Mal nach Nepal. In der Stadt Banepa wurde er auf das „Hospital and Rehabilitation Center for disabled Children“ (HRDC), eine Reha-Klinik für behinderte Kinder, aufmerksam, die er mit der von ihm gegründeten Organisation „Let the children walk“ unterstützt. Zu deren Hilfsprojekten zählen auch der Bau von Wohnhäusern für 100 Familien und eine Nähschule für Mädchen im Himalaja-Dorf Gumbadanda.

4000 Masken

Dass er Corona wegen nicht nach Nepal reisen kann, um seine Hilfsprojekte vor Ort zu betreuen, stimmt Bartl traurig. „Mein Freund Daua vertritt mich aber bestens.“ Zuletzt hat Daua für die Nähschule Stoff, Zubehör und eine neue Nähmaschine besorgt. „Damit konnten unsere Nähschülerinnen in kurzer Zeit über 4000 Mund-Nasen-Schutzmasken produzieren“, berichtet Wolfgang Bartl stolz. Außerdem haben neulich acht Mädchen den neun Monate dauernden Ausbildungsturnus zur Näherin erfolgreich abgeschlossen. Der nächste Turnus, wieder mit acht Mädchen, hat bereits begonnen. HRJ

Zur Person

Wolfgang Bartl

Geboren 4. März 1964

Wohnort Nüziders

Beruf Schlosser, Lehrlingsausbilder

Familie verheiratet, drei Kinder