Ein Heim für Straßenkinder

Wetter / 04.11.2020 • 18:52 Uhr
Reinhard Dür zeigt stolz ein Foto mit dem Heim für Straßenkinder. HRJ
Reinhard Dür zeigt stolz ein Foto mit dem Heim für Straßenkinder. HRJ

Reinhard Dürs Engagement für das Hilfsprojekt seines Sohnes.

hard Reinhard Dür ist stolz auf seinen Sohn. „Matthias hat in einem fremden Land, das mehr als 10.000 Kilometer von daheim entfernt ist, ein großartiges Hilfsprojekt zustande gebracht. Ja, ich bin wirklich stolz auf ihn.“

Am Anfang war das ein bisschen anders. Nachdem Sohn Matthias die HTL mit der Matura abgeschlossen hatte und Ingenieur für Automatisierungstechnik wurde, wartete ein attraktives Jobangebot auf ihn. Vater Reinhard Dür – 61 Jahre alt, Ur-Harder, Tischlermeister und Glaser – malte sich für seinen top ausgebildeten Sohn eine tolle berufliche Karriere in Vorarlberg aus. Und er wünschte sich, dass Mathias in dieses schöne Haus mit Garten am Ortsrand von Hard einzieht, welches ihm und seiner Ehefrau Carmen gehört. Doch Mathias entschied anders. Der damals 22-Jährige zog zuerst nach Thailand. Für eine Weile. Seinen Aufenthalt dort finanzierte er mit Englischunterricht für einheimische Kinder. 2013 reiste Mathias auf die Philippineninsel Mindanao. Im Armenviertel der Stadt Cagayan de Oro freundete er sich mit Straßenkindern an, die vom Müllsammeln leben, drogensüchtig und Opfer von Gewalt sind. Der junge Vorarlberger erkannte, diese Kinder brauchen nicht nur medizinische Hilfe und Bildung, sondern auch ein Dach über dem Kopf. Er beschloss zu helfen und erstellte einen Plan für den Bau eines Hauses, in dem etwa ein Dutzend Straßenkinder leben können. Zur Realisierung seines Hilfsprojektes musste er Geld beschaffen. Also kehrte er heim, gründete den Verein „Straßenkinderprojekt Just One Touch“, sammelte eine ansehnliche Summe Geld und flog wieder nach Mindanao. Nebenbei informierte Mathias seine Familie, dass er ab jetzt nur noch auf Besuch nach Hard kommen werde.

Das war für Reinhard Dür ein harter Brocken, „aber ich habe seine Entscheidung respektiert“. Mehr noch: Er übernahm am Gründungstag die Obmannschaft für den Verein und ist seitdem für das Organisatorische hier in Vorarlberg zuständig. „Das Heim ist nun fertiggebaut und wird von 14 Buben im Alter von acht bis 14 Jahren bewohnt“, informiert der Obmann mit großer Freude. Den Großteil der Finanzierung des Hauses hat übrigens der Lions Club Bregenz übernommen. Die Kinder werden von einem Sozialarbeiter betreut und in der nahen öffentlichen Schule unterrichtet.

Damit ist das Straßenkinderprojekt jedoch nicht abgeschlossen. Jetzt geht es um die Erhaltung des Heims. „Außerdem wollen wir weiteren Straßenkindern zu einer besseren Zukunft verhelfen“, sagt Reinhard Dür. Dafür sucht der Verein Sponsoren, auch größere, die regelmäßig spenden, um die Existenz des Heims und die Bildung der Kinder zu sichern.

Massive Auswirkungen

Im Moment sei es schwierig, Spendengelder zu lukrieren, denn die Coronapandemie hat auch auf „Just One Touch“ massive Auswirkungen. „Wegen der Einschränkung der persönlichen Kontakte können wir unsere Vorhaben derzeit nicht umsetzen“, bedauert Reinhard Dür. „Wir wollten etwa eine Veranstaltung mit Spendensammlung organisieren, aber das geht nicht.“ Trotzdem hofft der Obmann auf Eingänge auf dem Spendenkonto.

Neben seinem Engagement für das Straßenkinderprojekt ist Reinhard Dür in einem renommierten Unternehmen als Glaser beschäftigt. Bleibt noch Freizeit übrig, widmet er sie den Jahreszeiten angepassten Aktivitäten: An warmen Sommertagen fährt er mit seinem kleinen Boot – „meiner Gondel“ – auf den See hinaus. Im Winter ist Skifahren angesagt, meistens am Arlberg. „Wenn ich wegen Corona in dieser Saison nicht Skifahren kann, baue ich einen Schneemann. Einen riesengroßen.“ Vorausgesetzt ist, dass es schneit. HRJ

Zur Person

Reinhard Dür

Geboren 25. Juni 1959

Beruf Tischler, Glaser

Familie verheiratet mit Carmen, Vater von Mathias (34) und Bettina (29)

Info und Spendenkonto www.just-one-touch.org