Kinderwünsche erfüllen

Wetter / 28.10.2020 • 18:20 Uhr
Kerstin Bösch näht Hicky-Bags und Hippie-Rucksäcke für kranke Kinder. HRJ
Kerstin Bösch näht Hicky-Bags und Hippie-Rucksäcke für kranke Kinder. HRJ

Kerstin Bösch stellt Hilfsprojekte im Unterland auf.

FUSSACH Helfen, um zurückzugeben. Mit dieser Devise hat sich Kerstin Bösch dem Helferteam von „Stunde des Herzens“ angeschlossen. Von der in Bürserberg ansässigen Hilfsorganisation, die in erster Linie für Familien mit kranken und behinderten Kindern da ist, hat die 40-Jährige viel Unterstützung erfahren, als ihr eigenes Kind schwer krank war.

Joana wurde 2009 mit einer komplizierten Herzfehlbildung geboren. Sie war noch ein Baby, als sie sich in der Kinderklinik St. Augustin in Köln der ersten Operation am offenen Herzen unterziehen musste. Damals erfuhr Joe Fritsche, Obmann von „Stunde des Herzens“, von Joanas Krankheit. Er bot der Familie Bösch Hilfe an. „Joe nahm sich viel Zeit, um mit uns zu reden. Das hat uns gutgetan.“ Darüber hinaus gab es finanzielle Unterstützung. „Vor der OP in Deutschland hatten wir schon einen Termin beim Bestattungsunternehmen“, erinnert sich Kerstin Bösch. „Doch Joana hat sich ins Leben zurückgekämpft.“ Nach einem weiteren Eingriff am offenen Herzen und acht Herzkatheterisierungen geht es dem Mädchen heute so gut, dass es die Sportmittelschule besuchen kann. „Joana ist ein aufgewecktes, lebenslustiges Mädchen. Da ist kein Unterschied zu meinen anderen beiden Kindern“, berichtet die Mutter glücklich. Die älteste Tochter Michelle ist zwölf, die jüngste, Lianne, sechs.

Besonders in der schwierigsten Zeit, als Joanas Leben gefährdet war, erwies sich die Begleitung vom „Stunde des Herzens“-Team von unschätzbarem Wert. Daraufhin entschied Kerstin Bösch, selber aktiv mitzuarbeiten: „Damit kann ich etwas zurückgeben.“ Finanziell könne sie nicht beitragen, „aber ich kann mich persönlich einsetzen“. Für krebskranke Kinder näht sie Mützen und Kopftücher sowie Hicky-Bags (zur Verwahrung von Medikamenten) und Hippie-Rucksäcke. Des Weiteren ist sie gemeinsam mit Ines Fritsche für die Wunschliste zuständig. „Letztes Jahr haben wir rund 40 Herzenswünsche erfüllt“, informiert Kerstin Bösch. Siban, zum Beispiel, bekam ein Playmobil Country. Sulin suchte sich eine Barbie-Puppe mit Pferd aus. Ein Playmobil Polizei-Mannschaftswagen ging an Dario. Und zwei schwerbehinderte Buben erhielten eine spezielle Turnmatte. Derzeit entsteht die diesjährige Weihnachtswunschliste. „Dafür suchen wir Sponsoren“, sagt Kerstin Bösch, die übrigens neulich zur Vizeobfrau von „Stunde des Herzens“ ernannt wurde. Der bisherige Vizeobmann, Dieter Reimers, hat sich aus Altersgründen zurückgezogen.

In ihrer neuen Funktion baut Kerstin Bösch die bislang fast nur im Oberland agierende Hilfsorganisation jetzt im Unterland auf. „Denn auch hier gibt es Familien, die unsere Hilfe dringend brauchen.“ Die „Einsatzzentrale“ ist in der Reihenhauswohnung in Fußach, in das Kerstin und Ehemann Christian Bösch kurz nach der Heirat vor zwölf Jahren eingezogen sind.

Kindern und Alten helfen

Im ganzen Land gibt es immer mehr alte Menschen, die keine oder kaum eine Pension bekommen und somit auf kostenlose Lebensmittel angewiesen sind. Darum will die neue Vizeobfrau das Projekt Altersarmut, das „Stunde des Herzens“ zusammen mit Tischlein deck dich im Raum Bludenz und Montafon durchführt, nun auch im Unterland etablieren.

Mit ihrer Tätigkeit für „Stunde des Herzens“ ist Kerstin Bösch ausgelastet: „Einen bezahlten Job gibt es für mich als Mutter von drei minderjährigen Kindern und dazu in Coronazeiten eh nicht“, resümiert die ausgebildete Bürokauffrau. „Viel wichtiger ist, Familien mit kranken und behinderten Kindern Zeit zu schenken und das Gefühl zu vermitteln, nicht allein gelassen zu werden.“ Sie weiß aus eigener Erfahrung, was betroffene Familien durchmachen. HRJ

Zur Person

Kerstin Bösch

Geboren 13. Jänner 1980

Wohnort Fußach

Beruf Bürokauffrau, Mutter

Familie verheiratet mit Christian, drei Töchter

Kontakt 0699 18206606, kerstin@herz.org.at, www.herz.at