Kindeswohl im Blick

Wolfgang Blecha leitet Kinder- und Jugendhilfe in Dornbirn.
DORNBIRN Wolfgang Blecha ist auch nach 25 Jahren als Leiter der Kinder- und Jugendhilfe in Dornbirn noch immer begeistert von seinem Aufgabengebiet: „Früher war die Kinderfürsorge und Jugendwohlfahrt eher negativ behaftet, mittlerweile ist ein Umdenken spürbar. Wir wollen nicht den Ruf haben, dass wir Kinder unüberlegt aus den Familien herausholen. Im Gegenteil: Wir wollen die Eltern stärken, damit sie ihre Kinder gut begleiten und fördern können.“
Dabei gehe es darum, familieneigene Ressourcen zu reaktivieren und durch eine Hilfeplan-Vereinbarung klare Ziele festzulegen. Dazu werden auch die Kinder mit ins Boot geholt. Der Fall des zu Tode gekommenen Kleinkinds Cain vor einigen Jahren habe für eine umfassende Neustrukturierung der Kinder- und Jugendhilfe im Land geführt. „Unsere Hauptaufgabe ist die Sicherung des Kindeswohls“, bekräftigt Blecha, der vor seinem Berufswechsel zehn Jahre lang als Gendarm tätig war.
Engagierter Abteilungsleiter
„Mit 23 Mitarbeitern sind wir die größte Abteilung der Bezirkshauptmannschaft Dornbirn. Wir vertreten bei Unterhaltsvereinbarungen rund 1800 Kinder. Der andere große Bereich ist die Sozialarbeit. Das Ziel ist, den Unterstützungsbedarf der Familie abzuklären, der dann von unseren Partnern wie etwa IfS, Caritas, Vorarlberger Kinderdorf oder Connexia abgedeckt wird“, betont der engagierte Abteilungsleiter.
Ein Austausch auf Augenhöhe, sowohl mit den Mitarbeitern als auch den Partner und den Familien, sei immens wichtig. „Ein Ziel von mir war immer schon ein möglichst niederschwelliger Zugang zu den Hilfeleistungen. Vielfach haben die Eltern Angst, wenn über die Polizei oder über die Nachbarn etwas bei uns gemeldet wird. Wir sind verpflichtet, diesen Meldungen nachzugehen“, erklärt Wolfgang Blecha. Es sei viel einfacher, wenn sich Eltern, die sich überfordert fühlen, selbst melden. Je früher eine Hilfestellung erfolge, desto besser und effektiver wirke sie auch. Das Erfolgsergebnis spiegelt sich vor allem darin, dass über 50 Prozent der Zielvereinbarungen mit den Familien erreicht werden konnten.
Gesellschaftliche Entwicklungen spielen eine maßgebliche Rolle. Der 59-Jährige hat vielfach feststellen müssen, dass die Zunahme psychischer Erkrankungen bei Eltern eine unmittelbare Auswirkung auf deren Kinder hat. Es werde deshalb eng mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie zusammengearbeitet. Auch Suchterkrankungen sind ein großes Thema. „Unsere Interventionen orientieren sich immer am Alter des Kindes, ob die Aufsichtspflicht gewährleistet und ob auch die Grundbedürfnisse des Kindes befriedigt werden“, sagt Blecha und ergänzt: „Ist ein Kindeswohl massiv gefährdet, ist eine Fremdunterbringung unumgänglich.“
Schwierige Entscheidungen
Jeder einzelne Fall werde bei Gericht mittels Gutachten genau abgeklärt. „Wir sind nicht die Feinde der Familien. Manchmal bleibt uns nichts anderes übrig, als ein Kind zum eigenen Schutz in einer Einrichtung oder Pflegefamilie unterzubringen.“ Solche Entscheidungen sind sehr schwierig. Wolfgang Blecha unterstützt seine Mitarbeiter mit seiner Erfahrung. In der sensiblen Thematik ist viel Gespür gefragt, schließlich geht es um Entscheidungen, die oftmals weitreichende Folgen zeitigen. Den Ausgleich zum herausfordernden Berufsalltag mit immer wieder belastenden Fällen findet er im Kreis seiner Familie und bei der Gartenarbeit. „Das ist mir viel wert“, versichert er. Genauso gerne steht er als leidenschaftlicher Hobbykoch selber zwischendurch in der Küche, am Herd um neue Rezepte auszuprobieren. BI
Zur Person
WOLFGANG BLECHA
Geboren 1961
Ausbildung/Werdegang 1982 Einritt in die Gendarmerie, 1988 Fachkurs für dienstführende Gendarmeriebeamte, 1992 Wechsel in die Bezirkshauptmannschaft Dornbirn.
Familie verheiratet, ein Sohn
Hobbys Kochen, Reisen, Garten