Ausgezeichnete Forscherin

Wetter / 21.10.2020 • 17:57 Uhr
Simone Schuler wurde mit dem Hannspeter Winter-Preis ausgezeichnet. TU Wien
Simone Schuler wurde mit dem Hannspeter Winter-Preis ausgezeichnet. TU Wien

Simone Schuler weiß, wie man Daten schneller ans Ziel bringt.

Wien, Bings Graphen gilt als das Supermaterial der Zukunft. Es ist ultradünn, extrem leitfähig und viel robuster als Stahl. Diese und andere Eigenschaften haben auch Simone Schuler buchstäblich elektrisiert. Die Bingserin erforschte im Rahmen ihrer Dissertation, wie man mit Sensoren aus Graphen Daten schneller ans Ziel bringen kann. Unlängst erhielt sie dafür den Hannspeter Winter-Preis der TU Wien.

Das Interesse für Elektrotechnik wurde bei Simone Schuler in der Hauptschule geweckt. „Bei den Schnuppertagen war ich bei Gantner Electronic. Die Aufgabe war, eine Schaltung aufzubauen und ich wollte einfach verstehen, was dahintersteckt“, erzählt die ausgezeichnete Forscherin. Sie absolvierte die HTL in Rankweil und entschied sich anschließend für ein Elektrotechnikstudium an der TU Wien. „Nach der HTL habe ich mir gedacht, das ist irgendwie zu wenig. Ich möchte das alles noch besser verstehen.“ Das war im Jahr 2007.

Faszinierend

Mit dem Kohlenstoffmaterial Graphen beschäftigte sich die Vorarlbergerin bereits in ihrer Diplomarbeit. „Zu dem Zeitpunkt war das Material recht neu. Es wurde erst im Jahr 2004 entdeckt. Mich hat fasziniert, dass es noch komplett unerforscht war.“ In ihrer Dissertation blieb die heute 32-Jährige diesem Forschungsfeld treu und entwickelte technische Lösungen, um die Eigenschaften von Graphen-Photodetektoren optimal nutzen zu können. „Wir wissen heute, dass wir langfristig gesehen Probleme in der Datenübertragung haben, weil wir einfach keine Bauelemente mehr haben, die so schnell Daten verarbeiten können. Da muss man an Lösungen arbeiten. Ziel meiner Dissertation war es, zu schauen, was mit dem Material alles möglich ist“, berichtet Simone Schuler.

Hintergrund: Wenn wir im Internet surfen, kommen unsere Daten als optische Lichtsignale durch das Glasfaserkabel. Im Computer sollen sie allerdings als elektrische Signale verarbeitet werden. Man benötigt daher einen Photodetektor, der Licht in elektrische Impulse umwandelt. Je schneller und effizienter diese Umwandlung gelingt, umso größere Datenmengen können in einem gegebenen Zeitraum an den Computer übertragen werden. „Graphen ist ein Material, das gleich mehrere wichtige Vorteile miteinander verbindet“, erläutert die Expertin. „Es kann Licht in einem extrem breiten Bereich des Spektrums absorbieren, man kann also Lichtsignale mit ganz unterschiedlichen Wellenlängen verwenden. Außerdem ist die Sensitivität von Graphen-Photodetektoren extrem hoch, man braucht also nur eine geringe Lichtleistung, um zuverlässig ein elektrisches Signal zu bekommen.“

Moskau bis Cambridge

Im Rahmen ihrer Forschungstätigkeit kam Simone Schuler auch schon viel herum. 2017 war sie beispielsweise als Visiting Researcher in Russland. Ein Professor von dort wurde auf einer Konferenz auf die Elektrotechnikerin aufmerksam. „Er hat gesagt, ich mache das ganze theoretisch und ich würde jemanden brauchen, der die Experimente dazu macht. Ich bin dann einen Monat nach Moskau und habe ihm gezeigt, wie man die Proben baut und wie man es misst.“ Nach ihrer Dissertation im Jahr 2018 forschte die Bingserin sieben Monate als Postdoctoral Researcher an der Universität Cambridge. Mit ihrer Rückkehr nach Österreich zog es sie in die Wirtschaft. Derzeit arbeitet Simone Schuler bei der Firma Bosch im Bereich Softwareplanung für Motorsteuergeräte. Die Preisträgerin schwärmt: „Die Arbeit macht super Spaß und ist super interessant. Die Vorstellung, dass du an einem Produkt mitarbeitest, das jeden Tag Tausende Leute verwenden, ist einfach cool.“ vn-ger

Zur Person

Simone Schuler

erhielt den Hannspeter Winter-Preis

Wohnort Wien, ursprünglich aus Bings

Geboren 10. März 1988

Ausbildung Hauptschule Bludenz, HTL Rankweil, Elektrotechnikstudium an der TU Wien, Dissertation 

Laufbahn derzeit bei Bosch in Wien

Hobbys Wandern, Radfahren, Stricken