Optimistisch durchs Leben

Wetter / 15.10.2020 • 18:20 Uhr
Edith Burtscher-Münsch liebt es in den Bergen unterwegs zu sein.
Edith Burtscher-Münsch liebt es in den Bergen unterwegs zu sein.

Beeinträchtigung bremst Edith Burtscher-Münsch nicht aus.

Braz Edith Burtscher-Münsch ist für andere Sportler eine vertraute Erscheinung. Mit ihrem Liegerad und flotter Sportkleidung ist sie in zügigem Tempo unterwegs – über Pässe auf Alpen und Hütten und das bevorzugt im Oberland und in Tirol: „Es ist für mich ein Glücksgefühl, über Serpentinen in die Höhe zu fahren. Ich liebe das!“ Dass die dynamische Brazerin sich auf diese Weise fortbewegen kann, ist keine Selbstverständlichkeit: „Manchmal schlägt das Schicksal beinhart zu, vor vier Jahren hat es mich mit voller Härte erwischt. Durch ein Osteosarkom im Becken musste mir die rechte Beckenschaufel und das Bein amputiert werden, ansonsten wäre ich innerhalb eines halben Jahres verstorben. Es folgten mehrere, zum Schluss fast nicht mehr auszuhaltende, Chemotherapien. Im April 2017 hatte ich es dann endlich geschafft: Das Leben hatte mich wieder! Zuerst fing ich an, mich auf einem Bein mit Krücken fortzubewegen, übte das Stiegengehen, machte Gymnastik sowie Sturz- und Aufsteh-Übungen. Dann kam der Sommer, den ich vor allem in Schwimmbädern und am Bodensee verbrachte. Es war so schön, mich endlos lange im Wasser bewegen zu können.“

Ihren jetzigen Mann lernte die vierfache Mutter bei einer Klettertour auf den Drei Zinnen kennen. „Vor meiner schweren Erkrankung waren mein Mann und ich sehr sportlich unterwegs. Im Sommer und Winter machten wir unzählige Berg-, Kletter-, Bike- und Skitouren. Außerdem bestiegen wir den Mont Blanc, den Jbel Toubkal in Marokko und den Kilimandscharo Uhuru Peak in Tansania.“ Nach Abschluss der Therapien sehnte sich Burtscher-Münsch nach diesen Erlebnissen: „Ich wollte unbedingt wieder in die Berge. Deshalb habe ich mir vor drei Jahren ein Liegerad gekauft, natürlich mit Motorunterstützung, denn mit einem Bein zu treten ist sehr anstrengend. So kam ich wieder hinauf, nicht bis zum Gipfelkreuz, aber immerhin. Seit ich dieses Bike besitze, bin ich 38.000 Kilometer und Tausende von Höhenmetern gefahren.“ Aber auch weitere Lebenswünsche wurden umgesetzt, so reiste sie mit ihren Töchtern nach Mallorca und Edinburgh, mit ihrem Bruder Franz erkundete sie Indonesien und unternahm mit ihrem Mann eine Karibik- und Mittelmeerkreuzfahrt.

Selbstmitleid ist ein Attribut, das auf die agile Sportlerin nicht zutrifft. Im Gegenteil: Wenn sie von ihrem Leben und Schicksalsschlägen erzählt, schwingt immer sehr viel Empathie mit anderen Menschen mit: „Ich war immer schon eine Optimistin und bin sehr glücklich mit meinem Leben!“ Ihr Liegerad ist dabei ein wichtiger Bestandteil. BI

Zur Person

Edith Burtscher-Münsch

Geboren 31. Jänner 1960

Familie verheiratet, vier Kinder (drei Mädchen, ein Sohn)

Hobbys Biken, Wandern, Reisen, Lesen