Malen statt Fliegen

Wetter / 13.10.2020 • 18:25 Uhr
Künstlerin Inge Hitzig. Das Bild an der Wand hat sie gemalt. Archiv
Künstlerin Inge Hitzig. Das Bild an der Wand hat sie gemalt. Archiv

Wider Willen in der Coronazwangspause: Inge Hitzig.

St. Gallenkirch Inge Hitzig wohnt auf dem Land. Ihr Haus steht im St. Gallenkircher Ortsteil Galgenul an einem abgelegenen Ort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Die Ruhe und Stille, die Hitzig umgibt, kommt ihr als bildende Künstlerin zupass. Hier kann die gebürtige Deutsche ungestört Bilder malen. Die Inspirationen dafür holt sie sich unter anderem aus ihrem Beruf, der nicht nur ihr Brot-, sondern auch ihr Traumberuf ist. Die 53-Jährige ist Flugbegleiterin bei der Lufthansa. 

Dass sie Stewardess wurde, ist einem Zufall geschuldet. Eigentlich wollte Hitzig nach Abschluss ihrer Schneiderlehre Bekleidungstechnik studieren. Aber es gab einen Stolperstein. „Ich hätte zwei Jahre auf einen Studienplatz warten müssen. Da fragte ich mich: ,Was machst du jetzt?‘“ Die junge Frau musste nicht lange überlegen. „Ich bewarb mich bei der Lufthansa, „weil es mein Traum war, fremde Länder kennenzulernen“.

Der Beruf hielt, was er versprach. Hitzig lernte als Flugbegleiterin die weite Welt kennen. „Ich kam sogar in Länder, wo ich dachte, dass ich dort nie hinkomme.“ Im Jemen fühlte sie sich wie in einer anderen Zeit, um Jahrhunderte zurückversetzt. „Dort gibt es Plätze wie vor 1000 Jahren. Dort laufen die Menschen noch mit Krummsäbeln herum.“ In Pakistan beeindruckte sie das bunte Treiben auf den Straßen. „Aber dann wurde das Straßenbild auf einmal schwarz. Plötzlich trugen die Frauen Burkas. Vorher war niemand verschleiert. Nun fühlte ich mich in diesem Land nicht mehr wohl.“ Durch den Beruf wurde sie zum Afrika-Fan. „Der Kontinent hat so viel Natur. Wir sind durch den Busch gefahren und auf Safari gegangen.“ Ihre Augen funkeln vor Begeisterung, auch als sie vom größten Freiluftmarkt der Welt in Äthiopien erzählt und von einer Audienz, die ihr ein Stammeskönig im nigerianischen Dschungel gewährte. „Ohne diesen Beruf hätte ich vieles nicht erlebt“, weiß Hitzig, dass sie ihm viel zu verdanken hat. Nachdem sie Mutter geworden war, setzte sie für ein paar Jahre aus. Als die Zweifach-mama wieder in den Beruf einstieg, gefiel er ihr noch besser. „Da flog ich noch lieber. Vorher war mir das Flugziel wichtig und das, was ich dort unternehme. Danach schätzte ich vor allem das Miteinander mit den Kollegen und den Fluggästen.“ Vor allem von den Passagieren nahm sie viel nach Hause mit, auch fürs eigene Leben. Denn auf den Langstreckenflügen erzählte ihr so mancher seine Lebensgeschichte.

Im März brach die Pandemie aus. Die Flugzeuge blieben am Boden und mit ihnen die Crew. „Ich bin in Kurzarbeit und habe seit März nur einen einzigen Flugeinsatz gehabt“, bedauert sie. Die 53-Jährige weiß nicht, ob sie ihre Arbeit behalten kann. „Es wäre schlimm, wenn ich sie verliere. Denn ich mache diese Arbeit gern.“

Aber Hitzig hat Vertrauen ins Leben. „Ich werde was anderes finden.“ Am meisten würde es sie freuen,  wenn sie mit ihrem geliebtem Hobby – der Malerei – ihren Lebensunterhalt verdienen könnte. „Ich träume davon, dass mir jemand meine Bilder verkauft.“ Es stimmte sie hoffnungsfroh, als sie im Zuge der Schrunser Kunstnacht sieben Bilder verkaufte. Aber das Malen ist nicht ihr einziges Talent. Hitzigs Kreativität ist breit gefächert. In der Coronazwangspause gestaltete sie bereits den Garten um, pflasterte mit Steinen einen Gartenweg, bastelte Vogelhäuser und Wandschmuck aus allen Materialien. VN-kum    

„Ich träume davon, dass mir jemand meine Bilder verkauft.“

Zur Person

Inge Hitzig
malt seit ihrer Kindheit. Nun will sie sich mit der Malerei ein zweites Standbein aufbauen.    

Geboren 1. Dezember 1966 in Frankfurt

Wohnort St. Gallenkirch

Familie zwei erwachsene Söhne

Hobbys Malen, Basteln, Holzverarbeitung