Ein kostbares Geschenk

Wetter / 09.10.2020 • 18:13 Uhr
Klara Fleisch hat einer leukämiekranken Amerikanerin Hoffnung geschenkt.
Klara Fleisch hat einer leukämiekranken Amerikanerin Hoffnung geschenkt.

Klara Fleisch spendet krebskranker Frau Stammzellen.

DORNBIRN Die Verleihung des diesjährigen Dr.-Toni-und-Rosa-Russ-Preises war nicht nur für die Geehrten Hubert Dragaschnig und Augustin Jagg ein besonderes Fest, sondern auch für den Gast Klara Fleisch. Die 23-jährige Studentin aus Dornbirn erhielt im Anschluss an die Feier in der Bregenzer Werkstattbühne eine Lebensretter-Urkunde. Überreicht wurde ihr die Auszeichnung von „Geben für Leben“-Obfrau Susanne Marosch, der letztjährigen Russ-Preis-Trägerin. Denn Klara Fleisch hat durch eine Stammzellenspende einer an Leukämie erkrankten Amerikanerin Hoffnung auf Weiterleben geschenkt.

Die Studentin hat bereits 2016 an einer vom Leukämiehilfe-Verein „Geben für Leben“ durchgeführten Typisierungsaktion teilgenommen. „Im März dieses Jahres erhielt ich ein Mail, in dem mir mitgeteilt wurde, dass meine Stammzellen mit denen eines an Leukämie erkrankten Menschen kompatibel sind“, erzählt Klara Fleisch. „Sofort kam große Freude auf, beim Lebenretten helfen zu dürfen.“ Ihre Mutter und ihr Vater (Geschäftsführer der Krankenhausbetriebsgesellschaft) seien „etwas überrascht, aber auch stolz und sehr unterstützend“ gewesen, als sie erfuhren, dass die Tochter als Spenderin infrage kommt.

Mitte August begab sich Klara Fleisch in die Klinik nach Gauting in Bayern zur letzten Untersuchung vor der geplanten Stammzellenentnahme. „Mein Körper wurde von kompetenten und freundlichen Ärzten durchgecheckt“, erzählt sie. Allerdings sei sie danach, bei der Heimfahrt, ziemlich nervös gewesen: „Ich dachte an die Frau, die meine Stammzellen bekommen sollte. Ein negatives Untersuchungsergebnis hätte mich sehr traurig gestimmt.“ Wie aber muss erst die Stimmung der Empfängerin gewesen sein, sinniert Klara Fleisch. „Die schwerkranke Frau weiß, da ist jemand irgendwo auf der Welt, der zu spenden bereit ist. Sie muss aber mehrere Tage auf das definitive, lebensrettende Okay warten. Diese Anspannung kann ich mir gar nicht vorstellen.“ Das Untersuchungsergebnis hat gepasst. Die Stammzellenentnahme, die kurze Zeit später in der Klinik in Gauting vorgenommen wurde, verlief komplikationslos. Die Spenderin verspürte nur leichte Rückenschmerzen, „und die waren gut zu verkraften“. Die drei Stunden, in denen sie „an der Maschine hing“ – die Stammzellen werden ähnlich einer Dialyse aus dem Blut gewonnen – seien ganz schnell vergangen. „Ich hörte mir Podcasts an und redete mit den Angestellten des Bayerischen Roten Kreuzes, die allesamt wirklich nett waren.“ Nach dem Eingriff fühlte sie sich stark genug für einen Spaziergang in der 20 Kilometer von Gauting entfernten Stadt München, wo sie und ihre Begleitung in einem Hotel übernachtet hatten.

Überaus neugierig

Mittlerweile ist Klara Fleisch wieder in Wien am Studieren. An der Technischen Universität hat sie das Fach Medizintechnik belegt. Sie beschreibt sich als überaus neugierigen Menschen, der immer versucht, Neues auszuprobieren. „Da war die Stammzellenspende extrem spannend, da ich viel über Leukämie und unseren Körper gelernt habe. Außerdem fand ich die technische Umsetzung interessant.“ Besonders berührt habe sie die Freundlichkeit und Fürsorge aller Beteiligten. Angefangen von Susanne Marosch und Cemanur Kartal von „Geben für Leben“ bis zu den medizinischen Teams in der Klinik sei sie optimal betreut worden.

Die Gedanken an die Empfängerin begleiten Klara Fleisch weiterhin. Oft fragt sie sich, wie es der Amerikanerin jetzt gehen mag. „Leider habe ich noch nichts über sie erfahren“, sagt sie. „Wahrscheinlich macht sie gerade eine Menge durch, weshalb ein Kontakt mit ihr wohl erst später entstehen wird.“ Jedenfalls würde sich Klara Fleisch über eine gute Nachricht aus Amerika sehr freuen. HRJ

Zur Person

Klara Fleisch

Geboren 1997

Wohnort Dornbirn

Laufbahn Studentin

Familie In einer glücklichen Beziehung

Hobbys Cello, Berge, Neues lernen