Lebensretter Nr. 191

Hasmir Muminovic schenkt kranker Frau Hoffnung auf Leben.
GÖTZIS Zwei Jahre ist es her, dass Hasmir Muminovic an einer Stammzellen-Typisierung teilgenommen hat. Der Leukämiehilfeverein „Geben für Leben“ hat die Aktion bei der Firma Grass durchgeführt, wo der 41-jährige Bosnier aus Götzis beschäftigt ist. Anfang dieses Jahres erfuhr er von der „Geben für Leben“-Obfrau Susanne Marosch, dass seine Stammzellen das Leben einer an Leukämie erkrankten Frau in den USA retten können. Sofort erklärte er sich zur Stammzellspende bereit. „Ich hatte keine Ahnung, wie das funktioniert. Ich wollte einfach nur helfen“, sagt Hasmir Muminovic.
Gut Ding braucht Weile
Allerdings dauerte es eine Weile, bis er in der Fachklinik in Gauting bei München zur Stammzellenentnahme aufgenommen wurde, denn sein Termin wurde mehrmals verschoben. Beim ersten Termin im Krankenhaus Hohenems, wo er zwecks Vorbereitung auf den Eingriff in Gauting untersucht wurde, „hat alles gepasst“, sagt Muminovic. Doch dann kam aus den USA die Absage der Stammzellspende. „Mehr ein halbes Jahr später rief mich Susanne Marosch erneut an. Dieselbe amerikanische Patientin brauchte nun dringend gesunde Stammzellen.“ Einmal mehr durchlief der Spender das Vorbereitungsprogramm, einmal mehr wurde die Stammzellentnahme verschoben.
Beim dritten Anlauf, eine Woche später, hat es geklappt. „Ich war schon mit meiner Familie auf Urlaub in Bosnien, als Susanne Marosch mir telefonisch mitteilte, dass es wieder so weit ist.“ Der Termin des Eingriffs wurde indes so festgelegt, dass die Familie Muminovic ihren Urlaub nicht vorzeitig abbrechen musste.
Am Montag, dem 24. August, um halb fünf Uhr früh, fuhr Hasmir Muminovic mit seinem Auto nach Gauting. Die Gemeinde liegt 20 Kilometer von München entfernt. Um 10 vor 8 Uhr am Tag darauf lag der Spender in der Klinik. Beide Armvenen waren angezapft, denn die Stammzellen werden ähnlich einer Dialyse aus dem Blut gewonnen.
Fünf Stunden dauerte die Prozedur. Die Nebenwirkungen – leichte Kopf- und Gliederschmerzen – seien erträglich gewesen. Während des Eingriffs hat sich der Spender zwei Filme angeschaut: „Der eine, Batman, war ganz gut. Der andere war ein Thriller. Das war die falsche Wahl, denn in jeder Szene floss viel Blut.“
Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, stieg Hasmir Muminovic in sein Auto und fuhr nach Hause. Auf der Autobahn von München nach Götzis dachte er an die ihm unbekannte Frau, der er durch seine Stammzellenspende Hoffnung auf Leben geschenkt hat: „Ich wünsche mir so sehr, dass ich ihr helfen konnte und sie gesund wird.“
Furchtbare Sachen erlebt
Seine Gedanken kreisten auch um seine Vergangenheit. Er erinnerte sich an seine Kindheit in Bosnien und an den Kriegsausbruch 1992. Zwei Jahre später verließ er mit seiner Mutter, dem Zwillingsbruder und der Schwester seine Heimat. „Ich war 14 und habe im Krieg furchtbare Sachen erlebt“, erzählt er. Fliegerbomben, Granatenbeschuss, Verwundete, Tote, Hass, Angst, Todesangst. Das Fluchtziel der Familie Muminovic war Vorarlberg, weil der Vater bereits als Gastarbeiter hier war.
Im selben Bauunternehmen, bei dem der Vater noch immer arbeitet, hat Hasmir eine Lehre absolviert. Vor drei Jahren wechselte er zur Firma Grass, er ist dort als Maschinenführer beschäftigt. Zwischenzeitlich hat er Merisa geheiratet und ist Vater von drei Kindern geworden. Die älteste Tochter ist 17, die jüngste zwei Jahre alt, sein Sohn ist zehn.
„Geben für Leben“ hat Hasmir Muminovic als 191. Lebensretter gelistet. Ob er wieder Stammzellen spenden würde? „Ja. Aber in den kommenden zwei Jahren bin ich gesperrt – für die Patientin in den USA, falls sie weitere Stammzellen von mir braucht.“ HRJ
Zur Person
Hasmir Muminovic
Geboren 14. September 1978
Wohnort Götzis
Beruf Maschinenführer
Familie verheiratet mit Merisa, zwei Töchter, ein Sohn
Hobby Angeln