Montafoner Spielemacher

Wetter / 09.08.2020 • 18:27 Uhr
Alexander Pfister mit mehreren seiner preisgekrönten Spiele. Pfister
Alexander Pfister mit mehreren seiner preisgekrönten Spiele. Pfister

Alexander Pfister sorgt für zahlreiche unterhaltsame Abende.

Wien, Schruns Angefangen hat alles im Spielwarengeschäft. „Spiele kosteten damals gleich viel wie heute, waren also verhältnismäßig sehr teuer“, erinnert sich der gebürtige Schrunser Alexander Pfister. Also fing er an, nach den Informationen auf der Verpackung die Spiele bestmöglich nachzubauen und seine eigenen zu entwickeln. Heute ist er einer der bekanntesten Spieleautoren im deutschsprachigen Raum mit zahlreichen Auszeichnungen und machte sein Hobby zum Haupt- und Brotberuf.

Frustrierender Start

Möglich wurde es während seines Wirtschaftsstudiums in Wien. „Eigentlich ist es ein langwieriger und frustrierender Prozess, es ist schwierig einen Verlag zu finden“, erinnert er sich zurück. Er fand dann mit White Castle eine Agentur, die sich auf die Vermittlung von Spielautor und Spielverlag spezialisierte. Dennoch hagelte es anfangs Absagen. Wenig verwunderlich, wenn man weiß, dass die Spieleverlage Hunderte neue Spiele im Jahr vorgeschlagen bekommen. Irgendwann gelang es ihm jedoch zu überzeugen. Heute gehen auf seine Rechnung preisgekrönte Spiele wie Port Royal, Maracaibo und gemeinsam mit Andreas Pelikan Broom Service oder Isle of Skye.

Die Idee sei dabei eigentlich noch der geringste Anteil der Arbeit, zeitaufwendiger sei meist das Entwickeln der Spielmechaniken, Regeln und die zahlreichen Testspiele. Es helfe, in der Großstadt Wien zu leben, hier findet sich mit den anderen Spieleentwicklern ein großes Testpublikum. Und von Kollegen komme auch die ehrlichste Kritik. Pfister bevorzugt selbst strategische Spiele, in denen Glück nicht der entscheidende Faktor ist und die eher in einer Stunde zu bewältigen sind.

„Braucht Spaß am Entwickeln“

Er selbst entwirft sogenannte Kennerspiele für den eher erfahrenen Spieler. Vom Verlag kämen eher Marketingüberlegungen wie das Design, aber auch eventuell zur Handlung. So hatte Isle of Skye anfangs nichts mit Schottland am Hut. „Das änderte aber am Spiel nichts, das ist mir als Autor dann eher egal“, ist der Wahlwiener hier nicht sonderlich empfindlich.

Dass es dank Internet und Crowdfunding einfacher wurde, Spiele auf den Markt zu bringen, sieht der 48-jährige positiv. „Ich kenne einen, der will allein einen Spieleverlag gründen und das klappt auch“, betont Pfister die heutigen Möglichkeiten. Dank Amazon und Co. erreiche man auch als kleine Firma das Publikum, wenn auch nicht die breite Masse. Denn in die großen Handelsketten zu kommen, bleibe schwierig. Sein Rat an all jene, die sich selbst in dem Metier versuchen wollen: „Wichtig ist eine hohe Frustrationstoleranz und die Erwartungen runterzuschrauben. Man muss einfach Spaß am Spieleentwickeln an sich haben.“ VN-RAU

Zur Person

Alexander Pfister

Geboren 18. 10. 1971

Ausbildung Studium Wirtschaftswissenschaft

Familie verheiratet, eine Tochter

Ludografie Auswahl Broom Service, Great Western Trail, Isle of Skye, Oh my Goods, Port Royal, aktuellstes Spiel ist Maracaibo

Lieblingsspiel Acquire (1962)