Mesner mit Mission

Die Basilika Rankweil prägt das Leben von Martin Salzmann.
Rankweil „Ich bin von Geburt an hier auf dem Berg“, erzählt Martin Salzmann (51). „Der Berg“ ist der Liebfrauenberg. Hier, an einem der beliebtesten Wallfahrtorte Vorarlbergs ist Salzmann aufgewachsen. Seine Mutter führte das Café im Mesnerstüble, sein Vater war drei Jahrzehnte lang Mesner in der Basilika. „Ich wollte eigentlich einmal das Café übernehmen“, erzählt der 51-Jährige. Mit der Ausbildung an der Hotel- und Gastgewerbeschule waren die Weichen gestellt. Aber es kam anders als geplant. Salzmanns Vater, er war 33 Jahre lang Mesner in der Basilika gewesen, verstarb früh. Mit 18 Jahren wurde Salzmann 1987 neuer Mesner, er war damals der jüngste Österreichs. Seither erfüllt er diese Aufgabe, gehört am Liebfrauenberg einfach dazu.
Aber den Rankweiler auf seine Rolle als Messdiener zu beschränken, wäre zu kurz gegriffen. Als er das Amt übernahm, gab es in Österreich keine Ausbildung – deshalb machte er einen vierwöchigen Kurs in der Schweiz. In Folge begann er sich in der Berufsvertretung zu engagieren – sein Steckenpferd: die Ausbildung der Mesner. Bis heute, Salzmann ist seit 2019 Bundesvorsitzender der Mesner, leitet er die österreichische Mesnerschule. „Es braucht jemanden, der weiß was zu tun ist“, erklärt er. Immerhin haben viele Kirchen wertvolle historische Gegenstände, für die der Mesner ebenso verantwortlich ist wie als Bindeglied zwischen Pfarrer und Gemeinde. Auch die Ministrantenausbildung ist wichtig. „In Vorarlberg gibt es 120 Pfarreien, aber 500 Mesner“, erklärt Salzmann. Damit die geteilte, ehrenamtliche Nebenbeschäftigung, die Mesneraufgabe funktioniert, hat er eine Mappe erstellt. Die soll jetzt digitalisiert werden, weiß Salzmann um die Bedeutung des „mit der Zeit gehen.“
Privat ist Salzmann verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder. „Nachfolger wird es keinen geben“, weiß er, dass die Mesner-Tradition in der Familie wohl zu Ende geht. Abschalten kann der Rankweiler auf der Bühne: Salzmann wirkt bei der gesprochenen Fasnatzeitung Brennessel führend mit und macht als Mitglied der Spechte politisches Kabarett.
Dieses Wochenende wird der Grundstein für die Wiederöffnung des Mesnerhuses gelegt, also dem Ort, in dem seine Mutter das Café geführt hat. Eine Ausstellung macht das Haus wieder zugänglich, es gibt Pläne für ein Café und eine Pilgerherberge. „Das Café hat gefehlt“, freut sich Salzmann darüber. „Ich hoffe es gelingt den Charakter des alten Cafés zu erhalten. Hier sollen jedenfalls Gastlichkeit gelebt und gute Gespräche geführt werden können.“ VN-GMS
Zur Person
Martin Salzmann
Der Mesner der Liebfrauenkirche kümmert sich österreichweit um die Ausbildung von Messdienern.
Geboren 1969
Ausbildung Hotel- und Gastgewerbeschule Bludenz
Laufbahn Mesner seit 1987
Familie verheiratet, zwei Kinder
Hobbys Kabarett, Kochen, E-Mountainbike, Lesen