Leben retten lernen

Carmen Meusburger bildet die Wasserrettungsjugend aus.
BREGENZ „Wag‘ den Sprung, werde Lebensretter bei der ÖWR.“ Mit diesem Slogan wirbt die Österreichische Wasserrettung (ÖWR) um Rettungsschwimmkursteilnehmer und auch Vereinsmitglieder. Wer Teil des Teams werden will „und zur Sicherheit am See, an Flüssen oder in Bädern beitragen möchte“, kann den Helferschein (ab 13 Jahren) oder den Retterschein (ab 16 Jahre) machen.
Zum Ausbilderteam gehört Carmen Meusburger. Die 28-jährige Kindergartenpädagogin hat „den Sprung“ vor 13 Jahren „gewagt“. Seit Sommer 2007 ist sie Mitglied der Wasserrettung Bregenz. 2010 hat sie die Jugendleitung übernommen. Derzeit gehören der Bregenzer Wasserrettungsjugend rund 50 Mädchen und Jungen im Alter von 13 bis 18 Jahren an. Sie selbst war 15, als sie Wasserretterin werden wollte. Carmen lebte damals noch in Koblach, wo sie aufgewachsen ist, und hätte auch Wasserretterin in der Abteilung Götzis werden können. Götzis wäre näher gewesen für die Schülerin, „ich wollte aber an den Bodensee“, stellt sie klar.
Zu den Aufgaben der Bregenzer Wasserretter zählen Überwachungsdienst in den Strandbädern Bregenz und Lochau, Bergung von Sachgütern, Personensuchaktionen, Frei- und Rettungsschwimmkurse durchführen. Natürlich muss jedes Mitglied auch am regelmäßigen Training teilnehmen.
Carmen hält Schwimmkurse ab, leistet Überwachungseinsatz im Strandbad und war bereits bei vielen Personensuchen dabei: „Zum Glück musste ich noch niemanden aus dem Wasser ziehen.“ Was den Strandbaddienst betrifft, fordert Carmen Eltern auf, ihre Kinder keinen Augenblick unbeaufsichtigt zu lassen, „auch wenn sie Schwimmflügel tragen“. Immer wieder beobachte sie Eltern, die mit dem Handy beschäftigt seien, anstatt auf ihre Kinder aufzupassen. „Ertrinken passiert meist lautlos“, warnt Carmen.
Als Jugendleiterin war Carmen auch für das Organisieren von diversen Veranstaltungen zuständig, etwa Schnuppertauchen im Strandbad, Mitfahren im Wasserrettungsboot, Funkschulungen. „Ganz wichtig sind auch gesellige Zusammenkünfte“, erklärt sie. „Das bildet Vertrauen, stärkt die Kameradschaft. Denn auf die Leute, mit denen man Einsätze hat, muss man sich verlassen können.“ Am liebsten bildet sie junge Menschen zu Wasserrettern aus, das habe auch ihr persönlich viel gebracht: „Ich konnte mein Organisationstalent vertiefen und war immer dabei, Neues herauszufinden.“ Außerdem habe es ihr viel Freude bereitet, das weiterzugeben, was sie lernen konnte, „und damit den Jungen zu ermöglichen, was mir ermöglicht wurde“.
Mittlerweile hat Carmen Meusburger ihren Wohnsitz zu ihrem Partner nach Rorschach verlegt, wo sie auch arbeitet, in einer Schule. Seit sie in der Schweiz lebt, kann sie ihre Tätigkeit bei der Wasserrettung „nicht mehr so machen wie ich es möchte“. Darum hat sie beschlossen, die Jugendleitung abzugeben. Für ihre Nachfolgerin Lea Kübler ist Carmen voll des Lobes: „Lea ist kompetent und kann mit jungen Leuten gut umgehen.“
Im Camper durch Europa
Carmen versichert, Wasserretterin und Nachwuchsausbilderin zu bleiben, sie wird aber im Herbst eine Pause einlegen. Im September bricht sie mit ihrem Partner und ihrem Hund Mogli auf eine einjährige Europareise auf. Im Camper soll es nach Italien, Griechenland, vielleicht auch nach Albanien gehen, dann Richtung Norden in die skandinavischen Länder. „Wie wir reisen, kommt natürlich auf die Coronasituation an“, sagt Carmen. „Wir fahren einfach los und entscheiden dann Tag für Tag, wohin es weitergehen wird.“
Bevor sie pausiert, hält sie noch einen Rettungsschwimmkurs (Helfer- und Retterschein) ab, informiert sie. Und zwar vom 18. bis 27. August im Strandbad Bregenz. Unter www.bregenz.owr.at gibt es Infos zu allen Kursen. HRJ
Zur Person
Carmen Meusburger
Geboren 16. Juni 1992
Wohnort Rorschach
Beruf Kindergartenpädagogin
Familie in einer Partnerschaft