Zum Helfen bestimmt

Alexandra Loser ist neue Chefin der Pflichtschullehrergewerkschaft.
Bregenz Bei Alexandra Loser deutete ursprünglich wenig auf das hin, was sie nun ist: eine hohe Gewerkschafterin. „Ich entstamme einer kohlrabenschwarzen Familie. Mein Opa war Stadtamtsdirektor von Bregenz“, schmunzelt die 45-Jährige. „Doch ich“, ergänzt Loser, „war immer schon anders.“ Schon früh habe sie das Bedürfnis verspürt, anderen zu helfen. „Du wirst entweder Krankenschwester oder Lehrerin, hat mir meine Mama immer gesagt.“ Es wurde Letzteres. Allerdings auf Umwegen. Als frischgebackene Maturantin der HLW Marienberg zog es den Teenager erstmal ins Ausland. Ein halbes Jahr war sie Au-pair in den USA, und zwar in North Carolina. „Doch das passte mir nicht wirklich.“
Alexandra kam zurück nach Hause und fing bei einer Versicherung zu arbeiten an. „Auch das passte mir nicht wirklich.“ Ein halbes Jahr später schließlich fand sie zu jenem Beruf, der ihr wirklich passte: zum Lehrberuf. Die Bregenzerin begann an der damaligen Pädagogischen Akademie in Feldkirch mit einem Lehramtsstudium in den Fächern Englisch sowie Ernährung und Haushalt. Zusätzlich absolvierte sie eine Ausbildung zur Sonderschullehrerin. Alexandra Loser hatte ihre Bestimmung gefunden.
Die frisch ausgebildete Pädagogin wusste gleich, wohin sie gehörte: zu den Benachteiligten und Ausgegrenzten der Gesellschaft. „Für mich bedeutete es immer ein besonderes Erfolgserlebnis, wenn ich einem benachteiligten Kind helfen konnte und dazu beitragen, es in seiner Entwicklung weiterzubringen“, beschreibt Loser ihre Berufsphilosophie.
An den Hotspots
Ihre Stationen führten sie von der Mittelschule Doren nach Bregenz-Rieden, zur polytechnischen Schule nach Lauterach bis zur Mittelschule Bregenz-Schendlingen. Mit Ausnahme ihres ersten Arbeitsplatzes war Loser stets an sogenannten Hotspot-Schulen tätig. „Das Wort Brennpunktschulen mochte ich nie. Gebrannt hat es ja nirgends, auch wenn es ein bisschen heiß war“, findet die aufgeweckte Neo-Gewerkschaftschefin humorvolle Beschreibungen für ihre vielfältigen pädagogischen Herausforderungen, denen sie sich immer mit voller Hingabe stellte.
Und jetzt ist sie plötzlich die Anwältin der Pflichtschullehrer. Eine logische Entwicklung? „Es ist eine neue Herausforderung. Und ich bin an einem Punkt, an dem eine andere Aufgabe reizvoll ist“, sagt die bekennende Sozialdemokratin.
Klare Positionen
Seit neun Jahren ist Loser Gewerkschaftsmitglied und in der Personalvertretung. Ihrem Vorgänger als Chef der Pflichtschullehrergewerkschafter, Gerhard Unterkofler, streut sie Rosen. „Er hat mich vor zwei Jahren gefragt, ob ich mir diesen Job vorstellen könne. Als ich bejahte, hat er mich kontinuierlich an dieses Amt herangeführt. Ich bin auf mehrere Sitzungen mitgefahren und konnte dadurch mein Netzwerk aufbauen“, schildert Loser ihre ersten Schritte als führende Lehrergewerkschafterin im Land. Sie hat sich vorgenommen, das Amt im Sinne von Gerhard Unterkofler weiterzuführen.
Ihre Ambitionen sind klar. „Ich will mich für die Rechtssicherheit der Lehrer einsetzen und ihre Anliegen unterstützen.“
Auch gegenüber der Politik in Land und Bund will die neue Gewerkschaftschefin Kante zeigen. „Ich werde mich dafür einsetzen, dass man nicht einfach mit dem Sparstift über Schulangebote drüberfährt. Es darf nichts auf Kosten der Kinder gehen. Ich will nicht, dass man Projekte streicht, die Spaß machen und die Sozialkompetenz fördern“, bezieht Alexandra Loser klare Positionen. An diesen rütteln möchte sie bei aller Kompromissbereitschaft nicht. VN-HK
Zur Person
Alexandra Loser
löst Gerhard Unterkofler als Chef der Vorarlberger Pflichtschullehrergewerkschaft ab.
Geboren 14. Juni 1975
Beruf Lehrerin
Wohnhaft Lauterach
Familie ein Sohn
Hobbys Lesen, Skifahren
Lieblingsspeise Lasagne