Perfektionist

Andreas Tscholl wurde als Schnapsbrenner des Jahres ausgezeichnet.
Thüringen Eigentlich habe er nicht damit gerechnet, Brenner des Jahres zu werden. Andreas Tscholl war sehr überrascht, den Titel, der durch die Landwirtschaftskammer Vorarlberg vergeben wird, zu erhalten. Dabei hatte der innovative Thüringer seit 20 Jahren ununterbrochen bei den jährlichen Prämierungen teilgenommen und jedes Mal Erfolge erzielt. So wurde er unter anderem bereits drei Mal Sortensieger in den Sparten Birnen-, Äpfel- und Zwetschgenbrände. Aber auch im Rahmen von österreichweiten Wettbewerben wie in Wieselburg und bei den Mostbarkeiten in Kärnten lag er mit seinen Bränden im Spitzenfeld.
Obst aus der Region
Das Interesse am Brennen entwickelte der sportliche Pensionist vor rund 25 Jahren: „Ich habe bei ein paar Bekannten einige Male beim Brennen mitgeholfen. Dann habe ich mir gedacht: Das kann ich selber.“ Gebrannt hat er vorerst in der fahrbaren Brennerei des Obst- und Gartenbauvereins Nenzing, bis er sich vor dreieinhalb Jahren eine eigene Brennstation kaufte: „Die eigene Brennerei erleichtert vieles, denn ich kann das Obst immer zum richtigen Zeitpunkt, nämlich bei der abklärenden Gärung, brennen. Dadurch kann ich viel professioneller und flexibler arbeiten.“ Das verwendete Obst kommt aus der Region, vor allem aus dem Walgau. Wegen des reichhaltigen Aromas werden von ihm vor allem alte Obstsorten wie Boskop-Äpfel, Bohnapfel, Gelbmöstler, Zitronenbirne, Schweizer Wasserbirne und Rotbirne verwendet: „Diese wachsen auf uralten Bäumen, die leider immer mehr dezimiert werden.“ Auch die Enzianwurzen werden von ihm im Arlberggebiet selber gepflückt.
Der Thüringer ist ein Perfektionist: „Wenn ich etwas mache, dann bin ich zu 100 Prozent dabei.“ „Es sind wohl eher 120 Prozent“, meint seine Frau Helga, die ebenfalls in die Schnapserzeugung eingebunden ist, dazu. „Eine Grundvoraussetzung beim Brennen ist, reifes und sauberes Obst zu verwenden.“ Für das Einmaischen wird das vorbereitete Obst gehäkselt, bevor es zur Gärung in ein großes Fass kommt. Hefe und Säure werden zugefügt. „Das verwendete Obst bestimmt die Qualität, insbesondere der Fruchtzuckergehalt und die Wetterbedingungen beim Heranreifen sind entscheidend. Es bleibt ein spannender Prozess, wie der Feinbrand schließlich ausfällt. Für die Qualität ist die Ausgewogenheit zwischen dem Aroma und dem Fruchtzucker entscheidend. Mir ist es sehr wichtig, ehrliche Brände zu erzeugen und keine Aromastoffe hinzuzufügen.“
Permanente Weiterbildung ist dem erfolgreichen Brenner ebenfalls sehr wichtig. So besuchte er regelmäßig Kurse, die von der Landwirtschaftskammer und der Vereinigung der Abfindungs- und Kleinbrenner angeboten werden. Brennen ist ein arbeitsintensiver Vorgang: Ein Hektoliter Schnaps erfordert rund zwölf Stunden Arbeit. Über dreißig Hektoliter werden von Tscholl pro Jahr erzeugt.
Im Zuge der Covid19-Krise stellte er zudem bislang 480 Liter Desinfektionsmittel aus gesammeltem Alt-Alkohol her, die er Institutionen seiner Heimatgemeinde gratis zur Verfügung stellt. Aber auch die Erweiterung seines Spektrums ist ihm ein Anliegen: „Ich stelle 16 unterschiedliche Sorten an Obstlern her. Mein Sohn Florian hat mir empfohlen, auch Gin herzustellen. Das habe ich sogleich umgesetzt. Es gibt zwei Sorten: eine mit Safran vom Viktorsberg und ein weiterer mit Clitoria, der Schmetterlingsblume, die ebenfalls in der Region gedeiht.“ BI
Zur Person
Andreas Tscholl
Geboren 15. Juni 1951
Familie verheiratet mit Helga, drei Kinder, ein Enkel
Beruflicher Werdegang Maurer, Lager- und Fahrzeug-Disponent, seit neun Jahren in Pension
Hobbys Schnapsbrennen, Hike & Bike (eher extrem), Skitouren