Ein Hauch Wilhelm Busch

Wetter / 16.11.2017 • 18:08 Uhr
Ein Hauch Wilhelm Busch

Illustrator Lukas Vogl ist der neue Dixi-Preisträger.

Wien Der Hörbranzer Lukas Vogl bekam gestern Abend im Figurentheater Lilarum in Wien den Dixi-Preis überreicht. Diese Auszeichnung wird vom Jugendliteraturhaus alljährlich für die beste Illustration beziehungsweise den besten Kinderbuchreim überreicht. Vogls fantasievolle Illustration „Der Wanderwal“ überzeugte die Jury. Das Bild zeigt einen schwimmenden Wal mit Horn, auf dessen Rücken sich ein schlossähnliches Gebäude mit einem Park davor erhebt. Die Zeichnung ist der Beginn einer Kinderbuchidee, die in eine surreale Welt führt. Es entsteht ein Abenteuer, in dem jede Menge Figuren vorkommen, die völlig fehl am Platz sind. „Der Kapitän ist ein Maulwurf, der extrem kurzsichtig ist. Die Schildkröte wiederum agiert als Postbote, die aber wegen ihrer kurzen Beine und Langsamkeit die Briefe immer zu spät zustellt“, nennt er Beispiele.

Traum vom eigenen Buch

Auf dem Rücken des Wals wird die Welt immer voller und das Durcheinander immer größer. Das ganze gleicht schließlich einem riesengroßen Wimmelbild, in dem es für die kleinen und großen Betrachter ganz vieles zu entdecken gibt. Es füllt die Mitte seiner Idee. Wie die Geschichte weitergeht? „Der Wal wird zum Sprachrohr und die vielen Figuren beginnen, einander zu unterstützen.“ In Lukas Vogls Kinderbuchstory, die auch erwachsenentauglich ist, steckt auch jede Menge Sozialkritik. „Auch im echten Leben sitzen oftmals Leute, die etwas zu sagen haben, an den falschen Positionen.“ Er selbst scheint seine Richtung aber gefunden zu haben. „Das Allerbeste an diesem Preis ist, dass er mich in die Richtung bringt, die mir taugt.“ So will er nun mithilfe eines Verlags seine Idee in Buchform veröffentlichen. Hilfe bekommt der Dixi-Preisträger dabei von echten Profis, denn statt Geld gibt es für den Sieger Wissen, Information und Beratung, weitergegeben von bekannten österreichischen Kinder- und Jugendbuchkünstlern. Unterstützung erhält er unter anderem von Karin Haller, der Leiterin des Jugendliteraturinstituts. Zudem gewann Lukas Vogl eine Reise zur internationalen Kinderbuchmesse in Bologna 2018, begleitet von einem arrivierten Bilderbuchillustrator. Von Kindesbeinen an fühlte sich der nun in Wien lebende und nebenbei auch als Kletterlehrer beschäftigte Hörbranzer mit einem Zeichenstift in der Hand am wohlsten. „Ich habe schon von klein an wahnsinnig gern gezeichnet.“

Beobachtungsgabe

Nach der Matura entschloss er sich zunächst jedoch für ein Kunstgeschichtestudium. „Das war mir allerdings zu theoretisch. Ich habe bald gesehen, dass das nichts für mich ist.“ Deshalb wechselte er ins Quantm-College, eine Game-Design-Schule. Als freiberuflich arbeitender Concept-Artist entwirft der frischgekürte Preisträger die virtuellen Welten und Charaktere für Videospiele. Mit einem Stift bringt er Ideen aufs Papier und lässt sie immer weiter wachsen. Seine ausgeprägte Beobachtungsgabe spiegelt sich in seinen detailreichen Szenen wider. Vogl verweilt oft stundenlang in Zoos, um Tiere zu studieren, und ein wenig von Wilhelm Busch steckt auch in seinen Zeichnungen. Den hat er früher nämlich regelrecht verschlungen. CRO

„Das Allerbeste am Preis ist, dass er mich in die Richtung bringt, die mir taugt.“

Zur Person

Lukas Vogl

wurde gestern mit dem Dixi-Preis für die beste Illustration ausgezeichnet.

Alter 27

Wohnort Hörbranz/Wien

Ausbildung Matura im Kreativzweig, abgebrochenes Studium in Kunstgeschichte, Diploma of Entertainment and Animation am Quantm College.

Tätigkeit Selbstständiger Concept Artist, 3D-Modeller und Illustrator, Kletterlehrer für Kinder und Erwachsene

Familienstand ledig