Streetworker für Diabetiker

Josef “Joe” Meusburger setzt sich für Betroffene ein.
feldkirch Er gilt als Urgestein der Diabetiker-Szene im Land und bezeichnet sich selbst als „Diabetes-Streetworker“. Seit 59 Jahren lebt Josef „Joe“ Meusburger mit der Zuckerkrankheit. Bereits als Kind wurde bei ihm ein Typ-1-Diabetes diagnostiziert. Hilfsmittel zur Blutzuckermessung gab es damals keine. „Erst 25 Jahre später konnte ich erstmals den Blutzucker messen“, erzählt Meusburger. Heute stehen technische Möglichkeiten zur Verfügung, mit denen sich der Diabetes gut steuern lässt. Trotzdem: „Betroffene benötigen auch die persönliche und mitunter eine psychologische Betreuung“, verdeutlicht Joe Meusburger, dass es trotz aller Fortschritte in der Diabetesbehandlung auf manchen Ebenen noch Nachholbedarf gibt. Sein Wunsch wären Schwerpunktpraxen, wie es sie schon in Deutschland gibt. Dort, meint er, könnten Diabetiker umfassend ambulant betreut werden. Auch in die Prävention sollte seiner Ansicht nach dringend mehr Geld fließen. Kurz: Die Qualität der Begleitung muss verbessert werden. Denn: „Eine rechtzeitige und gute Betreuung spart Kosten.“
Welt-Diabetestag
Heute ist Welt-Diabetestag. In Vorarlberg gibt es derzeit rund 20.000 diagnostizierte Diabetiker. Grundwissen über die Erkrankung, eine gute Schulung sowie die richtige Therapie lassen meist ein normales Leben zu. Früher war das noch anders. „Ich bin in der Schule sehr oft ausgefallen, musste deshalb sogar eine Klasse wiederholen“, erinnert sich Joe Meusburger. Auch in anderen Dingen lastete die Krankheit wie ein Fluch auf dem Buben. Er durfte auch zu keinen Ausflügen mehr mit, aus Sorge, es könnte etwas passieren. „Der Diabetes hat leider immer noch einen schlechten Ruf“, bedauert er. Betroffene würden oft als die abgestempelt, die nur übermäßig essen und trinken. Er kennt solche Vorurteile aus eigener Erfahrung. Nicht erst einmal musste sich Meusburger einer Alkoholkontrolle unterziehen, weil die Krankheit am rechten Auge ihre Spuren hinterlassen hat, die einen missverständlichen Eindruck erwecken.
Eigeninitiative ergriffen
Aber schon früh hat er die Eigeninitiative ergriffen. Der Bludenzer befasste sich mit Selbsthilfe und begann 1984, spezielle Schulungen für Diabetiker zu organisieren. Von 1992 bis 2010 war Joe Meusburger damit im Landeskrankenhaus Feldkirch aktiv. Mittlerweile ist er in Pension, aber immer noch da, wenn er gebraucht wird. Und das ist häufig der Fall. Aber: „Das hält mich fit.“ Meusburger half zudem beim Aufbau der Selbsthilfegruppen „Aktive Diabetiker“, die es in Rankweil und Bludenz gibt und die zu Bewegung und Schulung motivieren. „Betroffene müssen selbst auch Verantwortung für ihre Krankheit übernehmen“, so der eindrückliche Appell.
Frauen im Fokus
Im Mittelpunkt des heutigen Welt-Diabetestages stehen übrigens die Frauen. Nicht ohne Grund, wie Joe Meusburger anmerkt. Sorgen macht vor allem die Zunahme des Schwangerschaftsdiabetes. Er betrifft in Österreich etwa zehn Prozent aller Schwangerschaften. „Diese Frauen sind prädestiniert für einen späteren Typ-2-Diabetes“, weiß der Experte. Gesundheitssysteme müssen den spezifischen Bedürfnissen und Prioritäten der Frauen angemessene Aufmerksamkeit zukommen lassen, lautet in diesem Zusammenhang die Forderung dazu. VN-MM
„Die Zuckerkrankheit hat leider immer noch einen sehr schlechten Ruf.“
Zur Person
Josef Meusburger
Diabetes-Experte und langjähriger Diabetesberater
Geboren 16. Jänner 1955 in Bludenz
Wohnort Feldkirch
Beruf Pensionist
Hobbys Reisen, die Seele baumeln lassen, Lesen
VN/mm