Ein Held der Berge

Christoph Gargitter ist neuer Ausbildungsleiter der Alpinpolizei.
Dornbirn Ob dramatische Rettungsaktionen mit glücklichem Ende oder tragische Lawinenunglücke: Christoph Gargitter arbeitet dort, wo das Leben am Seil hängt und manchmal Sekunden oder einzelne Spuren im Schnee über das Schicksal eines Menschen entscheiden. Der 55-Jährige ist seit 20 Jahren Alpinpolizist und seit Kurzem Landesausbildungsleiter in diesem Bereich. Er hat sowohl die Sonnen- als auch die Schattenseiten der Faszination Berg kennengelernt. „Sterben gehört zum Leben dazu. Und als Alpinpolizist ist es wichtig, mit dem Tod umgehen zu können“, sagt Gargitter.
Gargitter ist in Braz aufgewachsen und von Kindesbeinen an am liebsten in den Bergen unterwegs. Polizist sei in jungen Jahren aber nicht unbedingt sein Traumberuf gewesen, erzählt er und schmunzelt. „Im letzten Handelsschuljahr haben wir einen Tag für die Berufssuche freibekommen. Einer meiner Kollegen hat damals vorgeschlagen, in der Gendarmerieschule zu schnuppern, und dann sind wir halt zu dritt hin.“ Wenig später startete Gargitter dann tatsächlich mit 18 Jahren mit der Ausbildung. Im Dezember 1981 trat er seinen Dienst auf der Polizeiinspektion Dornbirn an und war dort 24 Jahre lang im Einsatz.
Mordalarm
An seinen ersten großen Fall – einen Mordfall – erinnert er sich noch ganz genau. „Es hieß damals, es sei geschossen worden, und wir fanden einen Mann mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen in einem Auto“, erzählt Gargitter und fügt hinzu: „Mit zittriger Stimme habe ich eine Alarmfahndung ausgerufen.“ Der Fall konnte rasch geklärt werden. Der Täter war mit der Pistole zum Posten gegangen und hatte sich selbst gestellt.
Zur Alpinpolizei kam Gargitter 1995. Seit 2003 leitet er die Einsatzgruppe Vorarlberg Nord. Zu den Aufgaben der Alpinpolizei zählen nicht nur Unfallerhebung und Fahndung, sondern auch Erste Hilfe sowie Sicherheits- und Ordnungsdienste bei Großveranstaltungen.
Die Arbeit geht den Vorarlberger Alpinpolizisten nicht aus. Im Gegenteil. „Die Unfallzahlen steigen permanent“, sagt Gargitter. Rund 1000 Fälle sind es inzwischen pro Jahr. Unter dem Motto „Was der kann, kann ich auch“ sei auch ein gewisser Trend zur Selbstüberschätzung erkennbar. Teilweise müssen Wanderer oder Skifahrer auch per Hubschrauber aus misslichen Lagen befreit werden, was immer wieder zu Diskussionen führt. „Ich denke aber nicht, dass sich jemand vorsätzlich in Gefahr bringt. Und mir ist lieber, wenn sich die Menschen früh genug helfen lassen. Ich hole lieber Unverletzte als Tote“, sagt Gargitter.
Im Anflug
Der 55-Jährige ist in seinem Leben schon oft per Hubschruber in die Berge geeilt. Auch in seiner Freizeit. Denn 20 Jahre lang war Gargitter ehrenamtlich als Flugretter im Einsatz. Im September hat er sein Engagement beendet. „Irgendwann ist fertig. Dann sind die Jüngeren dran“, erläutert er die Entscheidung.
Und apropos Nachwuchs: Auch Gargitters Tochter hat sich für den Polizeiberuf entschieden. „Es gehört schon gewisse Robustheit zum Polizeijob hinzu. Anfangs hat mir die Entscheidung nicht wirklich Freude gemacht. Aber mittlerweile haben sich die Ängste verflüchtigt“, erzählt der 55-Jährige und muss lachen. VN-MEF
„Mir ist lieber, wenn man sich früh genug helfen lässt. Ich hole lieber Unverletzte als Tote.“
Zur Person
Christoph Gargitter
Geboren 26. November 1961
Wohnort Dornbirn
Laufbahn Gendarmerieschule, PI Dornbirn (1981 bis 2005), Leiter der Alpinpolizei-Einsatzgruppe Dornbirn Nord (seit 2003), Landesausbildungsleiter der Alpinpolizei (seit 2017)
Hobbys Skitouren, Mountainbiken
Familie verheiratet, zwei Kinder, ein Enkel