Leben ist hart, aber schön

Wetter / 06.11.2017 • 19:07 Uhr
Leben ist hart, aber schön

Ein Brandner Original wird 70.

Brand. Eines Tages will Gerhard Kegele (69) einen Urnenstein setzen mit der Aufschrift: „So hart wie dieser Stein war mein Leben.“

Bereits die Kindheit des Brandners war hart. „Ich musste immer arbeiten“, erinnert er sich. Als er sechs war, schickte ihn der Vater, ein Gastwirt, auf die Alpe Schattenlagant, damit er einen Kostgänger weniger hatte. Sechs Sommer verbrachte das Bübchen dort oben. „Ich musste als Kleinhirte viel gehen und rennen.“

Aber auch zu Hause hieß es „mitschaffa“. „Bevor ich nach der Schule das Mittagessen bekam, musste ich im Gasthaus Flaschen sortieren. Papa sagte: ,Vorher bekommst du nichts.‘ Das war meine Erziehung.“

Ein Workaholic

Die Arbeit war für ihn auch in seinem späteren Leben von zentraler Bedeutung. „Ich war mein Leben lang ein Workaholic“, sagt Kegele, der sich in seiner Jugend zum Bäcker und Konditor ausbilden ließ und mit 18 für zwei Jahre auf die Bermuda-Inseln ging. Aber die Arbeit war es auch, die ihn immer wieder aus seinen depressiven Phasen herausholte.

Kegele war erst 24, als er an einer bipolaren Störung (früher manisch-depressive Krankheit) erkrankte. Diese psychische Erkrankung ist durch sich abwechselnde gedrückte und euphorische Stimmungen gekennzeichnet. Dazwischen gibt es auch Phasen mit ausgeglichener Stimmung.

Kegele verfiel zunächst in eine Manie. Seiner Mutter fiel auf, dass mit ihm etwas nicht stimmte. Ein Psychiater wies ihn ins Landesnervenkrankenhaus Valduna ein. „Es hieß, dass ich paranoid-schizophren bin. Erst einige Jahre später stellte ein Nervenarzt die richtige Diagnose.“ Seine Gemütskrankheit brachte ihn noch zwei Mal in die Valduna. „Das hatte ich mir selbst eingebrockt. Denn ich hatte zu lange Medikamentenpausen gemacht.“ Trotz seines Leidens führte er ein tätiges Leben und brachte es im Beruf zu Anerkennung und Lob.

Watschen vom Leben

Der gehandicapte Mann führte mehrere Jahre erfolgreich ein Gasthaus und ein Café und tat sich als Konditor und Koch hervor. Kegele ist stolz darauf, dass er in seiner Branche einige Medaillen einheimste, unter anderem für seinen Riebel und sein Käsegebäck. Noch stolzer macht ihn aber die Tatsache, „dass ich alles bewältigt habe im Leben“.

Dieses ging nicht zimperlich mit ihm um. Weil er seine Gemütskrankheit nicht vererben wollte, weigerte er sich, Kinder zu zeugen. Deswegen gaben ihm einige Frauen den Laufpass. „Das waren Watschen vom Leben.“ Auch die Scheidung und die drei Krebserkrankungen, die er mittlerweile zum Glück gut überstanden hat, empfand er als Schläge ins Gesicht.

Liebt das Leben wie nie zuvor

„Das Leben ist ein Kampf, aber ich würde ihn ein zweites Mal aufnehmen“, möchte Kegele zum Ausdruck bringen, dass er nichts dagegen hätte, noch einmal geboren zu werden. Der alleinstehende Mann hofft, dass ihm noch einige Lebensjahre vergönnt sind. Denn: „Heute liebe ich das Leben wie nie zuvor.“ Aber es gab in seinem Dasein Momente, da war er so verzweifelt, dass er sein Leben beenden wollte. Heute ist er „zutiefst froh“, dass seine zwei Selbsttötungsversuche nicht geklappt haben und er morgen seinen 70. Geburtstag feiern kann. VN-kum

„Das Leben ist ein Kampf, aber ich würde ihn ein zweites Mal aufnehmen.“

Zur Person

Gerhard Kegele
feiert am Samstag seinen 70er ganz groß im Hotel Jägerheim-Valavier in Brand (ab 18 Uhr). Alle, die ihn kennen und mögen, sind willkommen.

Geboren 8. November 1947

Ausbildung Bäcker und Konditor

Familie geschieden

Hobbys kreatives Kochen, Volksmusik

  VN/Kuster