Heilsame kleine Gesten

Wetter / 24.05.2016 • 18:35 Uhr
Die Heilpädagogik ist Andrea Tiesler ein besonderes Anliegen. Deshalb bringt sie sich in vielfacher Weise ein. Foto: vn/mohr
Die Heilpädagogik ist Andrea Tiesler ein besonderes Anliegen. Deshalb bringt sie sich in vielfacher Weise ein. Foto: vn/mohr

Andrea Tiesler arbeitet heilpädagogisch und richtet Kongress in Feldkirch aus.

feldkirch. (VN-mm) Andrea Tiesler verabschiedet jedes ihrer Vorschulkinder mit einem liebevollen Händedruck. Traurigen kleinen Seelen gibt sie eine tröstliche Umarmung mit auf den Heimweg. Es sind auch diese kleinen Gesten, die gelebte Heilpädagogik im Alltag sichtbar machen. Andrea Tiesler praktiziert sie schon sehr lange. „Es geht darum, auf die Bedürfnisse des Kindes entsprechend zu reagieren“, lautet die ebenso einfache wie nachdrückliche Erklärung. Deshalb würde sie sich an jeder Schule eine heilpädagogische Ansprechperson wünschen. Doch davon sind die Bildungsstätten noch weit entfernt.

Inklusion als Thema

Real hingegen ist der Heilpädagogische Kongress, der morgen Donnerstag und übermorgen Freitag im Montforthaus in Feldkirch stattfindet, den Andrea Tiesler erstmals als Obfrau der Heilpädagogischen Gesellschaft Vorarlberg ausrichtet. Danach wird sie noch ein bisschen mehr sein, nämlich für zwei Jahre die Vorsitzende der Heilpädagogischen Gesellschaft Österreichs. Sie freut sich auf die Veranstaltung, bei der es vornehmlich um Inklusion geht. Immerhin haben sich rund 600 Besucher angesagt. „Aber ich bin auch ein bisschen nervös“, gesteht Andrea Tiesler.

Seit mehr als dreißig Jahren ist sie nun schon als Pädagogin tätig. Sechs davon leitete Andrea Tiesler die Volksschule in Altach. Schließlich wollte sie zurück zu den Kindern. „Dafür bin ich Lehrerin geworden.“ Jetzt unterrichtet sie wieder an der Volksschule Oberau in Feldkirch-Gisingen. Dennoch war die Zeit in Altach eine fruchtbare, denn es gelang, die Ziffernnoten abzuschaffen. „Inklusion und Ziffernnoten passen nicht zusammen“, sagt die Volksschul-, Sonderschul- und Sprachheillehrerin. Deshalb will sie speziell an diesem Thema dranbleiben, natürlich auch an der weiteren Etablierung der Heilpädagogik.

Vernetzung und Miteinander

Die Gesellschaft selbst kann 2017 ihr 40-jähriges Bestehen feiern. Ihre Mitglieder setzen sich aus den verschiedensten Berufsgruppen zusammen. Der letzte Kongress im Land fand im Jahr 2000 statt. Danach geriet die Heilpädagogik etwas in Vergessenheit. Erst 2013 wurde sie aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt. „Es ist uns gelungen, ein neues Führungsteam zu finden“, erzählt die Obfrau, die ihrem Mann Jan in dieser Funktion nachfolgte. Da Heilpädagogik in Österreich kein Berufsbild ist, sondern nur als Zusatzausbildung gilt, sieht sich die Gesellschaft als interdisziplinäre Plattform. „Unser oberstes Ziel ist die Vernetzung und das Miteinander sozial engagierter Personen, denen die Förderung und Betreuung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen ein Anliegen ist“, betont Andrea Tiesler.

Diese Bedürfnisse sind sehr verschieden. Sie erlebt es täglich in ihrer Klasse, wo sich die unterschiedlichsten kindlichen Entwicklungsstufen zeigen. „Darauf müssen wir mit entsprechenden Angeboten reagieren“, weiß Tiesler. Doch es gilt andere als die üblichen Zugänge zu finden. Die Pädagogin setzt auf Kreativität, auf Singen und Malen, und was es da sonst noch gibt. Mit den Verfechtern der Inklusion, die meinen, es sei keine Heilpädagogik erforderlich, hält sie es nicht. Im Gegenteil. „Es braucht sie jetzt erst recht“, ist Andrea Tiesler überzeugt. Es gelte, den Kreis um die Kinder und deren Eltern professionell zu halten, um wirksam unterstützen zu können. Heilpädagogik sei Teamarbeit. Vorhandenes Wissen an Junge weiterzugeben, auch das ist Tiesler ein Anliegen. Ganz im Sinne der Sache.

Inklusion und Ziffernnoten passen nicht zusammen.

Andrea Tiesler

Zur Person

Andrea Tiesler

Geboren: 22. März 1959 in Feldkirch

Wohnort: Mäder

Familienstand: verheiratet, zwei Kinder

Beruf: Diplompädagogin (Volksschul-, Sonderschul- und Sprachheillehrerin)

Hobbys: Wandern, Lesen