Alles für seine Steinschafe

Wetter / 23.03.2015 • 18:49 Uhr
Martin Mathies züchtet vom Aussterben bedrohte Steinschafe. Derzeit hält er 20 Tiere. Foto: VN/Hartinger
Martin Mathies züchtet vom Aussterben bedrohte Steinschafe. Derzeit hält er 20 Tiere. Foto: VN/Hartinger

Martin Mathies aus St. Gallenkirch kämpft für den Erhalt der Montafoner Steinschafe.   

St. Gallenkirch. (VN-kum) Martin Mathies (22) wuchs auf dem Land auf. Seine Großeltern betrieben eine kleine Landwirtschaft. Aber den kleinen Buben zog es mehr zum Nachbarn. Denn der hatte nicht nur Kühe im Stall, sondern auch Ziegen und Schafe. Bei denen hielt sich der Bub gerne auf. „Es war voll schön bei den Tieren“, erinnert er sich. Und: „Ich bin jeden Tag zum Nachbarn gegangen und habe ihm beim Füttern geholfen.“ Als seine Eltern die Landwirtschaft seiner Großeltern übernahmen, durfte der damals 13-Jährige Hennen anschaffen. „Das hatte ich mir schon lange gewünscht.“ Zunächst hielt Martin zwölf Hühner, bald schon aber waren es 24.

Das Alte bewahren

Als es darum ging, einen Beruf zu lernen, musste der Sohn eines Zimmerers nicht lange überlegen. „Ich habe mich für die Landwirtschaftsschule entschieden. Denn das ,Burna‘ ist mein Leben. Da gehe ich voll auf.“ Nach seiner Ausbildung zum Landwirt wollte er sich Ziegen zulegen. Aber Peter Kasper, einer seiner Kollegen bei der Trachtengruppe, riet ihm, lieber Montafoner Steinschafe anzuschaffen. „Er sagte mir, dass er selber welche halte und diese vom Aussterben bedroht seien.“ Daraufhin entschied sich Martin für Steinschafe. „Denn ich bin heimatverbunden und dafür, dass man das Alte bewahrt und altes Kulturgut erhalten bleibt.“ Laut Martin wurde das Montafoner Schaf vom Tiroler Bergschaf verdrängt. „Letzteres ist schwerer und gibt mehr Fleisch her.“ Ende des 20. Jahrhunderts habe es in Vorarlberg nur mehr vereinzelt Steinschafe gegeben. „Der Erste, der sie im Land wieder gezüchtet hat, war der Dornbirner Markus Stadelmann.“ Seit 2012 setzen sich auch Martin und sein Kollege Peter aktiv für den Erhalt dieser flinken, genügsamen Tiere ein. Das Ziel der beiden Hobbyzüchter ist es, die alte Schafrasse wieder im Tal zu verankern. „Wir sind zu Schafhaltern gefahren und haben Werbung für diese stark gefährdete Rasse gemacht“, erzählt Martin, der im väterlichen Betrieb als Zimmereihelfer arbeitet.

Ihr Engagement blieb nicht unbelohnt. „In den vergangenen zwei bis drei Jahren hat sich der Steinschafbestand im Montafon verdoppelt. Heute haben wir im Tal bereits 15 Züchter.“ Den St. Gallenkirchner freut es, dass bei den Bauern die Nachfrage nach diesen Tieren größer geworden ist. Laut Martin eignet sich das Steinschaf bestens für die Bewirtschaftung schwer zugänglicher Flächen. „Außerdem liefert es ein qualitativ hochwertiges Fleisch und Wolle von hervorragender Qualität.“ Die Wolle lassen die beiden Schafhalter zu Teppichen, Polstern und Filzprodukten verarbeiten. „Diese Sachen verkaufen wir auf Märkten.“

Inzwischen sind Martin Mathies und Peter Kasper in Sachen Montafoner Steinschaf gut vernetzt. Zusammengearbeitet wird unter anderem mit dem Land, dem Stand Montafon und den Montafoner Museen, um diese einzigartige Tierrasse zu erhalten. Martin steht auf. Er muss seine 20 Steinschafe füttern. Auf dem Weg zum Stall verrät der junge Mann, wovon er und sein Mitstreiter Peter träumen. „Uns schwebt ein Vorzeigehof mit kleiner Produktionsstätte vor, auf dem seltene Nutztierrassen wie das Montafoner Braunvieh und das Montafoner Steinschaf gehalten werden. Es soll kein Museum, sondern etwas Lebendiges sein.“ Die Schafe umgarnen den Hobby-Landwirt, als er das Heu in die Fressraufe gibt. Sanft streicht er einem über den Rücken. „Tiere haben auch eine Seele“, sagt er, bevor er den Stall wieder verlässt.  

Das ,Burna’ ist mein Leben. Darin gehe ich voll auf.

Martin Mathies

Zur Person

Martin Mathies

Geboren: 2. November 1992 in Bludenz

Ausbildung: Landwirt, Forstfacharbeiter, Landschaftsgestalter

Familie: ledig

Hobbys: Landwirtschaft, Skifahren, Skitouren, Wandern