Eine Bäuerin will mitreden

Christine Fitsch aus Bartholomäberg wurde zur Gebietsbäuerin gewählt.
bartholomäberg. (VN-kum) Am Vormittag verarbeitete Christine Fitsch (45) in der hofeigenen Sennerei hundert Liter Milch zu Montafoner Sauerkäse (Sura Kees). Jetzt, am Abend, muss sie die zehn Laibe Käse salzen. Das Sennen macht der Bergbäuerin viel Spaß. Das liegt unter anderem daran, „dass man für die Arbeit viel Lob und Anerkennung bekommt“. Vor 15 Jahren bauten die Fitschs eine kleine Sennerei. „Wir wollten uns neben der Landwirtschaft mit der Direktvermarktung ein zweites Standbein schaffen“, erzählt Christine, während sie die Käse-Laibe mit einem Gemisch aus Salz und Paprika einreibt. Zuerst produzierte die Bäuerin aber nur für den Eigenbedarf Käse, Butter und Butterschmalz. Durch Mundpropaganda wurde die Nachfrage größer. „Dann haben wir mehr Kühe angeschafft und mehr produziert.“
Idee ging auf
Christine lernte das Sennen in Eigenregie. „Ich bin auf die Alpen gegangen und ließ es mir von Sennern zeigen, habe meinen Eltern und Schwiegereltern über die Schulter geschaut und Kurse besucht.“ Ihre Erfahrung wuchs mit jedem weiteren Käse, den sie nach traditioneller Art herstellte. Heute ist ihr Sura Kees weitum bekannt. „Selbst im Unterland haben wir zahlreiche Abnehmer“, freut sich die Bergbäuerin aus dem Montafon. Sie ist froh, dass sie und ihr Mann Thomas damals auf das richtige Pferd setzten, beziehungsweise die Idee des Verkaufs ab Hof voll aufging.
Die Mutter zweier erwachsener Söhne ist gerne Bäuerin. Der Beruf habe viele Vorteile. „Man kann sich die Arbeit selbst einteilen und ist viel im Freien. Außerdem ist es schön, wenn man gemeinsam mit der Familie arbeiten kann.” Ihr Sohn Daniel ist bereits in die Fußstapfen der Eltern getreten. “Anscheinend haben wir es richtig vorgemacht. Sonst würde Daniel das heute nicht machen.” Christine freut es, “dass die Jungen weitermachen”. Inzwischen bewirtschaftet die Familie Fitsch schon mehr als 13 Hektar. Fünf Kühe, zwölf Rinder, zwei Stiere, vier Ziegen und zwei Schweine stehen in ihrem Stall. “Das gibt Arbeit. Aber wir vier helfen alle zusammen.”
Die Landwirtin will aber nicht nur “schaffa” und Bäuerin sein: “Ich will mit anderen Bäuerinnen Erfahrungen austauschen und in der Gesellschaft mitreden. Ich möchte, dass wir Landwirte mehr wertgeschätzt werden, denn als Landschaftspfleger leisten wir einen großen Beitrag für die Region.”
Seit vier Jahren setzt sich Christine für ihresgleichen ein. 2011 wurde sie zur Ortsbäuerin gewählt. In dieser Funktion ist sie Ansprechpartnerin für 160 Bäuerinnen. Die 45-Jährige organisiert Treffen und Veranstaltungen, Exkursionen und Kurse. Die Zusammenkünfte stärken den Zusammenhalt. “Wir haben eine gute Kameradschaft in der Gemeinde”, freut sie sich. Ihre Arbeit hat überzeugt. Die Ortsbäuerinnen wählten sie heuer im Februar zur Gebietsbäuerin. Die Bartholomäbergerin will sich dieser Aufgabe stellen, “weil es schade wäre, wenn es keine Vertreterin aus dem Montafon gäbe”.
Dann trat auch noch Landesbäuerin Andrea Schwarzmann an sie heran und fragte sie, ob sie nicht eine ihrer Stellvertreterinnen werden wolle. Die Montafonerin fühlte sich geehrt. “Dass man mich fragte, zeigt mir, dass ich wertgeschätzt werde.” Beim Landesbäuerinnentag am Donnerstag wurde sie zur Stellvertreterin von Andrea Schwarzmann gewählt. Sie nahm die Funktion an: “Es ist wichtig, dass kleine Regionen wie das Montafon auch auf Landesebene mitreden können”, sagt sie.
Ich will nicht nur „schaffa. Ich will auch mitreden.
Christine Fitsch
Zur Person
Christine Fitsch
Geboren: 17. Juni 1969 in Schruns
Ausbildung: Einzelhandelskauffrau, Bergbäuerin
Familie: verheiratet mit Thomas, zwei Söhne (22 und 25)
Hobbys: Wandern, Skifahren, Skitouren