Sich verstanden fühlen

Wetter / 16.03.2015 • 19:20 Uhr
TANDEM-Begleiterin Barbara Weber (l.) und Koordinatorin Mirjam Apsner vom Bildungshaus Batschuns.  Foto: Stiplovsek
TANDEM-Begleiterin Barbara Weber (l.) und Koordinatorin Mirjam Apsner vom Bildungshaus Batschuns. Foto: Stiplovsek

Das Projekt TANDEM bietet Unterstützung für Angehörige von Menschen mit Demenz.

zwischenwasser. (VN-sis) Erkrankt eine Person an Demenz, sind davon meist auch andere Menschen betroffen. Angehörige wie Kinder, Geschwister, Enkel, egal, ob pflegend oder nicht, nehmen dabei eine bestimmte Rolle ein. Miterleben zu müssen, wie sich eine geliebte Person durch die Demenz verändert, und entsprechend darauf zu reagieren, ist oft mit einer hohen Belastung verbunden. Das Bildungshaus Batschuns hat aus diesem Grund vor einigen Jahren das Projekt TANDEM ins Leben gerufen. Dieses bietet Angehörigen bzw. Begleitpersonen von Betroffenen Unterstützung und eine Möglichkeit, sich im Beisein von geschulten TANDEM-Begleitern über Ängste und Sorgen auszutauschen.

Austausch und Verständnis

Eine TANDEM-Begleiterin der ersten Stunde, die außerdem maßgeblich an der Entwicklung des Projekts beteiligt war, ist Barbara Weber. Die diplomierte Krankenschwester und Lebensberaterin arbeitet bereits seit vielen Jahren mit Menschen mit Demenz. „Die Demenz ist ein sehr spezielles Thema. Aus diesem Grund bedarf es auch einer besonderen Form der Unterstützung“, erklärt sie. „Es gibt zwar viele Vorträge und Workshops zum Thema Demenz, für einen selbst bleibt jedoch oft kein Platz. Wir haben bemerkt, dass der Austausch für Angehörige sehr wichtig ist. Sie benötigen einen Raum, wo sie sich verstanden fühlen und mit allen Ängsten und Fragen willkommen sind“, ergänzt Weber.
Aus diesem Bedarf heraus organisierte das Bildungshaus Batschuns im Jahr 2005 Gruppentreffen für pflegende Angehörige. Seit 2007 wird das Projekt im Rahmen der „Aktion Demenz“ vom Land gefördert und kann kostenlos genutzt werden.
Der Erstkontakt sowie die Organisation erfolgt über Mirjam Apsner vom Bildungshaus Batschuns. Fünf TANDEM-Begleiter, die allesamt über einschlägige Erfahrung und eine spezielle Ausbildung verfügen, übernehmen im Anschluss die Betreuung der Gruppen. Die Treffen finden jeweils in der Nähe des Wohnorts der Teilnehmer statt. Dies ermöglicht einen Austausch in einem anonymen bzw. geschützten Raum. „Es gibt zwei Gruppenformen“, informiert Barbara Weber. In gemischten Gruppen kommen Menschen aus verschiedenen Familien zusammen. „Der Vorteil dieser Gruppe ist der Erfahrungsaustausch. Die Teilnehmer sehen, dass sie nicht allein sind. Oft entwickeln sich auch Freundschaften“, berichtet Weber. Familiengruppen richten sich hingegen an die Mitglieder einer einzigen Familie. „Ich kenne Familien, die an der Demenz eines Angehörigen zerbrochen sind“, erzählt die diplomierte Krankenschwester. „Bei den Sitzungen werden Themen angesprochen, über die die Familie selbst nicht reden kann.“

Individuelle Bedürfnisse

Insgesamt werden drei Treffen empfohlen, die im Abstand von drei bis fünf Wochen stattfinden. „Dieser zeitliche Abstand ist wichtig. In dieser Zeit passiert sehr viel. Die Teilnehmer entwickeln Verständnis und lösen sich von ihrem Dilemma“, sagt Weber. Bei Bedarf kann die Anzahl der Gruppentreffen auch erweitert oder verringert werden.

„Wir wollen uns den individuellen Bedürfnissen der Angehörigen anpassen“, erklärt die TANDEM-Begleiterin. Durch den engen Kontakt mit anderen Institutionen im Land können diese bei Bedarf auch weitervermittelt werden. „Jeder kann sich melden. Auch wenn nur der Verdacht besteht, dass eine Demenz vorliegt. Wir schließen niemanden aus“, betont Weber.

Jeder kann sich melden. Wir schließen niemanden aus.

Barbara Weber

Zur Person

Barbara Weber

Geboren: 1954 in der Steiermark

Ausbildung: diplomierte Krankenschwester und Lebensberaterin

Kontakt TANDEM: Mirjam Apsner, Bildungshaus Batschuns, Kapf 1, Zwischenwasser; mirjam.apsner@bhba.at, 0664 3813047