Jonnys Gespür für Schnee

Die von Jonny Marinac organisierten Schullawinenkurse sind stark nachgefragt.
Gaschurn. (VN-mm) Die Liebe zum Schnee und zu den Brettern, mit denen es sich durch selbigen kurven lässt, liegt der Familie Marinac im Blut. Martin Marinac machte dereinst als Skirennläufer von sich reden, sein Bruder Jonny ist Berg- und Skiführer sowie staatlich geprüfter Skilehrer. Diesen Job hat der Gaschurner inzwischen aufgegeben. Er widmet sich beruflich nur noch dem Skispaß abseits der Pisten. Und das in einer ganz besonderen Funktion: Seit dem vergangenen Jahr organisiert Jonny Marinac im Rahmen der Aktion „snowhow“ Lawinenkurse für Schüler, die sich auf Wintersportwoche befinden. „Im Gelände passiert viel durch Unwissenheit“, weiß der Skiführer. Jugendlichen möglichst früh ein Gefahrenbewusstsein zu vermitteln, nennt er deshalb als Ziel dieser Initiative.
Anfragen übersteigen Angebot
Seit bald zehn Jahren bietet der in Tirol ansässige Verein zur Förderung von Bildung und Sport solche Schullawinenkurse an. In Vorarlberg war es der Bergführerverband und da Hanno Dönz, der den im Ernstfall überlebenswichtigen Wissenstransfer an den Skinachwuchs forcierte. Jonny Marinac stieg vor vier Jahren ein. Mittlerweile gibt es auch eine Kooperation mit Sicheres Vorarlberg und anderen Partnern. Sie ermöglichen es, dass das Angebot für Schüler und Schulen kostenlos ist. In Vorarlberg sind die Schullawinenkurse ausgebucht. Rund 450 Jugendliche zwischen zehn und 14 Jahren erhalten Einblick in die Grundlagen der Lawinenkunde. Anfragen gäbe es jedoch für 600 bis 800 Schüler. Deshalb wird nach weiteren Sponsoren gesucht, um die Schullawinenkurse entsprechend ausbauen zu können.
Das große Interesse zeigt sich auch daran, dass die ersten Anmeldungen schon im November einlangen, die Wintersportwochen aber erst Mitte Jänner starten. „Für uns ist das gut, so können wir die Termineinteilung frühzeitig vornehmen, da wir dazwischen ja auch noch Gäste führen“, erklärt Jonny Marinac. Doch das Schulthema bewegt ihn besonders. Wie ein Wasserfall sprudeln die Erklärungen: „Bei der Wintersportwoche gibt es einen von Bergführern begleiteten Praxistag“, erzählt Marinac. Das lockere die Woche ein bisschen auf. Den Jugendlichen attestiert er Begeisterung und Ernst beim Mitmachen. Seit heuer stehen zudem 20 Notfallausrüstungen mit LVS-Gerät, Schaufel und Sonde zur Verfügung, die an die Schüler verteilt werden. „Auf diese Weise wird die Sache authentisch“, sagt Jonny Marinac. Vor allem jedoch kommt die wichtige Botschaft, dass ohne diese Notfallausrüstung niemand unter einer Lawinen gefunden werden kann, gezielter an.
Vom Sinn überzeugt
Der leidenschaftliche Skiführer, der es jeden Winter auf mindestens 50 Skitouren bringt, weil er es auch privat nicht lassen kann, macht sich allerdings keine Illusionen. „Die Schüler werden einiges wieder vergessen. Aber spätestens bei der ersten Variantenabfahrt oder Skitour ist die Erinnerung an das Gelernte da“, gibt sich Jonny Marinac vom Sinn der Aktion überzeugt. Sie bringe auch den Berg- und Skiführern etwas: „Wir haben Arbeit“, merkt der Vater eines dreijährigen Sohnes schmunzelnd an. Der Junior steht selbstredend auch bereits auf Skiern. „Wir sind dem Schnee verfallen.“ Nicht umsonst zieht es Jonny Marinac auf Tourenskiern in die Berge, bis der letzte Schneefleck von der Sonne weggeputzt ist. Im vergangenen Jahr etwa schulterte er noch im Juni die Skier. Wenn dann gar nichts mehr geht, steht er als Zimmermann wieder seinen Mann.
Bei der ersten Skitour ist die Erinnerung an das Gelernte wieder da.
Jonny Marinac
Zur Person
Jonny Marinac
Geboren: 5. Juni 1978 in Schruns
Wohnort: Gaschurn
Familienstand: Freundin, ein Kind
Beruf: Im Winter Berg- und Skiführer, im Sommer Zimmermann
Hobbys: Skitouren, Klettern