Die Früchte des Bodens

Isabella Moosbrugger betreut zusammen mit Volksschülern einen Gemüsegarten.
Bezau. (VN-pes) Hinter einer Hecke, dort, wo in Bezau das Wälderbähnle abfährt, bedeckt derzeit eine dicke Schneeschicht die Erde. Doch „in dem Boden steckt sehr viel Energie“, weiß Isabella Moosbrugger. Die Obfrau der Gartenfreunde Reuthe-Bezau gärtnert dort nicht nur mit ihren Vereinskollegen, auch die Drittklässler der Volksschule Bezau werden im Frühjahr zusammen mit ihr wieder Gemüse anbauen.
Moosbrugger ist Gärtnerin aus Leidenschaft, denn sie ist der Meinung: „Wir sollten die Lebensmittelerzeugung nicht den Großkonzernen überlassen.“ Diese Einstellung teilen offenbar ihre 230 Vereinskollegen, die, wenn sie keinen eigenen Garten haben, nach bestimmten Regeln der Fruchtfolge ein Beet am Bahnhofsgarten bebauen können. „Wenn in einem Jahr etwas über der Erde wächst, sollte im folgenden Jahr etwas unter der Erde wachsen, etwa Karotten oder Zwiebeln“, erläutert sie.
Lernen, ohne es zu merken
Beim Projekt Schulgarten, der direkt neben den Vereinsbeeten liegt, lernen die Kinder, „die Lebensmittelerzeugung ein bisschen selbst in die Hand zu nehmen“, sagt die 53-Jährige. Das Schönste ist: „Sie lernen, ohne zu merken, dass sie etwas lernen“, sagt Moosbrugger, denn die Kinder haben Spaß dabei. Sie kommen auch in den Ferien, um das Beet zu pflegen und ihr Obst und Gemüse wachsen zu sehen. Der Garten macht schließlich im Sommer nicht Urlaub.
Im vergangenen Frühjahr baute Moosbrugger mit den Volksschülern Kartoffeln an. Im Sommer folgten dann Salat und Kohlrabi. Das Feld ist nicht einmal groß genug, dass Kinder ordentlich darauf spielen können, aber 100 Salatköpfe wachsen darauf. „Im Herbst konnte jedes Kind zwei Salate und einen Kohlrabi mit nach Hause nehmen“, erzählt Moosbrugger. Da staunten auch die Eltern.
Gemeinde unterstützt
Im Dorf wird das Projekt unterstützt: Die Gemeinde will heuer den Parkplatz am Bahnhof sanieren, Hauptschüler haben einen Weidezaun gebaut. Dafür bekommt die Allgemeinheit auch etwas zurück: Moosbrugger und Co. pflegen die Hecke am Wegrand gleich mit und die Blumen und Blühstreifen, Hecken und Sonnenblumen, die mit angepflanzt werden, bieten Nahrung für Bienen. Schädlingsbekämpfung geschieht auf natürlichem Weg. Zusammen mit Kohl sähen die Jung-Gärtner etwa Wermut aus, dessen Duft den Kohlweißling vertreibt. Die erfahrene Obfrau weiß außerdem, wie man Erde richtig kompostiert, so dass sie nicht fault und somit keine Schnecken anlockt.
Auch Lebenshilfe gärtnert
Neben der Freude an den selbst erzeugten Lebensmitteln macht auch das Arbeiten in der Gemeinschaft die Freude aus. „Gärtnern mit anderen ist so schön“, schwärmt die Bezauerin. In Nachbarschaft zum Bahnhofsgarten hat auch die Lebenshilfe ein kleines Feld. Die Menschen mit Handicap, die dort anbauen, „lachen und haben eine Gaudi“, weiß Isabella Moosbrugger.
Aufgewachsen auf dem Bauernhof, wurde ihr das Gärtnern in die Wiege gelegt. Später machte sie den Landwirtschafts- und Hauswirtschaftsmeister. Heute ist sie Hausfrau und hat vier Buben zwischen 14 und 30 Jahren. Auch die stehen auf die Lebensmittel, die Moosbrugger im eigenen Garten anbaut, „vor allem auf das selbstgemachte Chili-Öl“, freut sie sich. Im kommenden Frühjahr wird die nächste dritte Klasse der Bezauer Volksschule wieder am Bahnhof gärtnern dürfen. Diesmal sind Bohnen, Karotten und Zwiebeln angesagt.
Lebensmittelproduktion nicht den Konzernen überlassen.
Isabella Moosbrugger
Zur Person
Isabella Moosbrugger
Obfrau der Gartenfreunde Reuthe-Bezau. Betreut den Schulgarten am Bezauer Bahnhof.
Geboren: 1961
Beruf: Hausfrau
Familie: verheiratet, vier Kinder