Mediziner mit Tüftlergen

Wetter / 17.02.2015 • 19:19 Uhr
Peter Schwendinger (r.) darf sich über Titel und Scheck freuen. Auch Juror Werner Draschel gratulierte dem erfolgreichen Vorarlberger. Foto: CAST  

Peter Schwendinger (r.) darf sich über Titel und Scheck freuen. Auch Juror Werner Draschel gratulierte dem erfolgreichen Vorarlberger. Foto: CAST  

Beim Tiroler CAST-Award 2014 war Peter Schwendinger aus Schwarzach der Beste.

schwarzach. (VN-mm) Peter Schwendinger ist das, was der Volksmund vermutlich einen Spätberufenen nennen würde. Denn erst nach Doppellehre, HTL-Matura und FH-Studium entschied sich der Schwarzacher für die Humanmedizin. Die Leidenschaft fürs Tüfteln hat er sich jedoch bewahrt. Das bescherte ihm jetzt einen bemerkenswerten Erfolg. Für einen besonderen Einfall erhielt Peter Schwendinger den Award des Tiroler Gründungszentrums CAST und einen stattlichen Scheck überreicht. Er überzeugte die Jury mit einer Erfindung zum verbesserten Einsatz von künstlichen Hüftgelenken.

Spezielles Werkzeug

Konkret geht es um eine neue Methode zum Auffüllen der Hüftpfanne. „Bei der von mir entwickelten Technik wird der Oberschenkelkopf nicht wie bisher üblich entfernt und nicht für die Implantation weiterverwendet, sondern dazu benutzt, das Becken zu verstärken, was insbesondere bei notwendigen Folgeeingriffen große Vorteile bringen kann“, erklärt Peter Schwendinger. Auf diese Weise lässt sich nämlich der Knochenverlust reduzieren und der Heilungserfolg nach Revisionsoperationen wesentlich verbessern.

Mit der Idee allein war es für den umtriebigen Studenten, der seine Ausbildung an der Medizinischen Universität Innsbruck absolviert, aber nicht getan. Zu deren Umsetzung konstruierte er auch spezielles Werkzeug, mit dem der Oberschenkelkopf in Schalenform gebracht werden kann.

Interesse angemeldet

Dass es sich bei der ganzen Sache um weit mehr als nur eine Spielerei handelt, zeigt das Interesse daran. Schwendinger hat sich mit seiner Erfindung direkt an den Leiter der Innsbrucker Abteilung für Experimentelle Orthopädie, Univ. Prof. Dr. Michael Nogler, gewandt. „Dort wurde mir der Bedarf tatsächlich bestätigt“, freut sich der findige Student aus Vorarlberg, der mittlerweile auch schon studentischer Mitarbeiter besagter Abteilung ist. Ebenso wurden bereits die ersten Prototypen angefertigt und experimentell getestet.

Keine Frage, dass der angehende Mediziner weiter an der Umsetzung seiner Erfindung feilen und selbstredend seine Diplomarbeit zu diesem spannenden Themenbereich schreiben will. Als sein Betreuer fungiert David Putzer aus dem Team der Abteilung für Experimentelle Orthopädie. Gemeinsam mit ihm hat Peter Schwendinger bereits den nächsten Schritt auf dem Weg die Erfinder-Erfolgsleiter hinauf gesetzt und sich beim „science2business Award“ beworben. Nach Abschluss des Studiums möchte er sich auf das Fach Orthopädie spezialisieren. Derzeit steht er kurz vor Beginn des zehnten Semesters.

Technische Vorbildung

Von ungefähr kam der Erfolg des begeisterten Snowboarders indes nicht. Immerhin verfügt Peter Schwendinger über eine sehr umfassende technische Vorbildung. Als HTL-Absolvent, gelernter Maschinenbautechniker und technischer Zeichner hat er bereits in der Entwicklung gearbeitet und dort jede Menge an Erfahrungen gesammelt. Zusätzlich studierte der ebenso vielseitig begabte wie interessierte junge Mann berufsbegleitend an der Fachhochschule Vorarlberg noch Wirtschaftsingenieurwesen. Dann vollführte er eine Kehrwendung.

„Ich wollte unbedingt wieder etwas mit meinen Händen arbeiten und habe in Innsbruck mit dem Studium der Humanmedizin begonnen.“ Peter Schwendinger erzählt es, als ob es die größte Selbstverständlichkeit wäre. Für ihn ist es das vermutlich. 

Ich wollte wieder etwas mit meinen Händen arbeiten.

Peter Schwendinger

Zur Person

Peter Schwendinger

Geboren: 29. Dezember 1983 in Dornbirn

Wohnort: Schwarzach, Innsbruck

Familienstand: verheiratet

Beruf: Medizinstudent

Hobbys: Sport, Snowboarden