Mit Brillen nach Bolivien

Um möglichst vielen Kindern eine Brille zu ermöglichen, sammelt Augenoptikerin Lioba Vogler fleißig Spenden. Foto: sis
Die 20-jährige Lioba Vogler hilft in Bolivien bedürftigen Menschen mit Sehschwäche.
feldkirch. (VN-sis) Lioba Vogler wohnt zwar in Vorarlberg, ihr Herz schlägt aber noch für ein anderes Land. Den Großteil ihrer Kindheit verbrachte die heute 20-Jährige nämlich in Bolivien, 4200 Meter über dem Meeresspiegel.
Als sich ihr Vater dazu entschloss, als Entwicklungshelfer nach El Alto, die zweitgrößte Stadt Boliviens, zu gehen, war sie gerade einmal sechs Jahre alt. „Am Anfang war es schon seltsam“, erinnert sich die gelernte Optikerin. „Ich konnte die Sprache nicht und alles war fremd.“ Insgesamt vier Jahre verbrachte Lioba Vogler gemeinsam mit ihren Eltern und Geschwistern in Bolivien. Als ihr Bruder jedoch aufgrund der Höhe mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, kehrte die Familie 2004 wieder nach Vorarlberg zurück. „Die Rückkehr war fast noch schlimmer als das Weggehen“, erzählt die 20-Jährige und lacht. Schließlich sei Bolivien wie eine zweite Heimat für sie. „Wenn man länger an einem Ort wohnt, hat man auch sein Herz dort“, ergänzt sie.
Augenprojekt
Ihre Liebe zu dem Land, vor allem aber zu den Menschen, ist nach wie vor ungebrochen. Ein Großteil der Bevölkerung Boliviens lebt in ärmlichen Verhältnissen. Den Bedürftigen zu helfen, ist der jungen Frau ein großes Anliegen. Auch ihre Mutter engagiert sich bereits seit vielen Jahren mit ihrem Projekt Yanapawi für die Armen in El Alto. Über sie kam Lioba in Kontakt mit einer Augenärztin aus Salzburg, die Kinder in Bolivien mit kostenlosen Sehhilfen ausstatten wollte, und ihr anbot, sich an dem Projekt zu beteiligen. „Viele Menschen haben sehr schlechte Augen. Sie wissen es aber gar nicht bzw. können sich keine Brille leisten“, erzählt die Optikerin. Da die Augenärztin jedoch keine Zeit hatte, mit der Feldkircherin nach Bolivien zu kommen, flog sie schlussendlich allein. „Die Arztin kümmerte sich um die Finanizierung sowie Gläser und Fassungen“, erklärt Vogler. So untersuchte sie im Sommer 2013 in einem Monat rund 1000 Schüler auf ihre Sehtauglichkeit. Unterstützt wurde sie dabei von einem ortsansässigen Augenarzt.
Zurück nach Bolivien
Um noch mehr Kindern mit Sehfehlern zu helfen, fliegt Lioba Vogler in wenigen Wochen noch einmal nach Bolivien. Dieses Mal ist sie bei der Finanzierung jedoch auf sich allein gestellt. „Die Augenärztin ist im Vorfeld leider abgesprungen. Ich möchte den Menschen aber trotzdem helfen. Deshalb habe ich das Projekt nun selbst auf die Beine gestellt“, erzählt die 20-Jährige. Im März wird sie gemeinsam mit Dr. Julio Cesár Paredes die Augen von rund 1000 weiteren Schülern untersuchen. Zudem wird sie von drei Medizinstudenten aus Bolivien unterstützt. „Vor Kurzem hat sich außerdem noch eine Bekannte von mir, die ebenfalls als Optikerin arbeitet, dazu bereit erklärt, mich nach Bolivien zu begleiten“, sagt Vogler.
Finanziert werde die Aktion dieses Mal nur mit Hilfe von Spendengeldern. „Es ist zwar nicht einfach, aber ich hoffe sehr, dass dabei genug Geld zusammenkommt, um so vielen Menschen wie möglich zu helfen“, so die 20-Jährige.
Ende Mai möchte Lioba Vogler das Ergebnis ihrer Bolivienreise in Form eines Vortrags präsentieren. „Ich glaube, es ist wichtig, den Leuten zu zeigen, dass ihre Spende auch wirklich bei den bedürftigen Menschen ankommt.“
Lebt man länger an einem Ort, hat man dort auch sein Herz.
Lioba Vogler
Zur Person
Lioba Vogler
mit ihrem Projekt “Besser sehen für bessere Bildung” ermöglicht sie Bedürftigen in Bolivien den Zugang zu Sehhilfen.
Geboren: 1995 in Feldkirch
Ausbildung: Doppellehre Optik und Hörgeräte-Akustik