Im Einklang mit der Natur

Biobauer Armin Rauch wurde zum neuen Obmann des Fachverbandes der Baumwärter Vorarlbergs gewählt.
Dünserberg. (VN-kum) Ein Baumwärter kennt sich aus mit Obstbäumen und Beerensträuchern. Er weiß, wie man sie setzt, pflegt, düngt und schneidet. In Vorarlberg hat der Fachverband der Baumwärter 340 Mitglieder. Vor wenigen Wochen wählten sie den Biobauer Armin Rauch aus Dünserberg zu ihrem neuen Obmann.
Mit Obst respektvoll umgehen
Im ersten Moment wollte Rauch die Funktion nicht annehmen. „Ich habe viel Arbeit auf meinem Hof.“ Aber dann ließ er sich erweichen. „Denn es liegt mir am Herzen, dass der Verein weiterbesteht und Obstbäume erhalten und neue gepflanzt werden.“ Der Dünserberger hat ein ehrgeiziges Ziel: „Ich möchte, dass es in zehn Jahren um 20 Prozent mehr Obstbäume gibt als heute.“ Außerdem will er als Obmann erreichen, dass die Menschen mit Früchten respektvoll umgehen und dass aus heimischem Obst verstärkt Produkte hergestellt werden, die in den Lebensmittelgeschäften erhältlich sind. Die Wahl fiel nicht zufälligerweise auf ihn. Rauch ist ein Profi in Sachen Natur. Vor mehr als zehn Jahren ließ er sich zum Baumwärter ausbilden. „Ich belegte diesen Kurs, weil ich selber 40 Bäume hatte und wissen wollte, wie man es richtig macht.“ Nach dem Lehrgang begann er, Obstbäume zu pflanzen. „Ich habe Wiesen dazugepachtet und 60 kleine Bäume und 90 Hochstämme gepflanzt.“ Mittlerweile hat er Erfahrung mit 35 verschiedenen Obst- und Beerenarten, darunter auch so exotische wie Kiwis und Kakis. Aus den Äpfeln, Birnen, Zwetschgen und Kirschen macht Rauch in seiner eigenen Brennerei Edelbrände und Süßmost.
Ein ehrgeiziges Ziel verfolgt der Biobauer auch in Bezug auf seinen Betrieb. „Meine Frau und ich möchten totale Selbstversorger werden. Derzeit versorgen wir uns zu 80 Prozent selber.“ Rauch hat noch viel vor. „Ich will ein Brotback- und ein Dörrhaus bauen, einen Hofladen und einen Seminarraum einrichten und vielleicht einmal selber Getreide anbauen.“
Der Weg zum Selbstversorger ist ein langer. Den ersten Schritt setzte Rauch vor 30 Jahren, als er den Hof seines Vaters übernahm und ihn als Milchbauer weiterführte. In diese Zeit fiel auch die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. „Ab da war mir klar: Wir müssen mit der Natur tun und nicht gegen sie.“ Dieses Denken bzw. diese Lebenseinstellung gipfelte schließlich darin, dass er im Jahre 1995 auf biologische Landwirtschaft umstellte.
2003 verkaufte er seine Milchkühe. „Die Tiere wurden krank, weil sie so viel Milch geben mussten. Das konnte ich mit mir nicht vereinbaren.“ Rauch verlegte sich jetzt auf Jungviehaufzucht. Nebenher belegte er Kurse. Unter anderem ließ er sich zum Bodenpraktiker ausbilden. „Ohne gesunden Boden gibt es keine gesunden Pflanzen und keine gesunden Tiere und Menschen.“
Vor fünf Jahren begann der Biobauer mit dem Anbau von Gemüse, nachdem er einen entsprechenden Lehrgang besucht hatte. Inzwischen darf er einen 4000 Quadratmeter großen Gemüsegarten sein Eigen nennen. Aus Samen züchtet er Jungpflanzen. „Mittlerweile produzieren wir 150 verschiedene Sorten von Jungpflanzen.“ In seinem Garten wachsen Paprika, russische Gurken, Litschi-Tomaten, Chili, … Um die Natur noch besser verstehen zu können, absolvierte der Obst- und Gemüsebauer auch noch eine Permakulturausbildung. Sein Biobauernhof mit Permakultur ist ein Vorzeigebetrieb. „Die Leute kommen in Strömen. Pro Jahr mache ich bis zu 20 Hofführungen.“
Wir müssen mit der Natur tun und nicht gegen sie.
Armin Rauch
Zur Person
Armin Rauch
Geboren: 13. September 1961
Ausbildung: landwirtschaftlicher Facharbeiter, Permakulturfachkraft, Bodenpraktiker, Edelbrand-Sommelier
Familie: verheiratet, drei Kinder
Hobbys: Drechseln, Bergsteigen, Schneeschuhlaufen, Schwimmen