Frankreich auf der Bühne

Beim Ball der Kulturen bringt Hélène Redl Barre französisches Flair in den Spielboden.
Nüziders. (VN-ger) Es war Liebe auf den ersten Blick. Damals, im Urlaub in Marokko, als Hélène Redl Barre ihren jetzigen Ehemann Christian kennenlernte. „Wir hatten von Anfang an viel zu reden“, erinnert sich die 48-Jährige zurück. „Es war unglaublich. Ich bin zu dieser Zeit ein Jahr lang durch die Welt gereist, aber wir sind immer in Kontakt geblieben.“
Ihr gemeinsames Glück fanden die beiden zunächst in Paris, später in Straßburg, wo ihre Kinder Roman (11) und Carmen (10) das Licht der Welt erblickten, dann in Frankfurt. Bis irgendwann die Frage auftauchte: „Was machen wir in Deutschland? Wir haben hier keine Familie, keine Wurzeln“, erzählt die gebürtige Französin. Auf der Plus-Minus-Liste machte vor sechs Jahren schließlich Vorarlberg gegen Frankreich das Rennen. „Es ist wunderschön hier, sehr sicher und wirtschaftlich und kulturell sehr attraktiv.“ Ein wichtiges Kriterium bei ihrer Entscheidungsfindung war nicht zuletzt die berufliche Perspektive im Land. „Ich habe für die Kinder sieben Jahre Pause gemacht. In Frankreich ist man danach weg vom Fenster. In Österreich ist das akzeptiert und ganz normal“, sagt Hélène Redl Barre.
„Brutaler“ Anfang
Den Schritt nach Vorarlberg hat die 48-Jährige keineswegs bereut. Wenngleich ihr der Start nicht unbedingt leicht fiel.
„Die Sprache war am Anfang brutal. Ich habe mir gedacht: Mamma Mia, jetzt muss ich wieder von vorne anfangen, weil ich nichts verstanden habe.“ Längst jedoch hat die Nüzigerin ihren Platz gefunden. „Die Integrationszeit ist immer komplex und unangenehm. Aber Heimweh hatte ich nie. Ich fühle mich hier zu Hause“, betont sie.
So etwas wie Liebe auf den ersten Blick war für Redl Barre auch der erste Besuch auf dem „Ball der Kulturen“ im Dornbirner Spielboden. „Ich wollte diese Atmosphäre unbedingt wieder erleben. Ich finde es toll, wenn alle zusammen tanzen, singen und Spaß miteinander haben. Es gibt überhaupt keine politischen und religiösen Themen.“ Mittlerweile ist die zweifache Mutter Mitglied im Organisationskomitee, hat heuer erstmals eine französische Band – „Les Frelots“ – nach Dornbirn eingeladen. „Wir sind dieses Jahr am Buffet und auf der Bühne präsent“, freut sich die Frohnatur auf den heutigen großen Festabend.
Ein Stück Frankreich in Vorarlberg findet Hélène Redl Barre regelmäßig beim Verein „Les Fadas du Français“ in Dornbirn, einer Plattform für alle, die Französisch sprechen und/oder sich für die französischsprachige Kultur interessieren. Neben sportlichen Aktivitäten, Tarot-Runden, Büchertreffen, Kinoabenden, Kochkursen, Businessfrühstücks oder einer französischen Radiosendung mit Radio Proton dreht sich dort auch vieles um „Les Petits Fadas“: „Einmal in der Woche findet ein Sprachkurs für die Kinder statt. Das ist sehr wichtig und hilft bei der Integration. Die Kinder fühlen sich nicht so allein“, spricht sie aus Erfahrung.
Apropos verstehen und verstanden werden: Mit ihrer Firma HRB Linguistikpartner bietet Hélène Redl Barre Unternehmen eine kulturelle und sprachliche Unterstützung an. „Wenn man in Österreich sagt 8 Uhr, dann ist es 8 Uhr. In Frankreich kommt man zehn Minuten später“, nennt sie eine von vielen Kleinigkeiten, die im Geschäftsleben viel ausmachen können. „Man denkt vielleicht, die Franzosen sind kompliziert, dabei sind sie nur anders.“
Aber Heimweh hatte ich nie. Ich fühle mich hier zu Hause.
Hélène Redl Barre
Zur Person
Hélène Redl Barre
ist Mitglied im Organisationskomitee für den Ball der Kulturen
Geboren: 9. April 1966
Wohnort: Nüziders
Familie: verheiratet mit Christian, zwei Kinder, Roman (11) und Carmen (10)
Ausbildung: Matura, Wirtschaftsschule
Beruf: selbstständig (HRB Linguistikpartner)
Hobbys: Skifahren, Lesen, Kino, Tauchen, Reisen, Musik hören