Die mit den Händen redet

Als Gebärdensprachdolmetscherin spielt Dunja Dietl beim „Krüppelball“ zwei Rollen.
meiningen. (VN-mm) „Ich kenne keine Veranstaltung, die so locker ist. Jeder kann sein, wie er ist.“ In höchsten Tönen schwärmt Dunja Dietl vom „Krüppelball“ des Vereins Reiz, der an diesem Freitag in der Otten Gravour in Hohenems bereits seine siebte Auflage erlebt. Aber nicht nur deshalb besucht die geprüfte Gebärdensprachdolmetscherin gerne diese Veranstaltung. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Lisa Gmeiner und einer Band wird Dunja Dietl eine Musikperformance zum Besten geben. Denn auch Musik lässt sich mit Gebärden sichtbar machen. In diesem speziellen Fall haben die kreativen Damen den Hitparadenstürmer „Vo Mello bis ge Schoppornou“ in die Gebärdensprache umgesetzt. „Natürlich mit Einwilligung des Holstuonarmusigbigbandclubs“, merkt Dietl der Ordnung halber an.
Job mit weiten Wegen
In der Aufführung von Musik für Gehörlose hat die gebürtige Tirolerin viel Erfahrung. Schon in Innsbruck arbeitete sie in einer Gruppe mit, in der Gehörlose und Hörende ihrer eigenen Art von Unterhaltung frönten. „Leider gibt es sie nicht mehr“, bedauert Dunja Dietl. Die intensiven Vorbereitungen, die eine Musikperformance in Gebärdensprache erfordert, nimmt sie gerne in Kauf, weil die Beschäftigung mit einem Lied sehr facettenreich sein kann, wie sie sagt. Mit derselben Begeisterung spricht Dunja Dietl von ihrem Beruf. „Er macht Spaß und bringt viel Abwechslung“, erzählt sie. Dass auch sehr weite Wege mit dem Job verbunden sind – zwei Mal monatlich dolmetscht sie beispielsweise im Parlament in Wien – erwähnt die zweifache Mutter nur nebenbei. Das sei halt so, wenn man hier zu Hause sei, meint sie.
Als Kind gehörloser Eltern kam Dunja Dietl schon früh mit der Gebärdensprache in Kontakt. Die Ausbildung zur Gebärdensprachdolmetscherin absolvierte die gelernte Sozialarbeiterin jedoch erst im zweiten Bildungsweg. Damals gehörte sie zu den ersten im Land. Inzwischen ist die Ausbildung universitär geworden. Allerdings müssen Studierende dieses Fachs nach Linz oder Graz. „Viele kommen dann nicht mehr nach Vorarlberg zurück“, erklärt Dunja Dietl, warum es hier gerade einmal vier von ihresgleichen gibt.
Bestrebungen, auch im Westen eine Ausbildungsstätte zu etablieren, steht sie deshalb positiv gegenüber. Aber: „Bis dahin dauert es wohl noch.“
Anfragen von überall
In Vorarlberg haben sich die Gebärdensprachdolmetscherinnen im Netzwerk „HANDlaut“ organisiert. „Ein Ansprechpartner, ein Auftritt, ein Abwicklungsmodus“, listet Dunja Dietl die Vorteile auf. Auf diese Weise werde der Service des Gebärdensprachdolmetschens sowohl für gehörlose als auch für hörende Kunden einfacher. Der Kreis der Klienten ist zumindest geografisch ein weitläufiger. Anfragen kommen von überall her: aus Vorarlberg, Liechtenstein, dem Bodenseeraum, Südtirol oder Wien, was in erster Linie mit dem Mangel an solchen Experten zu tun hat. Ein Fixtermin ist für Dunja Dietl seit sieben Jahren auch der „Krüppelball“. Dort dolmetscht sie für gehörlose Gäste das Rahmenprogramm und tritt, wie schon gesagt, selbst auf.
Dunja Dietl, die seit bald zwanzig Jahren in Vorarlberg lebt, verfolgt aber auch ein politisches Anliegen. Sie setzt sich für die Belange von Gehörlosen ein. „Gehörlose fallen nicht auf. Sie schreien nicht“, begründet sie ihren Einsatz. Vor allem die Bildungssituation gelte es zu verbessern. Dabei denkt Dunja Dietl nicht nur an ihren kleinen gehörlosen Neffen.
Auch Musik lässt sich mit Gebärden sichtbar machen.
Dunja Dietl
Zur Person
Dunja Dietl
Geboren: 25. Jänner 1976 in Innsbruck
Wohnort: Meiningen
Familie: Lebensgemeinschaft, zwei Kinder
Beruf: Gebärdendolmetscherin
Hobbys: Lesen, Politik