Weltoffener Klostertaler

„Als Spion am Nil“. So nennt sich ein neues Buch von Jungjournalist Gerald Drißner.
Dalaas, Istanbul. (VN-tw)Eine gesunde Portion Ehrgeiz und Weltoffenheit. Diese Charaktereigenschaften wurden dem Klostertaler aus dem zur Gemeinde Dalaas zählenden Bergdorf Wald nachgesagt. Heute wird Gerald Drißner (36) bereits zur Riege „gefragter Jungjournalisten mit großer Zukunft“ gezählt. Drißner lebt derzeit mit seiner Frau in Istanbul und schreibt für deutsche und österreichische Magazine und Zeitungen wie Stern, Profil, Tagesspiegel und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.
Erster Preisträger in Österreich
Davor war er fünf Jahre lang in Alexandria in Ägypten und hat dort Arabisch an der Uni studiert. Mittlerweile spricht der Klostertaler fließend Arabisch. Begonnen hat alles in Bludenz: Im Alter von 16 Jahren schrieb er als freier Mitarbeiter der VN den ersten Zeitungsartikel. Danach studierte er in Innsbruck Volkswirtschaftslehre und absolvierte in Hamburg in Deutschland die Henri-Nannen-Journalistenschule. Für einen Text über Ägypten erhielt Drißner 2011 den renommierten Axel-Springer-Preis für Journalisten. Er war der erste Österreicher, der diesen Preis bekam.
Warum gerade Ägypten? „Ich lebte ein Jahr lang in Israel als Journalist. Dann bin ich von dort nach Kairo gefahren. Das war 2006. Kairo war damals wie ein alter Film: Überall alte Ladas, ein Menschengewirr, ein Moloch, eine Stadt, die erst um 4 Uhr morgens schläft.“ Ein Jahr später gab er seinen Job in Hamburg auf. „Weil es mir in Deutschland zu langweilig wurde, weil dort alles so funktioniert, wie es zu funktionieren hat. Ich hatte noch mal Lust auf ein Abenteuer und zog nach Alexandria.“ Fast fünf Jahre lang hatte Drißner sein Zelt dort aufgeschlagen. „Das war noch unter dem Regime von Hosni Mubarak.“
Hautnah Revolution miterlebt
„Ich erlebte dann im Januar 2011 die Revolution. Plötzlich standen Panzer vor meiner Tür. Jede Stunde war so, dass du nicht weißt, was die nächste bringen wird. Eine Mischung aus Aufbruch und Angst. Ich marschierte mit den Leuten mit, es war wie ein Sog, niemand wusste, was passierte, man lief einfach mit wie ein Duracell-Männchen. Das Beeindruckendste war, dass dieser mächtige Polizeistaat mit weit mehr als einer Million Polizisten gegen das Volk machtlos war“, erinnert er sich. „Ich erlebte auch ein zutiefst religiöses, beinahe fanatisches Land, in dem muslimische Männer ein Stück Hornhaut auf der Stirn haben, das angeblich vom Beten stammen soll.“
Erlebtes in ein Buch gefasst
Jetzt hat Drißner („In Ägypten erlebst du in einer Woche so viel wie mancherorts in einem Jahr“) das Erlebte in ein Buch gefasst. Unter dem Titel „Als Spion am Nil“ nimmt er den Leser mit auf seine Reisen durch Dörfer und Städte Ägyptens. „Die Fahrten münden mal in Pannen und nicht selten in Abenteuern“, lächelt Drißner. „Ich reiste nämlich auch in Gegenden, in denen die Revolution bis heute nicht angekommen ist, die Polizei mich auf Schritt und Tritt verfolgte und ich immer wieder als Spion verdächtigt wurde.“ Ägypten sei zwar bekannt für große Kulturgüter und großartige Strände. „Der überwiegende Teil des nordafrikanischen Landes ist jedoch anders. Die Menschen sind arm, folgen alten Regeln und sind zutiefst religiös. Sie sind herzlich, humorvoll und liebenswert.“
Mit 16 habe ich bei den VN als freier Mitarbeiter begonnen.
Gerald Drißner