Verdacht auf Femizid: 60-jährige Frau in Wiener Keller getötet

Welt / 30.11.2021 • 16:50 Uhr
Verdacht auf Femizid: 60-jährige Frau in Wiener Keller getötet

Der Lebensgefährte wird gesucht. Es wäre der 30. Femizid (Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts) in Österreich 2021.

Wien Eine 60-jährige Frau ist am Dienstag getötet in ihrem Kellerabteil in Wien-Brigittenau entdeckt worden. Die Polizei geht derzeit von Fremdverschulden aus. Eine Fahndung nach dem 64-jährigen Lebensgefährten, der eine kanadische und iranische Staatsbürgerschaft besitzt, wurde eingeleitet. Die Tochter hatte die 60-Jährige zuvor als vermisst gemeldet.

Am Dienstag durchsuchten schließlich Polizeibeamte mit einem Diensthund das Wohnhaus der Frau. Der Hund führte die Ermittler zu der leblosen Frau, die unter einigen Gegenständen vergraben lag. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod der Frau feststellen.

“Es ist unerträglich”

“Es ist unerträglich, dass in Österreich laufend Frauen ermordet werden und niemand fühlt sich in der Sicherheits- und Frauenpolitik zuständig”, zeigt sich Klaudia Frieben, Vorsitzende des Frauenrings, betroffen und zornig. “Während bei Gewaltschutzgipfeln schöne Worte fallen, werden Frauen im Stich gelassen”, so Frieben.

“Dass wir gerade in Österreich im Zeitraum ’16 Tage gegen Gewalt an Frauen’ den 30. #femizid zur Kenntnis nehmen müssen, ist unerträglich und gleichzeitig beschämend. Bis jetzt ist – außer leeren Versprechen – nicht viel geschehen”, kritisiert Klaudia Frieben in Richtung des Innenministeriums.

Femizid

Der Begriff kam in den USA in den 1990ern auf. Grundsätzlich bezeichnet er die Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts, oft eingegrenzt auf die Tötung einer Frau durch ihre aktuellen oder früheren Intimpartner wie Lebensgefährten oder Sexualpartner.

Bis Ende November wurden 30 Femizide begangen, mehrere Fälle sind besonders brutal: Am 5. März zündet ein Mann seine 35-jährige Freundin in ihrer Trafik in Wien-Alsergrund an, die Frau stirbt Wochen später im Krankenhaus an ihren schweren Verbrennungen, der 47-Jährige wird am 1. Oktober zu lebenslanger Haft verurteilt. Der als “Bierwirt” bekannte Mann, der der Grünen-Politikerin Sigrid Maurer Ende Mai 2018 obszöne Nachrichten geschickt haben soll, soll am 29. April in Wien-Brigittenau seine Ex-Partnerin erschossen haben. Er steht ab 20. Dezember vor Gericht.

Am 26. Juni wird eine erst 13-Jährige in Wien-Donaustadt tot an einen Baum gelehnt gefunden. Vier aus Afghanistan stammende junge Männer werden festgenommen, gegen sie wird wegen Vergewaltigung mit Todesfolge ermittelt. Am 20. Juli stirbt eine 17-jährige Schwangere in Graz durch massive Gewalteinwirkung. Ein 19-jähriger Bekannter kommt als Tatverdächtiger in U-Haft. Am 13. September werden in Wien-Favoriten zwei Frauen von einem 28-Jährigen getötet. Der Somalier gibt zu, sowohl seine Ex-Frau im Streit um SMS-Nachrichten als auch eine später hinzukommende Bekannte erstochen zu haben. Danach wollte er noch einen Mann töten, der flüchten kann.