Studie stellt Aspirin in neues Licht

Arznei könnte entgegen jahrzehntelanger Meinung Herzschwächerisiko erhöhen.
Nizza, Washington Spätestens ab Jänner 1988 hat die tägliche Einnahme niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (ASS) als Mittel gegolten, um das Herzinfarktrisiko zu senken. Doch während viele Millionen Menschen seither zu dem Aspirin-Inhaltsstoff greifen, wird dessen Wert von Wissenschaftern immer kritischer gesehen. Eine neue europäisch-amerikanische Studie spricht jetzt von einer deutlich erhöhten Herzschwäche-Gefährdung bei Einnahme von ASS.
Die Wissenschafter analysierten für die Studie die Daten von 30.827 Herzschwäche-Risikopatienten in Westeuropa und den USA. Das Durchschnittsalter lag bei 67 Jahren. 7698 Probanden nahmen Aspirin ein, das waren 25 Prozent der Patienten. Die Beobachtungsdauer betrug 5,3 Jahre. 1330 der Patienten entwickelten eine Pumpschwäche des Herzens.
Bei der Auswertung der Informationen glichen die Wissenschafter rechnerisch andere Risiken aus. Das Ergebnis: „Die Einnahme von Aspirin war unabhängig von anderen Faktoren mit einer um 26 Prozent erhöhten Gefährdung durch eine Herzinsuffizienz korreliert.“ Die Ergebnisse der Beobachtungsstudie wurden danach überprüft, indem man individuell jeder Person, die von ASS-Verwendung berichtet hatte, eine Kontrollperson ohne Einnahme von ASS gegenüberstellte. In dieser Auswertung zeigte sich ebenfalls eine Risikoerhöhung um 26 Prozent. Auch bei 22.690 Studienteilnehmern ohne diagnostizierte Herz-Kreislauf-Erkrankung wurde bei Einnahme von ASS ein um 27 Prozent erhöhtes Herzschwäche-Risiko registriert. Laut deutschen Kardiologen sollen jetzt große internationale Studien diese Ergebnisse verifizieren, um endgültige Aussagen treffen zu können. Bis dahin sollte bei der Verschreibung von ASS vorsichtig vorgegangen werden.