Schikane analog und digital

Welt / 18.11.2021 • 22:37 Uhr
Laut der Studie haben die Attacken gravierende Folgen für die Gesundheit. apa
Laut der Studie haben die Attacken gravierende Folgen für die Gesundheit. apa

Mobbing bei Erwachsenen nimmt stark zu. 2,1 Millionen in Österreich bereits Opfer.

Karlsruhe Immer mehr Erwachsene sind von Mobbing und dabei vor allem von digitaler Hetze, dem sogenannten Cybermobbing, betroffen. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Karlsruher Bündnisses gegen Cyber­mobbing weist der Anstieg eine „bedrohliche Dynamik“ auf. Frauen und jüngere Menschen trifft es dabei besonders, wie es in der im deutschsprachigen Raum erhobenen repräsentativen Studie heißt.

Für die Studie mit dem Titel „Mobbing und Cybermobbing bei Erwachsenen“ waren 4000 Personen zwischen 18 und 65 Jahren befragt worden, davon 2000 in Deutschland und jeweils 1000 in Österreich und der deutschsprachigen Schweiz. Laut dem Vorstandsvorsitzenden des Karlsruher Bündnisses, Uwe Leest, hat sich die Lage seit einer repräsentativen Vorgängerstudie aus dem Jahr 2018 verschärft. Inzwischen seien rund fünf Millionen der Erwachsenen bis 65 (11,5 Prozent) davon betroffen, erläuterte er. Insgesamt waren in Deutschland 32,6 Prozent der Befragten schon einmal Opfer von Mobbingattacken gewesen, in Österreich lag der Anteil mit 36,1 Prozent (2,1 Millionen Menschen) noch höher, aber immer noch unter jenem, der in der Schweiz verzeichnet wurde (38,7).

Meistens komme es in der Arbeitswelt zu solchen Schikanen (48 Prozent), so die Studie. Sie nehmen den Angaben zufolge aber auch im privaten Bereich stark zu. Dem Cybermobbing habe Corona zusätzliche Wucht verliehen: Eltern konnten wegen geschlossener Kindergärten und Schulen nicht zur Arbeit und wurden dann etwa wegen der Betreuungsprobleme ihrer Kinder von Vorgesetzten oder Kollegen unter Druck gesetzt, so Leest.

Laut der Studie haben die Attacken gravierende Folgen für die Gesundheit: Rund 15 Prozent der Menschen bezeichneten sich in der Befragung als suizidgefährdet, etwa drei Prozent mehr als noch 2018. Zwischen 15 und 20 Prozent der Opfer hätten wegen Mobbings zu Alkohol, Medikamenten oder Drogen gegriffen.