Flamingo-Sterben in der Türkei

Welt / 14.11.2021 • 22:25 Uhr
Der 1665 Quadratkilometer große See Tuz ist in diesem Jahr komplett zurückgegangen. AP
Der 1665 Quadratkilometer große See Tuz ist in diesem Jahr komplett zurückgegangen. AP

Weil das Wasser fehlt, sind am See Tuz in der Türkei Tausende Vögel verendet.

Konya Seit Jahrhunderten zieht der See Tuz in der Türkei große Kolonien von Flamingos an. Die Vögel brüten bei warmen Wetter und ernähren sich von Algen in dem seichten Gewässer. In diesem Sommer aber bot sich statt der üblichen prächtigen Bilder von Flamingos im Sonnenuntergang ein beklemmender Anblick: Das rissige, ausgetrocknete Seebett war mit Kadavern von Küken und Elternvögeln bedeckt. Der 1665 Quadratkilometer große See, der zweitgrößte der Türkei, ist in diesem Jahr komplett zurückgegangen. Nach Angaben von Experten ist der Tuz, Türkisch für “Salzsee”, einer durch den Klimawandel ausgelösten Trockenheit zum Opfer gefallen. Als weiteren Grund sehen die Fachleute eine jahrzehntelange zerstörerische Agrarpolitik, die die Grundwasservorräte erschöpft hat.

Mehrere weitere Seen in der Türkei sind auf ähnliche Weise ausgetrocknet oder haben sich auf alarmierend niedrige Stände zurückgezogen. Gründe dafür sind auch geringe Niederschläge und nicht-nachhaltige Bewässerungstechniken. Klimaexperten warnen davor, dass das gesamte Mittelmeerbecken, das die Türkei einschließt, von schwerer Trockenheit und Wüstenbildung bedroht ist. Laut einer auf Satellitenbildern basierenden Studie der türkischen Ege-Universität begann der Wasserstand des Tuz bereits im Jahr 2000 zu fallen. Infolge der Erwärmung, zunehmender Verdunstung und zu geringer Niederschläge trocknete das Gewässer in diesem Jahr dann ganz aus.

Die Forscher stellten auch einen starken Rückgang des Grundwassers rund um den See fest, der sich über die türkischen Provinzen Ankara, Konya und Aksaray erstreckt. Das Konya-Becken in Zentralanatolien, in dem der Tuz liegt, war einst als Kornkammer der Türkei bekannt. Landwirte in der Region bauen profitable, aber wasserintensive Kulturen wie Mais, Zuckerrüben und Luzerne an, die laut Tunc viel Grundwasser verbraucht haben. Bauern hätten Tausende nicht genehmigte Brunnen gegraben, während Zuläufe des Sees ausgetrocknet oder umgeleitet worden seien.