Lava bringt Meer vor La Palma zum Kochen

Welt / 29.09.2021 • 22:48 Uhr
Ein kleines Häuschen war tagelang von den Lavamassen verschont geblieben, jetzt wurde es auch zerstört. AFP
Ein kleines Häuschen war tagelang von den Lavamassen verschont geblieben, jetzt wurde es auch zerstört. AFP

Behörden warnen vor giftigen Dämpfen. Ausgangssperre für vier Ortsteile.

Santa Cruz de La Palma Am elften Tag des Vulkanausbruchs auf La Palma war es so weit: Der glühend heiße Lavastrom erreichte die Westküste der kleinen Kanareninsel und stürzt seither über eine gut 100 Meter hohe Steilküste in den Atlantik. Behörden warnten vor gefährlichen Dämpfen. „Die Lava hat das Meer erreicht“, twitterte das Spanische Institut für Meereskunde am frühen Mittwochmorgen und veröffentlichte beeindruckende, von einem seiner Schiffe aufgenommene Bilder.

Auf ihnen ist zu sehen, wie sich die glühend-orange Masse wasserfallartig über Klippen in den schwarzen Atlantik ergießt. Im Morgengrauen wurden dann die riesigen Wolken aus verdampfendem Meerwasser sichtbar. Vor der Küste bildete sich eine Pyramide aus Lava.

„Wir sind alle sehr nervös, weil wir gar nicht wissen, was kommt. Man kann gar nicht mehr schlafen“, sagte Rafael aus dem Ort Tazacorte im Fernsehen. Sorge bereiteten vor allem die aus dem Meer aufsteigenden Dämpfe, die unter anderem stark ätzende Salzsäure enthalten.

Sie entsteht, wenn die 1000 Grad heiße Lava in das nur 20 Grad warme Meer stürzt, das Chlorid enthält, einen der Bausteine der Salzsäure. Salzsäure kann zu Verätzungen der Haut, starken Atembeschwerden und Reizungen der Augen führen. Zudem können sich winzig kleine Vulkansplitter bilden, die zu Verletzungen in der Lunge führen könnten, warnte die Vulkanologin Claudia Rodríguez.

Türen und Fenster schließen

Die Behörden hatten deshalb schon vorsorglich für vier kleinere Ortsteile mit etwa 300 Bewohnern eine Ausgangssperre verhängt. Die Menschen sollten Türen und Fenster geschlossen halten. Die kanarische Sicherheitsbehörde twitterte: „Wenn Sie draußen sind, suchen Sie sich einen sicheren Ort, um Zuflucht zu suchen.“ Im Freien solle man sich mindestens ein nasses Tuch vor Mund und Nase binden.

Der Vulkan speit inzwischen mehr Lava als am Anfang aus, die aus größerer Tiefe aufsteigt und deshalb heißer, dünnflüssiger ist und damit schneller fließt.

Die glühende Masse hat seit dem Beginn des Ausbruchs am 19. September bereits eine Schneise der Verwüstung durch das Tal von Aridane, den besonders fruchtbaren Teil der Insel, geschlagen. Rund 600 Gebäude verbrannten und wurden für immer unter der mehrere Meter dicken Lavaschicht begraben. Die Vulkaninsel war am Dienstag zum Katastrophengebiet erklärt worden.

Die orange glühende Masse ergießt sich wasserfallartig über Klippen in den Atlantik, Rauch und Dampf steigen auf.AP
Die orange glühende Masse ergießt sich wasserfallartig über Klippen in den Atlantik, Rauch und Dampf steigen auf.AP