Eierschwammerl “strahlen” noch

Welt / 15.09.2021 • 22:37 Uhr
Laut Gesundheitsministerium würden nach wie vor bei rund zwölf Prozent der Eierschwammerl Grenzwertüberschreitungen festgestellt. APA
Laut Gesundheitsministerium würden nach wie vor bei rund zwölf Prozent der Eierschwammerl Grenzwertüberschreitungen festgestellt. APA

35 Jahre nach Tschernobyl. Global 2000 fand bei Stichproben besorgniserregende Werte.

Spital am Pyhrn Die Umweltorganisation Global 2000 hat in Eierschwammerln von der Stubwies­alm bei Spital am Phyrn im Bezirk Kirchdorf in Oberösterreich besorgniserregend hohe Werte des Radioisotops Cäsium-137 gefunden, die aus dem Tschernobyl-Fallout vor 35 Jahren resultieren. Gemessen wurden 7563 Becquerel pro Kilogramm (Bq/kg), das ist mehr als das Zwölffache des in der EU geltenden Grenzwerts von 600 Bq/kg, berichtete Global 2000 am Mittwoch. Das radioaktive Cäsium ist seit dem Unfall 1986 zwar von der Bodenoberfläche in darunterliegende Schichten abgesunken, von dort kann es aber etwa von Pilzen aufgenommen und in ihnen angereichert werden. Beim Menschen lagert sich Cäsium-137, wenn es durch die Nahrung in den Körper gelangt, vor allem in Muskeln ab und kann Genschäden oder Krebs verursachen. Die Halbwertszeit beträgt 30,1 Jahre.

Pochen auf AKW-Abschaltung

Die Umweltorganisation forderte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) auf, klar zu informieren, „wo man aus Vorsorgegründen lieber nicht in den Wald auf Schwammerlsuche geht“. Denn laut Gesundheitsministerium würden nach wie vor bei rund zwölf Prozent der Eierschwammerl Grenzwertüberschreitungen festgestellt. Darüber hinaus pocht Global 2000 auf eine Abschaltung des AKW Krško. Dieses sei nur 71 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Tschernobyl, auf das die aktuelle Verstrahlung zurückzuführen ist, sei hingegen 1000 Kilometer weit weg. Die Geologische Bundesanstalt beruhigte am Mittwoch. Man führe seit den 1980er-Jahren Untersuchungen durch, mit denen Radioaktivität aus der Luft gemessen wird. Fazit: Der Gehalt von Cäsium-137 sei zwar noch deutlich messbar, aber schon deutlich zurückgegangen.