Unmut unter Opfern wächst

In Haiti warten die Menschen nach dem verheerenden Beben auf dringend benötigte Hilfe.
Les Cayes Nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti ist der Unmut unter den Obdachlosen und Verletzten über ausbleibende dringend notwendige Unterstützung gewachsen. „Es gibt ein ernstes Problem bei der Verteilung der Hilfe“, schrieb die Journalistin Nancy Roc am Mittwoch auf Twitter. Bisher komme diese nur in den zwei größten Städten des betroffenen Gebiets im Südwesten des Karibikstaates – Les Cayes und Jérémie – an. Die anderen Gemeinden würden vernachlässigt, Hilferufe an die nationalen Behörden blieben unbeantwortet, berichtete die Zeitung „Le Nouvelliste“. Es fehle vielerorts weiter am Nötigsten – an Lebensmitteln und Medikamenten, aber auch an Zelten.
Die Zahl der bestätigten Todesopfer hatte sich nach Angaben von Haitis Zivilschutzbehörde noch einmal um mehr als 500 auf 1941 erhöht. Mehr als 9900 Menschen seien verletzt worden, gut 37.000 Häuser zerstört, fast 47.000 Gebäude beschädigt. Nach Unicef-Angaben waren 1,2 Millionen Menschen von der Katastrophe betroffen. Es werden noch zahlreiche Opfer unter den Trümmern vermutet. Immerhin: Am Dienstag wurden 16 Menschen lebend geborgen.
Der Chef des Zivilschutzes, Jerry Chandler, räumte im Radiosender Magik9 Verzögerungen bei der Verteilung von Hilfsgütern ein. Er begründete dies demnach mit der schwierigen Organisation, die durch den Durchzug des Tropensturms „Grace“ in der Nacht zum Dienstag zusätzlich erschwert worden sei. Dieser hatte mancherorts Überschwemmungen verursacht und zahlreichen Menschen zugesetzt, die im Freien schliefen.
Haitis ohnehin stark unterfinanziertes Gesundheitssystem ist durch die sich zuletzt verschlimmernde Coronapandemie überstrapaziert. Hinzu kommt eine tiefe politische Krise, die sich nach der Ermordung des Staatspräsidenten Jovenel Moïse durch eine Kommandotruppe in seiner Residenz in der Nacht zum
7. Juli noch verschärft hatte.