Dramatische Lage in Haiti

Ein schweres Erdbeben reißt viele Menschen in den Tod. Ausmaße der “humanitären Notlage” noch unklar.
Saint-Louis-du-Sud Bei einem verheerenden Erdbeben in Haiti sind mindestens 700 Menschen getötet und über 1800 verletzt worden. Das teilte der Katastrophenschutz des Landes am Samstagabend (Ortszeit) auf Twitter mit. Darüber hinaus wurden zahlreiche Gebäude zerstört. Weitere Opfer werden befürchtet. Rettungskräfte und Bürger bargen in den Stunden nach dem Unglück viele Menschen aus den Trümmern. Die Ereignisse wecken Erinnerungen an das verheerende Erdbeben im Jahr 2010: Damals waren mehr als 220.000 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 300.000 wurden verletzt, über eine Million Menschen verloren ihr Zuhause.
Das jüngste Beben, dessen Stärke die US-Behörde USGS mit 7,2 angab, ereignete sich am Samstagmorgen gegen 8.30 Uhr nahe der Gemeinde Saint-Louis-du-Sud im Süden Haitis. Während des Wochenendes erschütterten mehreren Nachbeben das Land, die nach USGS-Angaben Stärken bis 5,8 erreichten.
“Die Straßen sind erfüllt von Schreien. Die Menschen sind auf der Suche nach Angehörigen, Ressourcen, medizinischer Hilfe, Wasser”, sagte Abiade Lozama, Leiter der Episkopalkirche in der besonders betroffenen Stadt Les Cayes der “New York Times”. Es werde Tage dauern, die genauen Schäden zu beurteilen, sagte die Leiterin der Kinderhilfsorganisation Save the Children in Haiti, Leila Bourahla, dem Blatt und fügte hinzu: “Es ist klar, dass es sich um eine massive humanitäre Notlage handelt.”
Dass Haiti immer wieder von schweren Erdbeben erschüttert wird, überrascht Experten nicht. “Das Land liegt am Rande einer großen tektonischen Platte, der Karibischen Platte”, sagte Marco Bohnhoff vom Geoforschungszentrum Potsdam der dpa. Das Problem sei, dass das Beben fast bis an die Oberfläche gereicht habe.
“Grace” im Anmarsch
Dem Karibikstaat droht weiteres Ungemach: Der Tropensturm “Grace” könnte am Montag auf die Region treffen, wie das Nationale Hurrikan-Zentrum der USA mitteilte. Heftige Winde und starker Regen könnten Haiti treffen, die Situation in dem vom Erdbeben betroffenen Gebiet verschlimmern und Rettungsmaßnahmen behindern.
Japans Tennis-Star Naomi Osaka will ihr Preisgeld vom WTA-Turnier in Cincinnati für die Betroffenen des Erdbebens spenden. Osakas Vater stammt aus Haiti.
Papst Franziskus sprach den betroffenen Menschen sein Mitgefühl aus. “Ich möchte meine Nähe zu diesen liebenswerten Einwohnern zum Ausdruck bringen, die so hart von dem Erdbeben getroffen wurden”, sagte er nach dem traditionellen Angelus-Gebet am Sonntag in Rom.

