Radioaktive Abschreckung

Welt / 26.05.2021 • 22:41 Uhr
Südafrika ist die Heimat von rund 90 Prozent der globalen Nashorn-Bestände. AP
Südafrika ist die Heimat von rund 90 Prozent der globalen Nashorn-Bestände. AP

Substanz, die ins Horn von Nashörnern gespritzt wird, soll Schmuggler aufspüren.

Johannesburg Südafrikas Tierschützer rüsten auf. Im Kampf gegen die Nashorn-Wilderei setzen sie nun auf leicht radioaktive Substanzen. Bei dem internationalen „Projekt Rhisotope“ arbeiten Experten mehrerer Länder zusammen. Sie wollen eine leicht radioaktive Substanz ins Horn der Tiere spritzen, um Schmuggler aufzuspüren und abzuschrecken. Sobald die Hörner am Airport oder in einem Hafen den Zoll passieren, würden die Messgeräte Alarm schlagen. Die Forscher hoffen so auf einen akuten Einbruch beim Schmuggel.

Auf einer Wildtierfarm in der Ostkap-Provinz wurde den Nashorn-Bullen „Igor“ und „Denver“ erst einmal eine präparierte Aminosäure ins Horn gespritzt. Sie enthielt spezielle, nicht radioaktive Isotope (Atomsorten) von Kohlenstoff und Stickstoff. Die Forscher möchten zunächst analysieren, ob und wie sich die Aminosäure verteilt. Später sollen leicht radioaktive Isotope genutzt werden, die von außen einfach mit Messgeräten nachzuweisen sind.

Ungewöhnlicher Ansatz

„Es ist ein sehr ungewöhnlicher Ansatz: Wir versuchen, den Wert des Horns zu mindern und zugleich den Schmuggel zu erschweren“, sagt James Larkin, der Leiter der Abteilung für Strahlung und Gesundheitsmedizin der Johannesburger Witwatersrand-Universität. Es genüge eine winzige Dosis der Aminosäure von der Größe einer Kugelschreiberspitze, die ins Horn gespritzt wird. „Die Dosis ist gering genug, um dem Organismus des Tieres nicht zu schaden – wir wollen jetzt erstmal prüfen, ob die Dosis auch im Horn bleibt.“

Allerdings stößt das Projekt nicht bei allen Tierschützern spontan auf Begeisterung. Die französische Umweltorganisation Robin des Bois sieht darin vor allem einen Versuch des wichtigsten Unterstützers, der russischen Atombehörde Rosatom, ihren Einfluss in Afrika auszubauen. Die Organisation Pro Wildlife sieht das Projekt ähnlich kritisch.