Ehrgeiziges Projekt

Welt / 28.04.2021 • 20:55 Uhr
Die chinesische Rakete vom Typ „Langer Marsch 5B“ steht auf der Startrampe. AFP
Die chinesische Rakete vom Typ „Langer Marsch 5B“ steht auf der Startrampe. AFP

China startet Bau seiner eigenen Raumstation.

Peking Mit dem Bau einer eigenen Raumstation beginnt China das bisher größte Vorhaben seines ehrgeizigen Weltraumprogramms. Am Raumfahrtbahnhof Wenchuan auf der Insel Hainan in Südchina steht seit dem Wochenende eine Rakete vom Typ „Langer Marsch 5B“ auf der Startrampe. In seinem Frachtraum steckt das „Tianhe“ (Himmlische Harmonie) genannte Kernmodul für die Raumstation, die „um 2022“ fertiggestellt sein soll. US-Experten rechnen mit dem Start am heutigen Donnerstag, doch ist der Termin noch unbestätigt. Zwei weitere Flüge sollen in den kommenden Wochen dicht nacheinander folgen.

Wenn die veraltete internationale Raumstation ISS in den kommenden Jahren ihren Dienst einstellen wird, wäre China danach die einzige Nation, die einen Außenposten im All betreibt. „Tianhe“ ist 16,6 Meter lang mit einen Durchmesser von 4,2 Metern. Das Kernmodul sorgt für Strom und Antrieb, bietet Unterkünfte für drei Astronauten, die bis zu sechs Monate an Bord bleiben können. Zwei weitere Teile für wissenschaftliche Experimente werden t-förmig angebaut.

Mit rund 90 Tonnen wird Chinas Raumstation, die nach der Fertigstellung „Tiangong“ (Himmels­palast) heißen soll, deutlich kleiner als die 240 Tonnen schwere ISS.  Kurz nach dem Start des chinesischen Kernmoduls könnte im Mai das Cargo-Raumschiff „Tianzhou 2“ mit Treibstoff und Versorgungsgütern folgen. Auch bereiten sich drei Astronauten vor, an Bord von „Shenzhou 12“ möglicherweise im Juni zu „Tianhe“ zu fliegen. Die Bauphase erfordert einen gedrängten Flugplan: Insgesamt sind elf Flüge geplant – drei Flüge mit Modulen, vier Frachtmissionen und vier bemannte Raumflüge, wie das chinesische Raumfahrtprogramm mitteilte. Eigentlich sollte der Bau der Raumstation schon früher starten, aber Probleme mit der nötigen neuen Trägerrakete sorgten für Verzögerungen. Die Bauphase wurde dafür jetzt verdichtet, um wie ursprünglich geplant 2022 fertig zu werden.