Historischer Papstbesuch

Welt / 05.03.2021 • 22:51 Uhr
Papst Fanziskus wird von Staatschef Barham Salih im Präsidentenpalast begrüßt. AFP
Papst Fanziskus wird von Staatschef Barham Salih im Präsidentenpalast begrüßt. AFP

Erstmals ein Oberhaupt der katholischen Kirche im Irak.

Bagdad Mit einem historischen Besuch im Irak hat Papst Franziskus langjährige Hoffnungen der leidgeprüften Christen des Landes erfüllt. Zum Auftakt seiner viertägigen Reise forderte der 84-Jährige am Freitag ein Ende der Gewalt und rief Iraks Führung auf, allen religiösen Gruppen Rechte und Schutz zu gewähren. Es ist der erste Irak-Besuch eines Oberhaupts der katholischen Kirche. Franziskus war nach der Landung am Flughafen von Regierungschef Mustafa al-Kasimi empfangen sowie mit Musik und traditionellen Tänzen begrüßt worden. Der Besuch wird begleitet von scharfen Sicherheitsmaßnahmen. So wurden zahlreiche zusätzliche Kontrollpunkte errichtet. Wegen einer dreitägigen Ausgangssperre waren die Straßen der Hauptstadt weitestgehend menschenleer.

Der Papst erklärte bei einem Empfang mit Staatschef Barham Salih im Präsidentenpalast, es sei von entscheidender Notwendigkeit, alle politischen, sozialen und religiösen Gruppen zu beteiligen und die Grundrechte aller Bürger zu garantieren. “Niemand darf als Bürger zweiter Klasse angesehen werden”, sagte er. Zugleich forderte er eine Ende der Gewalt. Am Nachmittag wandte er sich bei einem Besuch in der Kathedrale Sajjidat-al-Nadscha gegen jegliche Gewalt im Namen der Religion. Die Kirche war 2010 Ziel eines Angriffs des Terrornetzwerks Al-Kaida mit mindestens 50 getöteten Gläubigen. 

Die immer wieder verfolgte christliche Gemeinde in dem überwiegend muslimischen Land ist in den vergangenen Jahrzehnten stark geschrumpft. Vor allem in den von der Terrormiliz Islamischer Staat kontrollierten Gebieten litten die Christen und andere religiöse Minderheiten. Einst lebten mehr als eine Millionen Christen im Irak. Heute sind es nach Schätzungen noch 250.000 bis 400.000.

Im Mittelpunkt der Reise steht für den Papst der interreligiöse Dialog. Gespannt blicken viele auf das Treffen am heutigen Samstag mit dem wichtigsten schiitischen Geistlichen des Landes, Großayatollah Ali al-Sistani.