Einsame Wettervorhersage

Jährlich grüßt Murmeltier Phil – „Groundhog Day“ heuer ohne Zuschauer.
Punxsutawney Noch im vergangenen Jahr schien das kleine Städtchen Punxsutawney im US-Bundesstaat Pennsylvania ein Monopol auf den „Groundhog Day“ zu haben. Seit mehr als 100 Jahren sagt dort jedes Jahr am 2. Februar ein Murmeltier namens Phil das Wetter für die kommenden Wochen voraus: Sieht Phil seinen Schatten, dann dauert der Winter noch sechs Wochen an. Sieht er ihn nicht, gibt es einen frühen Frühling.
Seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie aber scheint sich für viele Menschen weltweit fast jeder Tag wie ein Murmeltiertag anzufühlen. Dieselben Nachrichten, dieselben Wände und dieselben Menschen um einen herum – ähnlich wie in „Und täglich grüßt das Murmeltier“, dem Erfolgsfilm aus dem Jahr 1993, in dem Bill Murray als Wetteransager denselben Tag immer wieder neu erlebt.
Die Pandemie bringt nun auch das Spektakel in Punxsutawney am morgigen Dienstag durcheinander. Normalerweise reisen jedes Jahr Zehntausende Zuschauer für die Veranstaltung in die Kleinstadt mit rund 6000 Einwohnern zwischen stoppeligen Maisfeldern. Es gibt Feuerwerk, die Nationalhymne, Musik und Verköstigung. Geschäfte verkaufen Murmeltier-Souvenirs von T-Shirts über Lätzchen und Stofftiere bis Tassen. In diesem Jahr dürfen wegen der Pandemie keine Zuschauer dabei sein, das Spektakel wurde zusammengestrichen. Phil muss seine Vorhersage per Livestream (ab 12.30 Uhr MEZ) abgeben.
Organisiert wird die Prognose jedes Jahr von den Mitgliedern des Groundhog-Clubs. Sie kümmern sich um Phil und seine Partnerin Phyllis, die in einem Gehege im Zentrum des Städtchens leben. Meteorologen deuten jedoch immer wieder darauf hin, dass das Murmeltier bislang nur mit etwa jeder dritten Prognose richtig lag.