Babyboom in der Pandemie

Welt / 20.11.2020 • 21:37 Uhr
Noch ist es zu früh, um die Babys, die während der Corona-Pandemie gezeugt wurden, zu zählen. Viele Experten erwarten aber einen Babyboom in den Entwicklungsländern.  DPa
Noch ist es zu früh, um die Babys, die während der Corona-Pandemie gezeugt wurden, zu zählen. Viele Experten erwarten aber einen Babyboom in den Entwicklungsländern.  DPa

Experten erwarten in den Entwicklungsländern einen deutlichen Anstieg der Geburten.

Nairobi, Jakarta Im Lockdown schwanger sein? Während des Coronachaos ein Baby zur Welt bringen? Viele Paare überlegen sich genau, ob sie derzeit Familienzuwachs haben möchten. Doch diese Wahl ist ein Luxus, den viele Frauen nicht haben, vor allem in Entwicklungsländern wie Kenia und Indonesien. Experten erwarten dort daher einen Babyboom, zum Großteil aber einen ungewollten. In Indonesien etwa sei die Zahl der Menschen, die sich staatlich beraten ließen und kostenlose Verhütungsmittel benutzten, im April und Mai im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie um zehn Prozent gesunken, sagt Eni Gustina, stellvertretende Leiterin bei der Nationalen Agentur für Familienplanung. Es werde erwartet, dass es Anfang nächsten Jahres zwischen 375.000 und 500.000 mehr ungewollte Schwangerschaften geben werde als vor Corona. Viele Menschen in Entwicklungsländern spüren die wirtschaftlichen Konsequenzen der Pandemie mehr als die Pandemie selbst, etliche haben ihre Jobs verloren oder deutlich weniger Einkommen. “Sie können nicht zahlen” und würden daher nicht kommen, sagt Sophie Hodder, die Leiterin von Marie Stopes in Kenia. Die Organisation bietet Familienplanungsberatung, Gesundheitsversorgung nach Abtreibungen und Schwangerschaftsbetreuung an. In deren kostenpflichtigen Kliniken sei die Zahl der Patientinnen während der Coronapandemie um 30 Prozent gesunken. “Uns macht es große Sorgen, dass die Frauen nicht kommen.” Hinter dem Babyboom steckt eine noch größere, düstere Entwicklung: Während der Coronakrise ist sexuelle Gewalt und Ausbeutung von Mädchen und Frauen weltweit gestiegen. In Kenia würden auch in normalen Zeiten Frauen mit Männern schlafen, um an etwas Geld etwa für Binden zu kommen, sagt Nancy Okoth von der NGO Plan International.