Mangel an Lebensraum

Welt / 04.11.2020 • 22:46 Uhr
Die Virunga-Gorilla-Population hat sich vergrößert, ihr Lebensraum aber nicht. dpa
Die Virunga-Gorilla-Population hat sich vergrößert, ihr Lebensraum aber nicht. dpa

Dichte an Berggorillas verringert Wachstum des Bestands.

Nairobi Die größere Dichte an Berggorillas in Ostafrika hat Forschern zufolge ein verringertes Wachstum des Bestands zur Folge. “Die Virunga-Gorilla-Population hat sich seit fast 40 Jahren vergrößert, ihr Lebensraum aber nicht”, sagte Damien Caillaud, ein Mitautor der am Mittwoch veröffentlichten Studie. Mit steigender Zahl kommen demnach die einzelnen Gruppen öfter in Kontakt – und dieser Kontakt sei oftmals gewalttätig, erläutern die Forscher im Fachjournal “Science Advances”. In der Folge ist demnach zwischen 2000 und 2017 die Sterblichkeitsrate unter den Jungtieren stark gestiegen und die jährliche Wachstumsrate des Bestands um etwa die Hälfte gesunken.

Die Wissenschafter hatten Daten zur Entwicklung einer Berggorilla-Population im Virunga-Massiv an der Grenze von Ruanda, Uganda und dem Kongo aus fünf Jahrzehnten analysiert. Demnach spalteten sich die ursprünglichen Gruppen mehrfach, wenn jüngere Silberrücken – erwachsene männliche Gorillas – begannen, die älteren Anführer herauszufordern. Aus drei Gruppen im Jahr 2006 seien elf kleinere im selben Gebiet geworden, schreiben die Forscher. Während eine durchschnittliche Gorillagruppe zehn Individuen zähle, hätten in den drei ursprünglichen Verbänden 25 bis 65 Gorillas gelebt, darunter bis zu acht Silberrücken. In andere Gegenden ausweichen könnten neu entstehende Gruppen nicht – weil diese landwirtschaftlich genutzt oder von anderen Gorilla-Gruppen bewohnt werden. Für so viele Gruppen sei das Gebiet aber zu klein.

Der Virunga-Bestand umfasst derzeit insgesamt etwa 600 Tiere – in den frühen 1980er-Jahren hatte es in dem lediglich 430 Quadratkilometer großen Waldgebiet geschätzt nur noch etwa 250 Berggorillas gegeben. Weltweit gibt es der Naturschutzunion IUCN zufolge etwas mehr als 1000 Berggorillas. Sie leben in nur zwei Gebieten in Ostafrika: im Virunga-Massiv und der Region Bwindi-Sarambwe.