Coronavirus: Fälle im Allgäu und in Wien

Welt / 01.03.2020 • 18:55 Uhr
Coronavirus: Fälle im Allgäu und in Wien
Der Louvrein Paris bleibt aus Angst vor dem Virus geschlossen. AP

Bayern und Wien melden neue Krankheitsfälle. International werden die Maßnahmen verschärft.

Bregenz Die Zahl der Verdachtsfälle steigt weiter an: Bislang zählt man in Vorarlberg 65 Verdachtsfälle, von denen 54 negativ getestet wurden. Elf Ergebnisse stehen noch aus (Stand Sonntagabend). Doch auch die bestätigten Krankheitsfälle kommen immer näher: Bayern meldete am Sonntag vier neue Erkrankungen, eine davon im Allgäu. Ein Mitarbeiter eines Maschinenherstellers in Pfronten an der Tiroler Grenze, gut 30 Kilometer Luftlinie vom Kleinwalsertal entfernt, sei betroffen. 1600 Mitarbeiter sind angewiesen, zuhause zu bleiben.

Einer 52-köpfigen Reisegruppe aus Nordrhein-Westfalen wurde am Samstag die Einreise nach Tirol verweigert. Eine Jugendliche habe vor der Schulfahrt Kontakt zu einem bestätigten Krankheitsfall gehabt und gelte als Verdachtsfall. Der Reisebus wurde daher von den österreichischen Behörden kurz nach der Grenze gestoppt und zurückgeschickt. Das Gesundheitsamt im Ostallgäu, das am Wochenende die Reisegruppe betreute, kritisierte die Aachner Amtskollegen, dass die Jugendliche gemeinsam mit ihrer Schulklasse reisen durfte.

Vier Neuerkrankungen in Wien

In Wien wurden am Sonntagmorgen vier weitere Erkrankungsfälle bekannt gegeben. Betroffen seien unabhängig voneinander ein Wiener, eine Wienerin sowie ein deutsches Touristenpaar. Die beiden Bundesdeutschen dürften sich bei einer Karnevalsveranstaltung in Deutschland bei einem bereits bekannten Fall infiziert haben. Die Betroffenen würden allesamt eine „leichte Symptomatik“ zeigen. Die Frau aus der Bundeshauptstadt war vor kurzem von einer Reise nach Mailand zurückgekehrt. Wo sich der Wiener angesteckt hat, ist noch nicht klar. Damit steigt die Zahl der Erkrankten in Österreich auf 14.

International steigt die Zahl der Krankheitsfälle weiter an. Fast 87.000 Menschen sind weltweit erkrankt, davon beinahe 80.000 in China. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) erwartet, dass die nächste Woche für die Weiterentwicklung der Ausbreitung entscheidend wird. „Wir können Österreich nicht unter einen Glassturz stellen“, man werde daher die europaweit abgestimmte Strategie konsequent weiterverfolgen.

Louvre geschlossen

Südkorea, mit über 3500 Erkankten das am zweitstärksten betroffene Land der Welt, hat den höchsten Krisenfall ausgerufen. In Frankreich mit inzwischen über 100 Krankheitsfällen wurden Veranstaltungen mit mehr als 5000 Teilnehmern verboten. Der Louvre ist seit dem Sonntagvormittag auf Bestreben der Mitarbeiter aus Angst vor einer Ansteckung geschlossen.

In Italien wurden 18 Personen angezeigt, weil sie versucht haben die rote Zone in der Provinz Lodi zu verlassen. Sie wollten in Geschäften außerhalb der roten Zone einkaufen, in der seit einer Woche alle Shops und Lokale geschlossen sind. Andere Personen wurden angezeigt, weil sie ohne Erlaubnis in die abgesperrte Zone aus elf Gemeinden mit zirka 50.000 Einwohnern eingedrungen waren, um Angehörige zu besuchen. Das lombardische Gesundheitssystem gerät wegen der stetig steigenden Zahl von Patienten unter Druck, warnt Massimo Galli vom Mailänder Krankenhaus Sacco. Die Lombardei will nun auf private und pensionierte Mediziner zurückgreifen. In Rom wurde die Kirche San Luigi dei Francesi gesperrt, nachdem ein französischer Priester Symptome zeigte.

Iran außer Kontrolle

Nach Angaben des iranischen Gesundheitsministeriums am Sonntag ist die Zahl der Todesfälle innerhalb von 24 Stunden von 43 auf 54 gestiegen. Im gleichen Zeitraum nahm die Zahl der nachgewiesenen Infektionen um 385 zu. Sie liegt derzeit insgesamt bei 978, sagte Ministeriumssprecher Kianusch Dschahanpur auf einer Pressekonferenz. Die Coronaviruskrise hat das Land kurz vor dem persischen Neujahrsfest (20. März) hart getroffen. Aus Angst vor einer Ansteckung vermeiden die sonst sehr geselligen Iraner jeglichen Kontakt, sogar mit nahen Verwandten. Der Anteil der Todesopfer an den Infektionen lag im Iran mit mehr als sieben Prozent bislang deutlich höher als anderswo. Die um 385 Fälle gestiegene Zahl der Infektionen verschob diese Prozentzahl nun aber wieder nach unten, auf etwa 5,5 Prozent. Mindestens sieben Regierungsbeamte haben sich im Iran mit dem Virus infiziert, darunter eine Vizepräsidentin und ein hoher Beamter des Gesundheitsministeriums.