Feuer in Notre Dame gelöscht – Luxusunternehmer wollen Hunderte Millionen spenden

Welt / 16.04.2019 • 11:00 Uhr
Feuer in Notre Dame gelöscht - Luxusunternehmer wollen Hunderte Millionen spenden
Der Großbrand in der Pariser Kathedrale Notre Dame ist gelöscht. Die Milliardäre Arnault und Pinault versprechen großzügige Spenden für den Wiederaufbau.Reuters, AFP

Die Unternehmerfamilien Arnault und Pinault wollen 300 Millionen Euro für den Wiederaufbau von Notre Dame spenden.

Paris, Köln Der Großbrand in der weltberühmten Pariser Kathedrale Notre-Dame ist nach Angaben der Feuerwehr komplett gelöscht. Das ganze Feuer ist aus, sagte der Sprecher der Feuerwehr, Gabriel Plus, Dienstagfrüh. Alle Flammen seien gelöscht, nun müssten Experten das Ausmaß der Schäden prüfen, hieß es weiter. Der Brand war demnach am Montagabend auf dem Dach ausgebrochen und hatte sich rasend schnell auf einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern ausgebreitet.

Eine internationale Geberkonferenz soll für den angestrebten Wiederaufbau der Pariser Kathedrale Notre-Dame Geld sammeln. Einen entsprechenden Vorschlag verkündete die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, über ihren Twitter-Account. Sie wolle die Spenderkonferenz im Rathaus von Paris veranstalten, um die notwendigen Mittel für den Wiederaufbau der Kathedrale zusammenzubekommen. Die Region Île-de-France will zehn Millionen Euro bereitstellen.

Auch erste Großspender haben bereits ihre Bereitschaft an der Mitfinanzierung bekräftigt. Die Familie des französischen Unternehmers und Milliardärs Bernard Arnault kündigte über Arnaults Luxuslabel LVMH an, sich mit 200 Millionen Euro an der Rekonstruktion beteiligen zu wollen. Zudem will die Gruppe, zu der unter anderem die Marken Moët Hennessy und Louis Vuitton zählen, ihre Teams bei Kreativität, Architektur oder Finanzen zur Verfügung stellen.

Zuvor hatte bereits die französische Milliardärsfamilie Pinault 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau versprochen. Der Geschäftsmann François-Henri Pinault verkündete, er und sein Vater François Pinault hätten entschieden, dass die Familien-Holding Artemis den Betrag bereitstellen werde, um sich an der Anstrengung zum Wiederaufbau von Notre-Dame zu beteiligen. François-Henri Pinault ist Chef des Luxuskonzerns Kering, zu dem Modemarken wie Gucci, Brioni und Saint Laurent gehören.

Die superreichen Franzosen Arnault und Pinault sind als Kunstliebhaber, Mäzene und Konkurrenten bekannt.

Wiederaufbau des Holzdachs

Mit Blick auf den angestrebten Wiederaufbau sagte der französische Kulturexperte Bertrand de Feydeau im Radio France Info am Dienstag, das Holzdach der Kathedrale könne nicht originalgetreu wieder aufgebaut werden. In Frankreich gebe es keine Bäume von jener Größe mehr, die im 13. Jahrhundert für das Dach verwendet worden seien. Die Stämme seien nicht dick genug, um die aus den Urwäldern vor mehr als 800 Jahren zu ersetzen. Stattdessen müsse auf neue Technologien zurückgegriffen werden, sagte de Feydeau. Er ist Vizepräsident der für Erhaltung eintretenden Gruppe Fondation du Patrimoine.

Feuer in Notre Dame gelöscht - Luxusunternehmer wollen Hunderte Millionen spenden

Nach dem Feuer in Notre-Dame rechnet der Kölner Dombaumeister Peter Füssenich mit einem jahrzehntelangen Wiederaufbau. “Jetzt zu spekulieren, wie lange der Wiederaufbau dauern und was er kosten wird, ist ein Blick in die Glaskugel”, sagte Füssenich am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. “Aber allein wenn man die Fernsehbilder gesehen hat, weiß man, dass es nicht nur Jahre sein werden, bis der letzte Schaden beseitigt ist, sondern dass es da um Jahrzehnte geht.”

Die nächsten Tage seien nun entscheidend, betonte der Experte. Die steinernen Deckengewölbe unterhalb des verbrannten Dachstuhls hätten sich mit Löschwasser vollgesogen. “Das hat dazu geführt, dass es zu einer Gewichtszunahme der überwölbten Decken um ein Vielfaches gekommen ist. Man wird die nächsten Tage abwarten müssen, ob die Gewölbe standhalten trotz dieses Gewichts.”

Feuer in Notre Dame gelöscht - Luxusunternehmer wollen Hunderte Millionen spenden

Die Zerstörung des Dachstuhls von Notre-Dame sei ein besonders großer Verlust, weil er überwiegend noch aus dem 13. Jahrhundert gestammt habe. Der Kölner Dom besitze einen Dachstuhl aus Eisen aus dem 19. Jahrhundert. “Im Vergleich zu einem hölzernen brennt der nicht direkt. Wenn aber ein großes Feuer auf ihn einwirkt, dann hat das auch Folgen. Dann verzieht sich so ein eiserner Dachstuhl.” AP/DPA