Verzögerungen, Anwälte, Baustopp: Wie teuer wird der Feldkircher Stadttunnel wirklich?

Eine IFG-Anfrage der VN legt zentrale Kostenpunkte des Stadttunnels offen: Allein die Verzögerungen schlagen mit bis zu 17 Millionen Euro zu Buche. Die Kosten des Baustopps im Vorjahr sind aber noch offen.
Darum geht’s:
- IFG-Anfragebeantwortung gibt Einblick in bisherige Kosten für Stadttunnel.
- Bisher wurden 67,3 Millionen Euro an Baukosten aufgewendet. Über 1,6 Mio. Euro an Wiener Anwaltskanzlei.
- Jährliche Betriebskosten des Tunnels betragen über eine Million Euro.
Feldkirch Jahrzehntelang wurde über ihn diskutiert, seit Anfang März wird er gebaut: der Stadttunnel Feldkirch. Mit dem offiziellen Tunnelanschlag hat das größte Straßenbauprojekt des Landes eine wichtige Hürde genommen und rückt in Zeiten knapper Budgets auch finanziell immer wieder in den Fokus.

Über eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) haben die VN nun Einblick in zentrale Kostenpunkte in das mit bis zu 385 Millionen Euro veranschlagte Projekt erhalten. Demnach haben allein Verzögerungen im Verfahren Mehrkosten von ca. 15 bis 17 Millionen Euro verursacht. Diese Summe führt das Land auf den jahrelangen Instanzenzug rund um die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zurück. Beschwerden gegen den erstinstanzlichen Bescheid hatten zwischen 2015 und 2019 zu erheblichen Verzögerungen geführt. In dieser Zeit stiegen vor allem die Baukosten, insbesondere durch den Baukostenindex. Der Instanzenzug verursachte laut Auskunft des Landes rund 1,13 Millionen Euro an Rechts- und Verfahrenskosten, inklusive Verfahren vor den Höchstgerichten.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Sonstige angezeigt.
Die bisherigen Baukosten beziffert das Land in der IFG-Beantwortung mit 67,3 Millionen Euro, darunter unter anderem Kosten für die Erkundungsstollen und vorbereitende Maßnahmen, während die Planung mit 15,6 Millionen Euro zu Buche schlägt.

Kosten für Baustopp 2025 noch unklar
Noch ungewiss ist hingegen, wie stark sich der Baustopp im Vorjahr finanziell auswirken wird. Die Behörde hatte die Baueinstellung im Mai verfügt und im November wieder aufgehoben. Laut Land haben die betroffenen Baufirmen bereits Mehrkosten “dem Grunde nach” angemeldet. Erst nach Abschluss des Projekts lasse sich beziffern, welche zusätzlichen Kosten durch den Baustopp tatsächlich entstanden sind.

Derzeit versuchen alle Beteiligten, verlorene Zeit aufzuholen, um die im UVP-Bescheid festgelegte Fertigstellung bis 2030 einzuhalten, betont das Land. Trotz der Mehrkosten sei der Kostenrahmen bei den bislang abgerechneten Teilbaulosen eingehalten bzw. unterschritten worden. Nachträge für zusätzliche Bauleistungen seien in der Branche üblich und vertraglich geregelt, heißt es.

Millionen für Wiener Anwälte
Neben den indirekten Kosten durch Verzögerungen zeigt die IFG-Anfrage auch: Der Stadttunnel ist juristisch ein aufwendiges Projekt. So wurden seit 2009 rund 1,66 Millionen Euro an die Wiener Kanzlei Fellner Wratzfeld & Partner bezahlt. Weitere rund 947.000 Euro entfielen auf zusätzliche Rechtsberatung durch andere Kanzleien. Auffällig ist dabei ein deutlicher Anstieg in den vergangenen Jahren: Während die Kosten lange im fünfstelligen Bereich blieben, wurden 2024 rund 211.000 Euro, 2025 sogar über 413.000 Euro an die Hauptkanzlei bezahlt.

Das Land führt dies auf eine Häufung rechtlicher Verfahren zurück, darunter Zwangsrechtsverfahren gegen Grundstückseigentümer, die Aufarbeitung des Baustopps, Verwaltungsstrafverfahren sowie weitere Schritte im Umfeld der UVP. Beauftragt wurde die Kanzlei ursprünglich per Direktvergabe. 2009 habe es laut Land in Vorarlberg keine Kanzlei mit entsprechender Spezialisierung im Bereich Umweltverfahren gegeben.

Auch die begleitende Kommunikation des Projekts verursacht Kosten: Laut vorliegenden Zahlen wurden bisher mehr als 235.000 Euro für Öffentlichkeitsarbeit aufgewendet.
Laufende Kosten im Betrieb
Wie viel der Stadttunnel im laufenden Betrieb kosten wird, zeigt eine Anfragebeantwortung an die Grünen im vergangenen Dezember. Demnach rechnet das Land für den Betrieb des Tunnels mit erheblichen jährlichen Ausgaben. So werden die Stromkosten mit rund 450.000 Euro pro Jahr veranschlagt, für Personal fallen etwa 200.000 Euro jährlich an (Stand 2024). Die laufende betriebliche Erhaltung wird mit rund 650.000 Euro pro Jahr beziffert.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
Chronologie Stadttunnel Feldkirch
1992 – 1998: Das Projekt Letzetunnel – als Südumfahrung von der Autobahn bis zum Grenzübergang Tisis – wird diskutiert, ausgearbeitet und vom BMVIT (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie; seit 2020 BMK Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie) als Bestvariante bestätigt.
2005: Das Land Vorarlberg, die Stadt Feldkirch und die Marktgemeinde Frastanz entscheiden sich für ein konsensorientiertes Planungsverfahren.
2005–2008: Im Rahmen der “Verkehrsplanung Feldkirch Süd” werden 15 Straßenoptionen untersucht.
2009: Der “Stadttunnel Feldkirch” (Variante 5.3) geht daraus als Bestvariante hervor. Stadt Feldkirch, Gemeinde Frastanz und Land stimmen der Umsetzung zu.
11. September 2013: Einreichung Umweltverträglichkeitserklärung (UVE)
21. Juli 2015: Positiver UVP-Bescheid in erster Instanz
24. Juni 2019: Bestätigung des UVP-Bescheids in zweiter Instanz: Diese Bestätigung durch das Bundesverwaltungsgericht stellt eine “konsumierbare Baubewilligung” dar.
2019/20: Die ersten vorbereitenden Baumaßnahmen werden durchgeführt (Steinsatz in der Ill und Weicheneinbau, Umlegung L191a Schulbrüderareal).
1. Dezember 2020: Die Vorarlberger Landesregierung gibt 23 Millionen Euro für weitere Teilbaulose frei.
2021: Die nächsten vorbereitenden Maßnahmen werden umgesetzt: Lärmschutzwand Fellengatter, temporäre Lärmschutzwand Duxgasse/PH, Baubeginn Radwegbrücke Blödlebach, Anschlag Erkundungsstollen Altstadt. Eröffnung des Infozentrums Stadttunnel Feldkirch.
8. März 2022: Der Österreichische Verwaltungsgerichtshof weist den Revisionsantrag der Projektgegner zurück. Dieser Entscheid markiert den Abschluss des “außerordentlichen Rechtsweges” vor den Höchstgerichten.
Juli 2022: Die Landesregierung fasst am 19. Juli 2022 den Baubeschluss für das Gesamtprojekt. Mit dem Erkundungsstollen Tisis und dem Umbau im Portalbereich Felsenau beginnen die letzten vorbereitenden Maßnahmen.
2026: Baubeginn der Hauptarbeiten am Stadttunnel
2030: Geplante Fertigstellung und Inbetriebnahme