Kommentar: Ohne Parmesan

Vorarlberg / 27.02.2026 • 14:39 Uhr
Kommentar: Ohne Parmesan

Natürlich ist es gut, dass Vorarlbergs Krankenhäuser – wenn schon, denn schon – nicht nur im Großen sparen, sondern auch im Kleinen. Das ist keine Frage. Und natürlich weiß man jetzt nicht, wie man reagieren soll, wenn es heißt, dass Parmesan in der Küche genauso gestrichen werde wie Kernöl. Beides bringt in Summe fast 26.000 Euro pro Jahr. Was viel und wenig zugleich ist. Dafür bekommt man einen Kleinwagen. Gemessen am Gesamtbudget der Krankenhäuser (720 Millionen Euro) und am Betrag, der nun alles in allem zusammengekratzt werden soll (zwölf Millionen Euro), ist es jedoch vernachlässigbar.

Andererseits kann man finden, dass jeder Cent, der so geholt wird, besser ist als einer, bei dem das unmittelbar zum Nachteil der Patienten geschieht. Und wer braucht schon unbedingt Parmesan zu Pasta oder Kernöl auf den Salat? Also. Es geht auch ohne.

Was ist der Plan? Gibt es einen? Oder lässt man die Dinge einfach mehr und mehr Richtung Zwei-Klassen-Medizin laufen?

Dasselbe gilt für weitere Kürzungspläne: Die Belegschaft wird es überleben, dass ihr die Teilnahme an einer Laufveranstaltung nicht mehr bezahlt wird und dass ein Sommerfest ausfällt. Beides lässt sich privat kompensieren, könnte man jetzt meinen.

Der Punkt ist jedoch: Hier geht es um sehr Symbolisches, das der Substanz gefährlich nahekommt. Vorarlbergs Krankenhäuser werben zum Beispiel seit Jahren vor dem Wiener AKH, einem der größten Spitäler Europas, in dem tagtäglich auch hunderte Medizinstudierende ein- und ausgehen, um Turnusärzte.

„Go to the West“, heißt es auf einem wildwestartigen Plakat. Mitte der 2010er Jahre wurde darauf ein Jahresbruttogehalt von 68.000 Euro versprochen. Zuletzt ist die Summe bereits bei stolzen 99.000 Euro gelegen. Das bringt zum Ausdruck, dass man weit über die Landesgrenzen hinaus um medizinisches Personal kämpfen muss und dass man sehr viel zahlen muss, um Nachwuchs dafür zu gewinnen, sich in Vorarlberg niederzulassen.

Vor diesem Hintergrund beginnt die Parmesan- und Sommerfeststreichung in einem anderen Licht zu erscheinen: So wird es fix nicht einfacher, sich im innerösterreichischen, ja im internationalen Wettbewerb um Medizinerinnen und Mediziner durchzusetzen.

Wichtiger: So ausgewogen die Maßnahmen sein mögen, durch sie zeigt sich vor allem auch, wie angespannt die finanzielle Lage im Gesundheitswesen bereits ist. Ja, die Formulierung ist bewusst vorsichtig gewählt. Man muss nämlich steigerungsfähig bleiben: Alle Prognosen gehen davon aus, dass die Ausgaben dafür in den kommenden Jahren und Jahrzehnten gemeinsam mit jenen für die Pflege noch stärker zunehmen werden als jene für Pensionen. Und dass das Budgetloch immer größer wird, obwohl zum Beispiel schon von – gemessen am BIP – sinkenden Ausgaben für die Verwaltung, also den ganzen Staatsapparat, ausgegangen wird.

Das ist eine verheerende Perspektive, die nach Klarstellungen seitens der Bundes- wie der Landespolitik schreit: Was ist der längerfristige Plan? Gibt es überhaupt einen? Oder lässt man die Dinge letzten Endes einfach mehr und mehr Richtung Zwei-Klassen-Medizin laufen, was bedeutet, dass einer Masse eine sogenannte Basisversorgung bleibt und denen, die das Glück haben, es sich leisten zu können, privat mehr zur Verfügung steht?

Johannes Huber betreibt die Seite dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik.