„Ich bete zu Buddha und in der Kirche zu Gott“ – wie Menschen aus aller Welt Weihnachten in Vorarlberg feiern

Vorarlberg / 24.12.2025 • 11:00 Uhr
„Ich bete zu Buddha und in der Kirche zu Gott“ – wie Menschen aus aller Welt Weihnachten in Vorarlberg feiern
Heiligabend wird in Vorarlberg von Menschen unterschiedlichster Kulturen als traditionelles Familienfest erlebt. Fotos: HRJ

Heiligabend verbindet Kulturen: Wie feiern Menschen, die aus anderen Ländern zu uns gekommen sind, Weihnachten?

Darum geht’s:

  • Menschen feiern Weihnachten in Vorarlberg als Familienfest.
  • Buddhisten und Muslime betonen den kulturellen Aspekt.
  • Heiligabend verbindet Menschen jenseits kultureller Grenzen.

Schwarzach Heiligabend wird in Vorarlberg von Menschen unterschiedlichster Kulturen als traditionelles Familienfest erlebt – unabhängig von Herkunft oder Religion. Eine Chinesin und eine Nepalesin, beide Buddhistinnen, haben Weihnachten erst kennengelernt, als sie nach Österreich zogen. Für sie steht dabei nicht der religiöse, sondern der kulturelle Aspekt im Vordergrund. Ähnlich sehen es ein syrisches Ehepaar sowie ein Bosniake muslimischen Glaubens: Für sie ist Heiligabend kein religiöser Feiertag, sondern ein Anlass, Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen.

Ein Kosovo-Albaner christlichen Glaubens ist noch am 23. Dezember für eine Hilfsorganisation im Einsatz. Und obwohl Weihnachten in seiner Kirche erst im Jänner gefeiert wird, nutzt ein Armenier den Abend üblicherweise, um Angehörige und Freunde einzuladen. Heuer ist es jedoch anders.

Eines empfinden dennoch alle gleich: In Vorarlberg verbindet Heiligabend Menschen über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg. HRJ

„Ich bete zu Buddha und in der Kirche zu Gott“ – wie Menschen aus aller Welt Weihnachten in Vorarlberg feiern
Maya Müller aus Muntlix:
Weihnachten kannte die buddhistische Nepalesin Maya Müller nicht, bevor sie vor 23 Jahren zu ihrem Ehemann Elmar nach Muntlix zog. „Das habe ich erst hier kennengelernt.“ Ebenso wie den katholischen Glauben. „Nun bete ich in der Pagode zu Buddha und in der Kirche zu Gott. Ich glaube an beide.“ Weihnachten sieht Maya nicht als religiöses, sondern als traditionelles Familienfest. Am 24. Dezember feiert sie mit ihrem Mann und ihrer 25-jährigen Tochter Smriti – mit Christbaum, Geschenken und einem feinen Mahl. „Es gibt Kartoffelcremesuppe mit Lachs.“ Am 25. Dezember kommen Elmars Söhne mit ihren Familien zu Besuch. „Dann gibt es Paella. Das mögen alle.“
„Ich bete zu Buddha und in der Kirche zu Gott“ – wie Menschen aus aller Welt Weihnachten in Vorarlberg feiern
Moawia und Suzan Posstajie aus Hard:
„Als wir noch in Syrien lebten, hatten wir bestimmte Rituale zu Weihnachten. Muslime besuchten christliche Familien in der Nachbarschaft und feierten mit ihnen zusammen“, erzählt Moawia Posstajie, der seit zehn Jahren in Österreich lebt. Für den Krankenpfleger und Sozialbetreuer ist Weihnachten ein Familienfest, „das wir wie die Vorarlberger feiern“. Heuer laden Moawia und Suzan Posstajie ihre Schwagerfamilien nach Hard ein – neun Erwachsene und neun Kinder. Es gibt Raclette. Danach werden die Geschenke verteilt. „Weihnachten“, sagt Moawia, „ist eine Zeit der Hoffnung, der Zufriedenheit und vor allem des Friedens. Die Menschen lächeln freundlich auf der Straße und wünschen sich Gutes. Das ist schön.“
„Ich bete zu Buddha und in der Kirche zu Gott“ – wie Menschen aus aller Welt Weihnachten in Vorarlberg feiern
Avni Pllana aus Bludenz:
Als ehrenamtlicher Mitarbeiter der Hilfsorganisation „Stunde des Herzens“ ist Avni Pllana (50) auch zu Weihnachten im Einsatz für Menschen in Not. Der katholische Albaner aus dem Kosovo und Eigentümer der Pizzaria Antonio in Bludenz steht jeden Tag, auch am 23. Dezember, auf dem Bludenzer Weihnachtsmarkt und schenkt einen speziellen Schnaps aus gegen freiwillige Spenden. „Das Geld geht an bedürftige Kinder“, erklärt Avni. Heiligabend feiert er daheim mit Ehefrau Sanela, den fünf Kindern und der Familie seines Cousins. „Wir sind ziemlich viele und es gibt volles Programm – mit Weihnachtsbaum, Geschenken und gutem Essen.“ Was auf den Tisch kommt, bleibt Sanelas Geheimnis.
„Ich bete zu Buddha und in der Kirche zu Gott“ – wie Menschen aus aller Welt Weihnachten in Vorarlberg feiern
Rasim Hasović aus Hörbranz:
Als Rasim Hasović noch in Bosnien lebte, nahm er nicht nur die Feiertage der Muslime wahr, sondern auch jene der Katholiken und Orthodoxen. „Weihnachten feierte ich mit kroatischen Familien am 24. Dezember, mit serbischen Familien am 6. Jänner.“ Seit Beginn des Bosnienkrieges 1992 lebt Rasim Hasović in Vorarlberg. Hier hat das Christfest für ihn keine religiöse Bedeutung, sondern ist ein Anlass, Zeit mit Familie, Freunden und Nachbarn zu verbringen – auch mit Menschen, die allein sind. „Ich besuche zum Beispiel eine 90-jährige Frau, die niemanden hat“, sagt der 75-jährige pensionierte Krankenpfleger, der noch immer stundenweise Patientinnen und Patienten betreut. Heiligabend jedoch gehört seiner Frau und seiner Familie.
„Ich bete zu Buddha und in der Kirche zu Gott“ – wie Menschen aus aller Welt Weihnachten in Vorarlberg feiern
Chunxia Ye aus Bregenz:
Für Chunxia Ye, die Buddhistin ist, hat Weihnachten keine religiöse, sondern eine kulturelle Bedeutung. „In China haben wir Weihnachten nicht gefeiert“, sagt sie. Mit dem Weihnachtsfest kam sie erstmals in Berührung, als sie 19-jährig nach Österreich kam. „Damals hat sich unsere Familie an Heiligabend einfach zusammengesetzt und gemütlich gegessen – chinesisch.“ Heuer feiert die Chefin von Chen’s Gastronomie am 23. Dezember gemeinsam mit ihren MitarbeiterInnen im Chen’s Dining in Bregenz. An Heiligabend kommt die Familie Ye bei Chunxias Eltern in Hard zusammen. „Wir essen, trinken, plaudern, lachen und verteilen Geschenke.“ Auf den Tisch kommt auch diesmal chinesisches Essen. „Mama kocht. Wie immer.“
„Ich bete zu Buddha und in der Kirche zu Gott“ – wie Menschen aus aller Welt Weihnachten in Vorarlberg feiern
Samvel Adamyan aus Bregenz:
In der armenischen apostolischen Kirche wird Weihnachten am 5. und 6. Jänner gefeiert. „Heiligabend am 24. Dezember feiern wir erst, seit wir in Vorarlberg leben“, sagt Samvel Adamyan, der vor 18 Jahren aus Armenien nach Österreich gekommen ist. Normalerweise laden die Adamyans zu Weihnachten Angehörige und Freunde ein. Heuer feiern sie jedoch im kleinen Familienkreis. „Wir ziehen gerade um, das ist stressig“, erklärt Samvel. Das Festessen bereitet Ehefrau Arpine mit Hilfe der beiden Töchter zu. „Vielleicht gibt es Fisch, vielleicht Ente.“ Geplant ist auch der Besuch eines Weihnachtsgottesdienstes. Für Samvel, der bei der Caritas Flüchtlingshilfe arbeitet, ist es wichtig, die christliche Tradition zu bewahren.